Viola hat sich in das Reiten verliebt.
Sie ist ein kleines Naturtalent. Sehr schnell hat sie alles gelernt und umgesetzt.
Am Anfang standen die Grundbegriffe über Pferde, Reiten und Satteln und dann wurde geübt.

Die Pferde haben riesig viel Platz hier. Zum Reiten werden sie erst einmal eingefangen.



Vor ein paar Tagen war sie dann mit ihrer Lehrerin außerhalb des Geländes und hat einen ausgedehnten Ritt unternommen. Sie waren an unzugänglichen Stellen, vorbei an einsamen Hütten, durch Bachläufe und dichten Urwald. Total euphorisch kam sie zurück. Dem Reiten verfallen. Danach sie erst einmal eine Pause im Garten gebraucht. 
Autokauf.
Die Infrastruktur in Paraguay verlangt Mobilität. Wer auf dem Land, dem Campo wohnt, braucht ein Auto, ein Motorrad oder wenigstens ein Fahrrad. Wir wollen zuerst ein Auto, denn wir wollen noch viel von Paraguay sehen.
Wir waren bei einigen Autohändlern in Villarrica und haben uns gebrauchte Autos angeschaut. Nächste August bekommt unser „Favorit“ Händler einige Autos neu aus Peru herein. Dann schauen und kaufen wir eines. Es wird wahrscheinlich ein Nissan Terrano II sein. Hier heißt der Mistral. Ein Geländewagen muss es schon sein. Die Strassen hier bestehen meistens nur aus festgefahrener Erde mit Steinen.
Die Autos hier sind entweder Neuwagen vom Händler, sehr oft aber Gebrauchtwagen aus Japan. Alles mit Lenkrad rechts! Diese Autos werden dann umgebaut auf Linkslenker. Nach dem Autokauf werden wir mit viel Glück auch schnell eine Autozulassung bekommen. Bis dahin fahren wir auf „Bakschisch“
Viel schneller haben wir ein eigenes Prepaid Handy bekommen. Jetzt können wir die Leute hier besser erreichen.
Am Freitag war Rene das erste Mal im Kindergarten in der deutschen Schule in Independencia. Es hat ihm Super gefallen, er wollte nicht mehr dort weg. Die Schule sieht nicht so aus wie in Deutschland. Nicht vollgesprayt, ohne Drogenhändler, ohne Süsswarenshop und nicht durchgestylt. Jede Altersgruppe ist eine Klasse, mal kleiner mal größer. Vergleichbar einer Schule um 1970. Uns hat das sehr gut gefallen.
Reiten Ingo.
Am Dienstag, 19 August, hatte ich meinen ersten Ritt nach langen Jahren. C. kam ins Haus „Ingo, hast du kurz Zeit?“ Und draußen stand Aron, sein Pferd, gesattelt. Schnell waren die Steigbügel eingestellt und die Eigenheiten des Pferdes erklärt. Dann bin ich auf dem Gelände herumgeritten. Aron reagiert auf leichtes Zügel ziehen links rechts und leichten Druck mit den Knien. Er reagiert auf leichtes vorne überbeugen mit Speed und auf zurücklehnen mit stehen. Sehr feinfühlig, arabermäßig.
Einmal hat er kurz aus Verzweiflung einen leichten Krebsgang rechts – links gemacht, weil ich die Zügel nach links gezogen habe und ihn rechts mit dem Knie gedrückt. Aber es war wieder ein tolles Erlebnis auf den Pferderücken.
Donnerstag, 21. August, waren wir in Asuncion und ich hatte Termine mit Leuten, die bei der Einwanderungsbürokratie in Paraguay helfen. Beides Damen. Beide sehr professionell mit unterschiedlichen Preisen und Geschichten. Am Freitag dann Termine mit zwei Männern im gleichen Geschäft. Diese Erlebnisse werde ich erst einmal verdauen und mich dann entscheiden. Hauptpunkt ist das Vertrauen, das Bauchgefühl also.
Motorrad Enduroa Motorcross
Heute am Samstag, 22. August, hatten wir Fahrstunden auf der Enduro. Erst Viola. Für sie war das total neu. Also erst Theorie. Schalten, Kuppeln, Gas geben, anlassen.
Ihr Mut schwindet.
Nach einer Stunde dann der erste Fahrversuch allein.
Nicht schlecht, aber sie hat noch zuviel Angst. Also Fahrversuche zu zweit. Sie vorne und C. hinter ihr auf dem Motorrad. Nach fast zwei Stunden war Viola schweißgebadet aber zufrieden.
Danach habe ich mich wieder auf eine Kawasaki getraut. Einige Runden auf dem Feld und ich war wieder drin. Die technischen Dinge waren präsent wie immer. Der Mut in den Kurven ist noch zu gering, aber das kommt noch. Auf dem Gelände unserer Gastfamilie gibt es einen Teich, einige Hügel, viel Bergauf und Bergab und es ist eine wunderschöne Strecke grob abgesteckt.
Einfach toll.
Rene wollte nicht reiten, nicht auf das Pferd. Er wollte „Das Pferd mit Rädern“, also Kutsche fahren. Aber als er gesehen hat wie wir Motorrad gefahren sind, hat er C. gesagt, „Ja tesch“, = „Ich auch“. Dann hat er sich vor C. gesetzt und ist wie ein Alter auf dem Motorrad gefahren.
Was für ein Tag!
Am Abend waren wir im „Austria“. Wir vier Erwachsene, die beiden 10 und 12 Jahre alten Kinder unserer Gastfamilie und Rene. Ein gutes, reichhaltiges Essen, sehr schmackhaft. Die Kinder hatten sehr viel Spass mit viel Blödsinn machen, wir haben getratscht, eine Eigenart der deutschsprachigen in Paraguay. Natürlich haben wir etwas getrunken, aber trotzdem hat hier niemand Angst vor einer Polizeikontrolle. Nach der Rückkehr haben wir noch lange gesessen und erzählt.
Ein glücklicher Abend.
Am Sonntag wollen wir eine Motorradtour machen. Geplant ist eine Strecke hoch in das Ybytyryzugebirge, zum Schweizer Wasserfall, rund 250 Meter höher als das Gelände. Der unverantwortliche Christoph glaubt ich wäre fit genug dafür. Sein Vertrauen ehrt und ängstigt mich.
Sonntag, 24. August.
Am Samstagabend hat jemand vergessen die Gartenberegnung abzustellen. Im Laufe der Nacht fiel Strom aus, die Tiefbrunnenpumpe naürlich auch. Am Morgen waren dann nicht nur der Strom, sondern auch das Wasser weg. Luka, 12 Jahre, ist mit dem Pick-Up zum Nachbarn gefahren und hat ein 200 Literfass Wasser geholt. Da hat es dann zumindest für Kaffee gereicht. Nach dem Frühstück war wieder Strom und kurz danach das Wasser da.
Um halb eins sind wir dann losgefahren. Viola hinter C. auf einer Honda, Alessio, 10 Jahre , auf eine Jamaha und ich auf einer Kawasaki.
Die Strecke war der Traum eines jeden geübten Motorcrossfahrers, aber ein Alptraum für mich. Jetzt sitze ich am PC und bin Stolz wie tausend Affen das ich es geschafft und heile überlebt habe. Nur einmal bin ich zu schnell in den Schlamm gefahren und auf die linke Seite gestürzt und dann auf dem Rückweg bergab einmal aus der Spur und nach rechts in den Bambusdschungel gefahren. Die restlichen vier Stunden ohne ein Problem.
Es war durchweg Erdweg. Manchmal nur zwei tiefe Spuren von den Geländewagen, dann wieder mit Schlamm gefühlt, dann freigewaschene Steine von Kohlkopfgrösse, dann einmal ein Anstieg aus Sandstein mit vielen Auswaschungen. Und ich immer vorneweg geradeaus. Wenn eine Abzweigung kam sind Viola und C. an mir vorbei und haben mir den Weg gezeigt. Wir sind über Weiden und Zuckerrohrfelder, durch Bambuswald, vorsichtig durch eine Wasserbüffelherde, immer weiter bergauf. Oben, in einem kleinen Wald, haben wir Rast gemacht an einem kleinen Bach. Dort fiel der Bach dann steil rund 60 Meter in einen kleinen Teich. Dort waren wir schon einmal, aber unten.
Hier oben sieht es aus wie in einem Palmenhaus, der Bach fließt über viele Steinstufen und bildet kleine Wasserbecken. Traumhaft schön. Von dort oben sieht man über die weite Wald bestandene Ebene. Wunderschön.
Diesmal waren wir ohne Fotoapparat, aber wir kommen wieder. Wir planen eine weitere Motorradtour oder mit Pferden dorthin zu kommen. Dann am Abend ein Asado, viel Bier und Zuckerrohrschnaps (Bacardi kostet hier pro Liter 14 Zloty oder 5,50 Euro). Danach werden wir im Zelt dort oben übernachten.
Aber erst einmal sind wir glücklich über diesen wunderschönen Tag.
Viola ist sehr froh und zufrieden, und stolz auf mich. Nach so langer Zeit so eine Strecke mit nur zwei Hinfallern, das hat ihr imponiert.

Rene war in der Zeit mit Luka und Birgit zu Hause geblieben. Er ist heute einmal von der Schaukel gefallen, hat sich einen Dorn in den Fuss getreten und eine Schlange gesehen. Er hat eine Katze geküsst, den Papagei geärgert, mit Birgit Fotos auf den Computer geguckt, die kleinen Entenkücken gefangen, Kaninchen gefüttert und ist mit den Hunden um die Wette gelaufen. Ein Kindertraumtag.



Heute Abend, also gleich gibt es Asado.
Heute ist der 24.8.2008. Vor genau 12 Jahren haben Viola und ich uns kennengelernt. Das werden wir feiern. Heute werden wir zu dritt die Cohiba aus Kuba rauchen, so wie hier Terere getrunken wird. Einer nach dem anderen.


Terere wird in Gesellschaft getrunken. Die Bombillia geht von einem zum anderen.
Nächste Woche ziehen wir um in ein eigenes kleines Haus mit einem Apartement. Montag wird der WLAN- Internetanschluss installiert. Natürlich auf unsere Kosten. 
Dann gibt es auch regelmäßigere Berichte aus einer fremden Welt. Zusammenfassend muss ich zur Motorradtour sagen: Es war einfach gefährlich und unverantwortlich von Christoph Ritter mit einem Anfänger so eine Strecke zu fahren. Leider fehlt ihm jedes Verantwortungsgefühl für seine Gäste.
Einem real gewordenen Traum. 