Eintragsarchiv für: 2008
  • Prost Neujahr

    Wir bleiben in Paraguay.
    Das ist sicher.

    Wir bleiben in der Guaira oder zumindest in der Nähe der Berge, auch wenn es der Bereich Cordillera sein soll.
    Im nächsten Jahr werden wir viel reisen und das restliche Praguay kennenlernen. Am Anfang in den Süden und in der kalten Jahreszeit in den Chaco.
    Mitte oder Ende des jahres werden wir dann irgendwo heimisch werden.

    Die deutsche Kolonie Independencia gefällt uns sehr  gut. Man muß nur aufpassen wann man wem warum vertraut. Bekanntschaften können zu Freundschaften wachsen, aber Freundschaften auch aus nichtigen Gründen scheitern.
    Hier in der Colonia Independencia habe ich manchmal das Gefühl, daß besonders die in Europa sozial gebeutelten Menschen, geflohen vor dem schlechten Ruf durch Offenbahrungseid, Zwangsversteigerung ihres Hause, Steuerschulden und so weiter,  hier versuchen 110% Saubermann zu sein. Nur nicht an der Vergangenheit rühren.
    Andere wiederum sind schlimmere Rassisten wie die Südafrikaner zur Zeiten der Apartheid. Ständig hört man von ihnen wie faul die Paraguayer sind, wie unzuverlässig, wie dumm (das Wort ungebildet wird hier nicht verwendet) wie schmutzig das Land ist. Man soll aufpassen auf wenn man sich einläßt, immer das Haus abschließen, keinem vertrauen. Jeder hat mindestens eine Geschichte parat wie es einem Alemannen geht durch die Paraguayern. Natürlich trifft man diesen Typ Mensch nicht in der Despensa oder beim Bier auf der Plaza, sondern NUR in deutschsprachigen Lokalitäten. Keiner hat diese Geschichten selbst erlebt, alles ist aus mindestens dritter Hand. Und wenn es doch mal selbst erlebt war, dann wurde das Unglück, die Gefahr, durch einen Deutschen verursacht oder eingeleitet.
    Aber man kann all diesen Menschen aus dem Weg gehen. Kontakte begrenzen.

    Auch das werden wir im neuen Jahr tuen.

    In Zukunft werde ich meinen Mund nicht mehr halten bei dieser rassistischen Art  Leute. Weggucken bedeutet auch diesen Rassismus feige zu tolerieren. Ich werde diesen Typen sagen wie einfach es ist wieder ins gelobte saubere sichere Deutschland zu fliegen und sich dort über türkische Getthos auszulassen.

    Spanischlernen wird intensiviert.
    Selbstständigkeit und Mündigkeit in unserem Gastland wird an erster Stelle stehen.
    Wir wollen nicht zu den deutschsprachigen zählen die sich nach Jahren noch in allen Lebenslagen von deutschsprachigen Paraguayern helfen lassen müssen.
    Informationen über Paraguay werden wir von Paraguayern bekommen, schlechte Erfahrungen werden uns die deutschsprachigen schon von allein erzählen.

    Heute werden wir im Sportverein essen gehen.
    Zu der Zeit wird das neue Jahr in Europa beginnen.
    Dann, wenn wir zurück sind, so gegen 22:00 Uhr, dann werden wir für Rene einige Raketen abfeuern. Danach geht er ins Bett und wir geniessen weiterhin den Abend.

    Am Neujahrstag treffen wir uns am Morgen mit rund 20 Paraguayern und fahren an einen Wasserfall hier im Gebirge. An diesem Wasserfall ist ein natürliches Freibad.

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    Dort werden wir dann einen Grill aufbauen, viel Rind-und Schweinefleisch mit Mandioka essen und sehr viel kaltes Bier trinken und Musik aus einer fahrbaren Disco hören, also auf paraguyisch feiern. Es wird viel gelacht und geredet, Musik gemacht, die Familie steht im Mittelpunkt.
    Rene wird sich mit den Kindern auf spanisch und Guarani, mit Händen und Füssen UND sehr viel Improvisitation verständigen.

    Resume:

    Fast alles, was wir uns vor der Abreise vorgenommen haben, ist umgesetzt oder zumindest eingeleitet.
    Vieles, was wir uns mangels Vorstellungskraft gar nicht erst gewünscht hatten, wurde trotzdem real.

    Jeden Tag wird die Sonne aufgehen,

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    und jeden Tag wird die Sonne mit einem Lächeln untergehen.

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    Wir bedanken und bei allen die uns dieses Leben ermöglicht haben.

    Habt einen guten Rutsch in das neue Jahr,

    mögen fast alle eure Wünschen in Erfüllung gehen,

    habt Vertrauen in den Menschen und sprecht miteinander,

    schlicht, tut das was uns zum Homo Sapiens sapiens macht.


    Ingo

  • Von Leben und Tod, Sittichen und Kaninchen

    Gestern Abend haben wir ein wunderschönes, privates Weihnachtsfest gehabt.
    Der Tag verabschiedete sich mit prachtvollen Farben.
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    Wir mussten einfach einmal für unsere Lieben posieren und unseren Neidern einen Grund für Neid liefern.

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    Bis zur Dunkelheit haben wir traditionel Bigos gegessen plus einige typisch polnische Weihnachtsessen. Das Fenster zur Welt, nach Torun, Dallas und Deutschland (via Skype) lief auf dem PC.

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    Danach wurden draussen Sterne gesucht und einige Raketen gegen den dunklen Himmmel geschossen. In der Zwischenzeit, oh Wunder, hat der Weihnachtsmann doch einige Geschenke für René hinterlassen.


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    Zum Abschluss des wunderbaren Abends waren wir zu dritt in Melgarejo.
    Wir wollten wissen wie bei den Paraguayer Weihnachten gefeiert wird.
    Unverständlicherweise konnten uns das langjährig hier wohnende Deutsche nicht genau erklären.
    Also,
    es wird draussen gesessen und gegessen, gefeiert, überall sind bunte Lichter, durch die offenen Türen und Fenster sah man viele bunt geschmückte Weihnachtsbäume, die Despensas sind fast alle offen: Es war mehr ein Samstagabend als Heilig Abend.

    Zum Abschluss gegen Mitternacht und vier Uhr im kalten, nassen Europa, saßen wir noch bei einer Feiertagszigarillo und Campary in der lauen Nacht.

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    Alle Frösche und Zikaden haben uns ein Ständchen gebracht.

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    Vor drei Tagen hat unser der Besitzer der uns umgebenden Estancia eine Kuh mit einem halbgeborenen Kälbchen tot im Wald in einem Bach gefunden. Bei der Anzahl der Kühe und dem waldreichen Gelände kann er nicht jede trächtige Kuh rundum betreuen.
    Die Kuh wurde mit dem Traktor aus dem Bach gezogen und für die Geier dort gelassen.

    Gestern, am morgen des heiligen Abends, rief er uns wegen der Geburt eines Kälbchens an. Wir wollten so etwas doch einmal live erleben.
    Das Kälbchen lag mit den Hinterbeinen Richtung Ausgang. Steißlage nennt man das bei Menschen.
    Ein schnell herbei gerufener Spezialist in Sachen Geburtsproblemen bei Rindern hat dann das Kalb innerhalb der Kuh abgetastet, die Diagnose gestellt, das Kälbchen etwas herausgezogen, bei jeder Wehe geflucht und ein Seil an den Hinterbeinen des Kälbchens befestigt.
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    Danach wurde ein kleiner Flaschenzug an das Seil gehängt und das ganze auf Spannung gebracht. Während dieser brutalen und vorsichtigen Arbeit zugleich wurde das Kälbchen dann mit dem Rücken nach oben gedreht, sonst stößt das Kälbchensteißbein gegen irgendwelche Hüftknochen der Kuh!?

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    Wie auch immer, nach einiger Zeit war das Kälbchen geboren und die Kuh bekam wehenhemmende- und schmerzstillende Mittel gespritzt.

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    Beide haben überlebt.

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    Seit einiger Zeit bauen wir uns einen kleinen Garten und darin einen Voiliere.
    In diesem überdimensionalen Vogelkäfig sollen bunte und seltsame Vögel sowie einige Wachteln (wegen deren Eier) ihren Lebensraum finden. Aber nur Tiere, die hier bei uns in der Nähe nicht vorkommen, denn die beobachten wir lieber in freiem Flug.
    Als erste Bewohner haben wir sechs Wellensittiche gekauft.

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    Als nächstes habe ich dann ein Brutkastenreihenhaus gebaut.

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    Und damit hätte ich mich in Deutschland auch schon gleich strafbar gemacht.
    Warum denn das??

    Na ja, in Deutschland muss jede Zucht von Sittichen (auch Wellensittiche) behördlich angemeldet und genehmigt werden. Auch wenn Sie nur ein Paar Sittiche haben, und diese brüten lassen wollen, brauchen Sie eine Genehmigung ihres Veterinäramtes!!
    Wichtige Voraussetzungen für eine Genehmigung sind:
    a: Polizeiliches Führungszeugnis: Dies bekommt man beim Ordnungsamt.
    b: Sachkundiges Wissen: Man muss eine mündliche oder schriftliche Prüfung ablegen. Bei den Themen geht es um Haltung, Ernährung und Zucht von Sittichen. Darüber hinaus, sollte man auch mit den Rechtsgrundlagen (Bundesseuchengesetz, Psittakose-Verordnung, Tierschutz- und Tierseuchengesetz) vertraut sein.
    Der Amtstierarzt wird sich dann auch die Wellensittiche anschauen, ihre Haltungsbedingungen begutachten und prüfen, ob ein weiterer, gefliester Raum zur Verfügung steht, in dem ein evtl. an Psittakose erkrankter Welli untergebracht werden kann. Quelle: Psittakoseverordnung

    Ich hoffe die Leute hier in der Municipalidad werden mein Anliegen verstehen und mir die Erlaubnis erteilen

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    Unsere Karnickel werden in den umzäunten Bereich umquartiert. Dort können sie Höhlen graben soviel sie wollen. Ich werde mich dann aber um den Hochwasserschutz bemühne damit nicht noch eine Nachkommenschaft im nächsten Regen ersäuft.

    Der Kompost ist schon seit längerer Zeit angerichtet. Dort finden alle organischen Abfälle und die meisten Pferdeäpfel ihre letzte Ruh. Nach einer Lage organischen Resten kommt eine Lage reine Erde, eine Lage alter Kompost von der Zuckerrohrfütterung und dann eine Lage Pferdeäpel. Alles leicht angefeuchtet und vor Sonne geschützt reift diese Mischung dann zu reiner Erde.
    Erstaunt habe ich festgestellt, daß die kompostierung geruchslos abläuft.

    Eine Hängematte ist auch schon angebracht, Strom und Wasser installiert.

    Unser Nachbar riet mir das alles geheim zu halten. Die Gefahr das einige Campesinos das Gelände zu Wohnzwecken besetzten wäre gross


  • Frohe Weihnachten 2008 euch allen

    Weihnachten 2008

    Erlebt von Viola, Rene und Ingo
    Aus dem polnischen fast wörtlich sinn- und gefühlsmäßig übersetzt.

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    Villarrica war heute mit Menschen gefühlt wie eine echte Metropole.

    Wir waren kaum in der Lage einen Parkplatz am Herrero, einem der größten Einkaufscenter hier,
    zu finden.

    Weil auch hier Weihnachten naht.

    Der große kommerzielle Ereignis.

    Auf den Regalen singende Weihnachtsmänner:
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    Überall Schmuck in allen möglichen Farben:
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    ...aber hier gibt es etwas, was in Polen (oder Deutschland) nicht zu finden wäre, neben dem Tannenbaum ein Schwimmbad
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    und , aufgepasst , etwas, was meine Aufmerksamkeit besonders geweckt hat (!) -
     zwischen paraguayischen Produkten haben wir das gefunden:
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    Mein Herz hat schneller angefangen zu klopfen,... polnische Beleuchtung! Die habe ich betastet, berührt, fast wie ein Heiligtum , von jeder Seite, ganz ergriffen.

    Etwas sentimental bin ich geworden.
    Plötzlich habe ich gemerkt, tatsächlich Weihnachten kommt, und zwar schon bald...

    Es ist schwer hier Weihnachten zu spüren.

    Seit Wochen sind die Temperaturen zwischen 35 - 40°C. 
    Recht warm also.

    Um sich seriösen Moment klar zu werden, , haben wir uns entschlossen, einen Tannenbaum zu kaufen.

    Das ist unsere erster Plastikbaum.
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    Drei Teile und ein schicker Ständer.
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    Und, nach ein  paar Minuten war er fertig. Recht sympathisch sogar.
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    René hat ihn heute schon geschmückt.
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    ups, ja ja, bei uns ist ziemlich heiß , unsere Söhnchen läuft ganzen Tag nackig.

    Noch nie haben wir so geschwitzt, beim  Tannenbaum schmücken.
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    Und, bitte schön:
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    Allen hat er gefallen.

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    Den Sonnenuntergang haben wir heute mit viel Freude begrüßt.
    Der Aufenthalt in der Stadt , die Hitze auf den Straßen, die vielen Leute, große Mengen von Geräuschen und Farben, das alles hat uns ziemlich geschafft.

    René hat sich bis spät in die Abendstunden auf der Terrasse abgekühlt:
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    Und wir haben den Sternenhimmel genossen,
    das unheimliche Rufen der Eulen,
    das weinende muuuh der Kälber (die gerade von der Mutter entwöhnt werden),
    und das mit Echo weit ins Land fliegende summen, brummen und Gekreische von riesigen Zikaden.. -
    die Luft scheint zu vibrieren, so laut ist der Konzert der Zikaden hier..

    ha, die Weihnachtszeit...

    Nur wer wird als Weihnachtsmann auftreten ? 

    Wir wünschen allen alles Gute -
    kein Stress, das richtige Maß beim Essen und nur positive Emotionen

    Herzlichen Gruß.
    Viola
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    Nachtrag von Ingo

    Weihnachten findet im Herzen statt.
    Es ist eine Glaubens- und Hoffnungsangelegenheit.
    Und die Hoffnung stirbt immer zuletzt!

    Es wäre ein Verbrechen an der Kindheit unseres Renés, wenn wir kein Weihnachten im christlichen, sozialen, menschlichen Sinn feiern würden.
    Nach den Einträgen in meinem Blog könnte man glauben, er oder wir leben gottlos, aber das ist nicht wahr.
    Wir leben frei von Kirche und deren Scheuklappenideologen.
    Aber, wir leben im Glauben an die Menschlichkeit und einem übergeordnetem Wesen. In dieser Reihenfolge.
    Vertrauensvorschuss und vorbehaltloses Annehmen der Menschen wird von uns gelebt.
    Verachtung und herabsetzendes Reden sowie Dünkel (Anmaßung, Überheblichkeit, Arroganz) sucht ihr bei uns vergeblich.

    Die vielen Familienstreitigkeiten an Feiertagen sowie Scheidungen nach Urlauben zeigen uns allen die soziale Vereinsamung der Menschen.
    Die Menschen reden nicht mehr miteinander. Ihnen reicht ihr Schubladen denken, und für die Schublade reicht ein kurzes Stichwort .. und schwupps ist man drin.

    Die Familienmitglieder haben nicht mehr Gesprächsstoff als nur für eine Stunde pro Tag, den Menschen hinter dem Partner/Bruder/Schwester/Vater oder Mutter kennt man eigentlich nicht mehr. Keine Zeit mehr, nächster Termin, Arbeits- und/oder Gelddruck, Selbstverwirklichung!

    Und dann die viele Zeit an den Feiertagen oder im Urlaub,
    dann,
    wenn der Konsumdruck langsam nachlässt, wenn alles erledigt ist und die Seele, der Mensch, sein emotionales Recht einfordert, ...
    dann kommt der Mensch zum Vorschein, der wirkliche Mensch, nicht seine Standardrolle.
    Und was passiert dann??

    A: So kenne ich dich noch gar nicht! 
    B: Ach ja, hast mir auch nie richtig zugehört!

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    In der Hoffnung das euch allen so etwas nicht passieren wird,

    mit vielen lieben Wünschen für ein geruhsames, menschliches Weihnachtsfest,

    Ingo


  • Vierter Advent

    Advent Advent ein Lichtlein brennt,
    erst eins,
    dann zwei,
    dann drei,
    dann vier,
    und wenn das fünfte brennt,
    dann hast du Weihnachten verpennt.
    (Unbekannter Autor)

    Im Moment reichen mir weder die Adventskerzen noch der Kalender zum Begreifen das Weihnachten naht.

    Rene ist noch nicht so auf diese Feiertage und die Begleiterscheinungen eingewöhnt. Für ihn ist das so eine Art besonderer Geburtstag.

    Gut so.

    Nachdem ich vor längerer Zeit aufgehört habe Flüche aus dem religiösen Bereich zu nutzen wird es jetzt Zeit sich vollends von den heidnischen und christlichen Bräuchen die durch die Kirche, aber nicht durch den Glauben, initiert wurden, zu trennen. Oder zumindest einzuschränken.

    Schon mal überlegt wieviel Redewedungen wir aus dem kirchlichen Bereich benutzen?

    Kleine Auswahl:
    Oh Jesus!
    Mein Gott!
    Maria Jesus, steh uns bei!
    Gott vadamich! (Verdialektet)

    Mit dem Wissen aus Wikipedia, der Goethe Stiftung und anderer schlauer Seiten kann ich jetzt folgendes behaupten:

    Die Entwicklung des Christbaumes hat keinen eindeutigen Anfang.
    In immergrünen Pflanzen steckt Lebenskraft und darum glaubte man, Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man sein Zuhause mit Grünem schmückte. Bereits die Römer bekränzten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen.
    Einen Baum zur Wintersonnenwende zu schmücken, ehrte auch im Mithras-Kult den Sonnengott. Auch in nördlichen Gegenden wurden im Winter schon früh Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren und das Grün gab Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.

    Der heutige populäre Mythos des Weihnachtsmanns, der mit einem von Rentieren gezogenen fliegenden Schlitten reist, heimlich durch den Kamin in die Häuser steigt und dort die Geschenke verteilt, geht zurück auf das 1823 anonym veröffentlichte Gedicht "The Night before Christmas" .
    Die spezielle Variante des Weihnachtsmanns im rot-weißen Gewand wurde seit 1931 alljährlich von dem Unternehmen Coca Cola aufgenommen und für eine Werbekampagne zur Weihnachtszeit verwendet.

    Das Geburtsdatum Jesu wird im Neuen Testament nicht genannt und war schon den Urchristen unbekannt.
    Der vor dem Jahre 221 nach Christi Geburt schreibende Julius Africanus bezeichnete den 25. März als Datum seiner Passion als auch seiner Empfängnis, was bei einer exakt neunmonatigen Schwangerschaft Marias zu einem Geburtstag am 25. Dezember führen würde.
    (Wenn denn ein göttlicher Funke 9 Monate zum reifen braucht. Anmerkung von mir)

    Was soll ich da eigentlich feiern bei 36 Grad?

    Ja, ernsthafte Frage. Was eigentlich?

    Denn, wenn ich meinen Glauben an die Kirche und den Staat behalten hätte, wäre ich ja nicht hier.

    Da, wo ich seit ewiger Zeit das Erste mal von tief innen heraus zufrieden bin. Trotz Reit- und Motorradunfälle.


    Während ich das hier schreibe rinnt mir der Schweiß hinten am Rückgrat herunter. 
    Recht so, besser als eine Gänsehaut.

    Für alle die mich trotz aller Kichenungläubigkeit immer noch mögen,

    ein frohes Fest, lasst es euch  nicht vermiesen.
    http://www.goethe.de/Z/Jetzt/dejzus28/dejmie28.htm

    Für alle anderen empfehle ich folgenden Link:
    http://www.telefonseelsorge.de/


  • Motivation, Tod und Leben

    Vor einiger Zeit las ich in der Süddeutschen Zeitung,
    http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/630/451344/text/
    ein Bericht über die Aussteiger. Nicht im Sinne von Auswandern, sondern die Vorstufe davon.

    Dort war zu lesen:
    88 Prozent der Deutschen fühlen sich ihrer Firma gegenüber zu nichts verpflichtet.
    Kaum ein Unternehmen hat eine hohe Fluktuationsrate zu beklagen.
    Der Krankenstand ist so niedrig wie lange nicht mehr.
    Gehaltskürzungen, gestrichenes Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Degradierung durch Umstruktierung, die Wegnahme des Firmenwagens - alles wird klaglos hingenommen.
    Der Schluss daraus müsste sein: Alle sind so zufrieden, dass das bisschen Verzicht kaum ins Gewicht fällt. Aber stimmt das tatsächlich?
    Gunter Dueck, Professor und Chef-Technologe bei IBM in Stuttgart, sagt: "Das System ist grausam geworden und funktioniert eigentlich nicht gut - das beunruhigt." Overprocessing, Bürokratie, Arbeitsüberlastung, Stress bis zum Burn-out und Demotivation seien die Namen für diesen großen Frust.


    Was hat das mit Paraguay zu tuen????

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    Am 11.ten Dezember waren wir genau vier Monate im Land unserer Träume.
    Ein Anlass über die Motivation zur Veränderung unseres Lebens von Deutschland nach Polen nach Paraguay zu sinnieren.
    Alle fachlichen Details sind bei http://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Maslow zu finden
    Abraham Harold Maslow war ein US-amerikanischer Psychologe. Er starb im Alter von 62 Jahren am 8. Juni 1970 in New York City.
    Die von ihm entwickelte maslowsche Bedürfnispyramide ist sicher eines der bekanntesten sozialpsychologischen Modelle zur Erklärung der menschlichen Motivation, dem Antrieb irgend etwas zu unternehmen, zu beginnen.

    Die Bedürfnispyramide hat fünf Stufen, die aufeinander aufbauen. Die Stufen eins bis drei müssen zwingend erreicht sein. Es sind die existenziellen Minima, die Grundbedürfnisse.

    Die Bedürfnisbefriedigung der ersten zwei Stufen sichert das körperliche Überleben
    1. Körperliche Existenzbedürfnisse wie Freiheit, Atmung, Schlaf, Nahrung, Wärme, Gesundheit, Wohnraum, Sexualität.
    2. Sicherheit: Schutz vor Gefahren, fester Arbeitsplatz, Absicherung.

    Die Bedürfnisbefriedigung der Stufe drei und vier sichert das seelische Überleben
    3. Soziale Beziehungen: Familie, Freundeskreis, Partnerschaft, Liebe, Intimität, Kommunikation.
    4. Soziale Wertschätzung: Höhere Wertschätzung durch Status, Respekt, Anerkennung- Auszeichnungen-Lob, Wohlstand, Einfluss, private und berufliche Erfolge, mentale und körperliche Stärke.

    Danach folgen die höheren Ziele des Menschen
    5. Selbstverwirklichung: Individualität, Talententfaltung, Perfektion.


    Viele Menschen kommen anscheinend hier nach Paraguay, weil ihnen offensichtlich Teile einiger Stufen der Pyramide weggebrochen sind.
    Dazu gehören die Grundbedürfnisse wie Freiheit, Gesundheit, (lebenswerter) Wohnraum, fester Arbeitsplatz. Weiterhin vernichtet die moderne Verdrängungs- und Konkurrenzarbeitswelt einen großen Teil der sozialen Wertschätzung und verhindert oftmals komplett die Selbstverwirklichung.

    Allgemein also der Stress in lauten Städten bei ungesunder Luft und nicht immer sozial angenehmen Wohnraum (Lage). Stress durch Konsumdruck, Stress im privaten Bereich durch fehlende Erfolge, wegbrechen der sozialen Kontakte (keine Zeit), Stress auf der Arbeit.
    Ohne die Erreichung dieser Grundbedürfnisse ist die Stufe fünf, die Selbstverwirklichung, nicht erreichbar.

    Hier bei uns in Paraguay steht dem Erreichen der höchsten Stufe der Erfüllung nicht mehr so viel im Wege.
    Unter der Voraussetzung eines geregelten Einkommens ist dem weiteren Erklimmen der Pyramide kaum noch ein Hindernis im Wege.

    Zeit haben, Ruhe,
    gesunde Luft, gesunde Nahrung,
    der Wegfall jeglichen Drucks,
    das finden eines Freundeskreises,
    Anerkennung, Selbstverwirklichung;
    alles wird und ist hier möglich.

    Die von deutschsprachigen Siedlern gegründete Kolonie Independencia bietet durch die vielen deutschsprachigen in zweiter und dritter Generation eine Basis für neu Ankommende in diesem spanisch/guarani sprechendem Land.

    Die Altkolonisten (Nachkömmlinge der Siedler von 1920),
    +die neu hinzugekommenen deutschsprachigen (ab circa 1985),
    +die Gäste auf der Suche nach dem Lebensglück in der letzten Lebensphase
    +sowie Urlauber (oft als Sondierer der Lage hier),
    wir alle zusammen bilden eine sprachlich verbundene Gemeinschaft in der aber jeder jedem aus dem Wege gehen kann wenn er will.
    Die Gemeinschaft existiert in einem losen Verbund.
    Sportverein und Schule sind Möglichkeiten des Zusammentreffens, aber kein MUSS.

    Wie in jeder Gemeinschaft gibt es auch hier die Mischung von Gut und Böse mit allen möglichen Schattierungen. Bei einigen Neuankömmlingen ist der Schutz vor rechtlicher Verfolgung (selbst verschuldet) sicher ein großes Argument. Aber das heißt nicht, dass diese Menschen ihre Geschäfte in alter Manier hier weiter betreiben. Sie suchen oftmals nur den Schutz, keinen neuen Wirkungsbereich.
    Man selbst erfährt auch kaum etwas darüber.
    Hier gibt es die Freiheit NICHT über Vergangenes zu sprechen, hier gibt es die Freiheit neu anzufangen. Hier sind die ersten Fragen NICHT "Was machst du beruflich,was für ein Auto fährst du, wo arbeitest du?"
    Trotzdem gibt es reichlich Themen.

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    Aber es gibt auch dunkle Stunden.

    Die drei kleinen Kaninchen sind der Natur zum Opfer gefallen (nicht gestohlen).

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    Entweder Katzen, Eule oder eine Beutelratte. Egal, auf jeden Fall sind sie nicht mehr da.
    Vor einigen Tagen sahen/rochen wir eine neue Kaninchenhöhle. Leider dilletantisch angelegt. Der starke Regen vor einigen Tagen hatte dem jungen Leben in der Höhle ein jähes Ende gesetzt.

    Der starke Wind bei diesem Regen hat unser Sonnensegel zerfetzt und das blaue Windspiel in winzige Splitter zerlegt.

    Eine der beiden kleinen Katzen ist nach einigen Tagen verstorben. Es war nicht mehr genug Leben in dem kleinen Wesen um einen Neuanfang zu schaffen.
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    Der verbliebene Shadow erfreut sich dagegen bester Gesundheit.

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    Zwei sehr liebgewonnene Bekannte, er Deutsch, sie Polnisch,  reisen wieder via Sao Paulo in das kalte Europa zurück. Sie werden uns beiden fehlen.

    Aber sie kommen im neuen Jahr wieder.
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    Natürlich sollte ein Bericht nicht so negativ enden. Deshalb hier die Bilder der letzten Wochen. Bilder der Lebensfreude und Besinnung.

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  • Internet ist wieder da!

    Nach einem heftigen nächtlichen Gewitter vor zwei Tagen waren sowohl das Handynetz TIGO als auch deren Internet weggeblitzt.
    Seit gestern Abend funkt es wieder.

    Während ich meine Prellungen pflege waren unsere Bekannten auf der Tour zum Cerro Acaty.
    Der Pickup war voll beladen. Was nicht in die Kabine passte fand Platz auf der Ladefläche.

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    Bei einem kurzem Besuch im Urwaldfreibad zeigten die einheimischen Jungen wie viel Spass man mit einigen Felsen und kühlem Wasser haben kann.
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    Und es zeigte überraschenden Mut bei Reinhold.
    Nicht, daß das etwas besonders bei ihm wäre, aber dieser Sprung war etwas besonderes.
    Nach rund 10 Metern ins tiefe Wasser kam dann die kraxelei zurück auf die "Absprungplattform".

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    Nach der kurzen Stippvisite ging es dann weiter in die Berge hinein.


    An dem Tag war noch eine lustige Gruppe aus Irgendwo auf dem Acaty.
    Die Lebensfreude war ihnen anzusehen.
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    Die Männer bestaunten die Fernsicht.

    Bald werde ich wieder mit dabeisein, und nicht nur den Schreiber zuhause spielen.

    Bis dann,

    aus einem wunderbaren Land

     

     


  • Glück gehabt -Ort und Zeit gut getroffen

    Geschichte 1.

    Zu Besuch bei Freunden in Berlin Lichtenberg verlasse ich das Haus.
    Ich bin inmittten einer Horde Glatzköpfen denen der IQ von 85 und höchste Angriffslust aus den Augen springt.
    Direkt dahinter eine Staffel gutorganisierter Uniformträger, NEIN, nicht die in Blau, die in Levis und Kaputzenjacken.
    Direkt in die Mitte dieser zwei Gruppen zielt stoßkeilähnlich eine Gruppe staatlicher Executivbeamter. Geschult, intelligent, total gestresst und überreizt von linken und  rechten "Gewaltbereiten" sowie der späteren Erklärungsnot gegenüber Vorhese
    tzten und Presse, warum sie was gemacht haben.
    Irgendwie ging ich zu Boden.
    Falscher Ort, falsche Zeit. Ein Kollateralschaden halt.
    Ergebniss? Schauen wir die letzte Geschichte.

     


    Geschichte 2.
    Der Fahrstuhl ist defekt. Ich nehme die Treppe. Die Hausbewahrerin, Consierge, Hausmeisterin hat die Treppe meisterhaft gewachst und gebohnert.
    Stufe eins bis drei gehen im flotten Schritt. Stufe vier sorgt für eine Veringerung des Reibungskoeffizineten auf Null.
    Der freie Flug beginnt. Die Landung auf dem Treppenabsatz hart

     

    Ergebniss? Schauen wir die letzte Geschichte

     


    Geschichte 3.
    Noch zwei Querstrassen und ich kann dem Verkehr nach links in die Seitenstrasse entfliehen.
    Vor mir ist die Ampel wieder auf Rot. Ich fahre auf meinem Rad in mäßigem Tempo zwischen den wartenden Autos durch.
    Einem Taxigast wird das Warten zu viel. Er öffnet die Tür, ich stehe vor einer Wand aus Blech und Glas. Ein kurzer Schlag. Das Fahrrad vor der Tür und ich etwas über der Tür in Richtung Strassenpflaster.

     

    Ergebniss? Schauen wir die letzte Geschichte

     


     

    Geschichte 4.
    Wir reiten.
    Vom Galopp in einen sehr schnellen Galopp, der Schrittrythmus änderte sich in eine Hämmern, Ta dang,  Ta dang ...
    Immer schneller.
    Ich hing meinem Pferd am Hals, Zügel in der linken ganz locker, in der rechten mein Hut.
    Aron holt auf, ich sehe ihn im Augenwinkel rechts von mir.
    In dem Moment macht Mozart ein Sprung nach links, dann wieder nach rechts. Es gab ein paar heftige Schläge unter meinen Hintern und mein rechter Fuss löst sich aus dem Steigbügel, Bruchteile später mach ich einen Riesensatz nach links....
    (http://ingo2far.blog.de/2008/12/04/glueck-gehabt-stiche-prellungen-5164605)

     


    Ergebniss:
    Es gibt unzählige Möglichkeiten sich etwas zu holen. Manchen trifft hier, manchen dort. Manchen in der Stadt, manchen in der Wildnis.

     

    Medizinischer Befund:

    Am Tag fünf nach dem Crash ist die Verletzungszone deutlich in Blau zu sehen.

    Weil mich der Schmerz gestern Nacht nicht schlafen ließ, hat Viola einen Bekannten um Hilfe gebeten. Er ist Arzt.
    Der hat sich dann heute morgen das Malheur angeschaut.

     


    "Prellung der linken Hüftseite, Muskelfaserriss. Mehrere Hämatome mit bereits kontrolliertem Blutabbau. Aber da ist eine Bluteinlagerung, die ist zu gross für eine Absorbation durch das umliegende Gewebe. Das punktieren wir."
    Na dann.

    Heute ist Feiertag in Paraguay.
    Trotzdem konnten wir nach Planta Urbana in die Farmacia Ivan gegenüber Fichter fahren, um alles notwendige für diesen Eingriff zu besorgen.
    20er und 50er Spritze, Desinfektionsmittel für Haut und Gerätschaft, Mittel zur Anästhesie, sterile Handschuhe und verschiedene Kanülen -die aber nicht den Beifall meines Arztes fanden-.
    "Zu dünn. Das Blut ist schon etwas klumpiger geworden. Gibt es nicht irgeneinen Veterinärbedarf hier? Die haben dickere Kanülen."

    Oh oh!

    Aber klar, unser Nachbar konnte helfen. Die Kanülen, die er zum Spritzen der Rinder verwendet, haben die richtige Dicke.
    Gesagt getan.
    Werner konnte uns mit einigen Kanülen im richtigen Durchmesser helfen.
    Mit der Dicke der Kanüle verschwand meine Zuversicht in die Richtigkeit unseres Tuens.

     

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    Nachdem die Kanülen lange genug gekocht hatten wurden sie als steril befunden und auf die 50er Spritze geklipst.

     

    Die Bilder im folgenden sind nicht unbedingt für jedes Gemüt geeignet.
    Wer es genau wissen will muss die Bilder anklicken.

     

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    Die Spritze zur Punktierung wurde angesetzt, das Blut abgesaugt, in eine Schüssel entleert und noch einmal von vorne.
    Insgesamt eine nicht ganz schmerzfreie Angelegenheit. Aber zum Schluss ging es mir deutlich besser.

     

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    Jetzt ist wieder alles im Lot.
    Die Schmerzen halten sich im erträglichen Level.
    Gehen, stehen laufen wieder wie bisher möglich.
    Die Bluteinlagerung hatte  je nach Lage auf die Nerven und anderes Fleisch gedrückt und den Schmerz verursacht.
    "Mindestens ein Liter", sagt mein Arzt.

     

    Was hätte ich anders gemacht, wenn ich das Ergebnis vorher gewußt hätte?

     


    Ich hätte mir für den Ritt eine blaue Levis angezogen, keine helle. Denn die bekomme ich  nie wieder sauber.

     


     

    Auf alles andere möchte ich  nicht verzichtet haben. Das war diesen Preis wert.

     

     

     



  • Nikolaustag mal anders

    Im letzten, ungefährlichen Stadt- und Dorfleben, waren es am Nikolaustag meist um 10 Grad. Plus minus ein paar Grad.
    Am Abend, gegen 18:00 Uhr traf man sich an irgend einer Gartenpforte bei heissen Kakao mit Amaretto, einem steifen Grog oder Glühwein aus einem grossen 10 Ltr. Warmhaltetank. Irgendwer hatte einen Grill als Kohlepfanne aufgestellt. Würstchen schmorrten, die Kinder spielten, die Erwachsenen tratschten. Themen waren Haus, Garten, Arbeit und "hast du schon von ... gehört?"

    Jetzt ist es um 28 Grad, der Gedanke an warme Getränke will einfach keinen Wohlgenuss erzeugen. Irgendwie drängt sich immer eine kaltes Bier dazwischen.
    Weil wir nicht vorhaben Traditionen dieser Art mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten, und weil wir froh darüber sind dem Konsumdruck nicht mehr ausgesetzt zu sein, ist heute einfach nur der 6.te Dezember.

    Mittags im Cerro Leon und Amarettotime in Plockhorst.

    Sonne statt Kohlefeuer, Bier statt Warmgetränk, Asado statt Würstchen, Badehose statt Parka, Pool statt Gartenpforte.

    LG Ingo

  • Brennen oder Glühen

    Aus aktuellen Anlass.
    Statt Kommentarantworten.
    ---------------------------------------

    Er wohnt in der Stadt und fährt jeden Morgen mit der Metro ins Büro. Das Geld fürs Auto ist ihm zu schade. Ißt in der Kantine, fett- und Colesterinarm und zuckerfrei. Um fünf fährt er zurück nach Hause. Frau, Familie, Fussball, Fernsehen und dann der gesunde Schlaf vor Mitternacht.
    Montag bis Freitag.
    Der Samstag ist sein Tag.
    Da lebt er. Da ist er Mensch. Da ist er Mann.
    Er nimmt sein Mountainbike, 6 KG für 2.000 Euro, und fährt zum bungee jumping, oder zum Crossbiking, oder zum Surfen an den Baggersee.
    Sein Bürokollege liegt derweilen nach einem Fussball oder Handballunfall im Krankenhaus. Freizeitunfälle nennt man das.
    Ein anderer Kollege verlebt sein vorbestimmtes Leben risikofrei zwischen Büro und privaten Lebensbereich mit Etagenhund und Aquarium. Hoch versichert. Immer das Notrufhandy in Griffweite. Er meidet es Fahrstühle mit anderen gemeinsam zu benutzen. Ansteckungsgefahr. Treppe will er auch nicht gehen, Sturzgefahr und Bluthochdruck. Er wird im vorbestimmten statistischen Alter sterben. Nach Plan, wie alles in seinem Leben.
    Leben?
    Für jeden bedeutet Leben etwas anderes. Oper oder Enduro. Rockconzert oder Streichquintett. Adrenalin oder Aspirin.

    Aber ganz sicher ist es das Paraguay meistens für einen bestimmten Menschentyp anziehend ist.
    Für Menschen die leben wollen.

    Brennen, nicht Glühen.

    Menschen, für die es eine Wohltat ist selbst bestimmen zu können (1) wann und wo sie rauchen , (2) Pommes Frites essen und eine (3) Glühbirnen benutzen.
    1. In Deutschland per Gesetz geregelt.
    2. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,568235,00.html
    3. http://www.tagesschau.de/inland/meldung56846.html

    Für absolute Sicherheitsfans, die jegliches Risiko meiden, ist Paraguay der grösste anzunehmende Unfall (Gau).
    Polizei, die Geld für die Anfahrt braucht, Krankenhäuser die im Grosstadtverkehr schier unerreichbar sind, deren OP gerade nicht steril ist, dessen Arzt gerade privat operiert. Tausende Wasserrohrbrüche pro Jahr in Asuncion. Besser es brennt nicht.
    Autos, deren Emmisionen eine Braunkohlekraftwerk in den Schatten stellen. Lärm rund um die Uhr.

    Wer das braucht, der wohne in der paraguyischen Stadt und halte Bankautomaten für Infrastruktur.

    Ich persönlich brenne lieber und falle beim Leben vom Pferd, froh darüber das ich überhaupt die Chance zum leben und Reiten habe,
    und ich geniesse Ruhe, frische Luft, Gelassenheit und Natur in der Gegend, die von vielen für Wildnis gehalten wird.


  • Glück gehabt - nur Stiche und Prellungen

    Alle Fotos mit dem Handy.
    Mit der Bitte um Entschuldigung für die miese Qualität.
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    Gestern, am 3.12.2008, wollten Christoph und ich einen langen Ausritt unternehmen.
    Geplant war er schon seit langem, aber die Temeraturen waren bisher für die Pferde zu hoch für die geplante Strapaze.
    Gestern hatten wir einen kalten Sommertag bei 25 Grad und Südwest-Wind. 2/8 Bewölkung. 70% Luftfeuchte. Ideale Bedingungen.
    Um 14:00 Uhr sind wir los.
    Erst einmal Richtung Salto Suizo, und zwar oberhalb des Wasserfalls. Salto bedeutet eigentlich Übergang und bezeichnet den Übergang über das Gelände des Schweizer Besitzers oberhalb des Wasserfalls.
    Auf dem Weg dahin sind wir über schöne Weiden und über enge Dschungelpfade geritten.

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    Tore auf und Tore zu.

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    Wasserläufe, nur wenig von Autos benutzt,  waren zu durchreiten.
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    Zwischendrin mußten wir über einen schon fast wieder zugewachsenen, vom Bambus gesäumten Pfad. Leider lag ein Baum über dem Weg. Also runter vom Pferd und sie vorsichtig durch das Dickicht um den Baum herum führen.

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    Christoph voraus, ich hinterher.
    Wir waren gerade noch am Anfang des Durchganges, da fing mein Pferd Mozart an wie wild auszukeilen. Die Nüstern weit aufgerissen, Kopf hoch, Ohren steil hoch und nach hinten gerichtet.
    "Der geht mir durch, schoss durch meinen Kopf".
    Sofort habe ich die Zügel losgelassen, habe mich bin einen Schritt nach hinten zwischen die Bambusstangen gedrückt.
    Da schoss Mozart auch schon wie eine Lokomotive an mir vorbei. Ich rief noch  "Christoph, mein Pferd festhalten", oder so ähnlich, da war Mozart schon nicht mehr zu sehen.

    In dem Moment merke ich einige brennende Stiche an den Augenbrauen, am Hals, an den Armen. Viele andere Bienen oder Wespen hingen an meinen Hemdärmeln.
    Raus aus dem Pfad. Schnell an Christoph vorbei, der beide Pferde an den Zügeln hielt.
    Aron, Christophs Pferd, war vorne auf dem Weg, also habe ich ihn mir geschnappt und bin weiter den nun breiteren Pfad entlang gelaufen. Nur weg von den Bienen/Wespen.
    Christoph mit Mozart hinter mir her.
    Nach kurzer Strecke haben wir angehalten, die Insekten von den Pferden gestreift und alles getötet was noch auf meinen Kleidern saß.
    Nach kurzer Besinnung sind wir weiter.
    Die Pferde wurden ruhig, meine Stiche brannten noch erträglich. Insgesamt fünf bis acht, weil einige Quaddeln eng nebeneinander lagen waren sie nicht genau zu zählen.

    Dann waren wir bald oberhalb des Wasserfalls Salto Suizo.
    Dort oben, an einem Haus welches durch einen Franziskanermönch erbaut wurde, und jetzt von einer paraguyischen Familie bewohnt wird, haben wir eine kurze Rast gemacht.
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    Da waren wir schon zwei Stunden auf schwieriger Strecke unterwegs.
    Und hatten das erste Abenteuer hinter uns.

    Von dort sind wir weiter den Berg hoch. Immer höher, grobe  Richtung Villarricca.
    Enge Pfade,
    unberührte Weidewege,
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    Weit in der Ferne ist die Ebene hinter Independencia zu sehen.

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    Wir haben einen tollen Blick über weite Täler zwischen den Bergen,
    immer weiter den Berg hinauf.
    Unsere Pferde mussten tüchtig arbeiten. Beide sind sehr trittsicher, und wir wie festgeschweißt auf dem Sattel.

    Nachdem wir denGipfel überquert hatten schauten wir auf ein weites Tal zwischen dem Cerro Mainuby und dem letzten Berg vor Villarricca.
    Tief unter uns der Weg zum Cerro Acaty.

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    Weiter ging es nun den Berg hinab. Wieder über kaum benutzte Pfade.
    Ein Baum lag über dem Weg. Aron passte gerade noch drunterdurch, Mozart hatte noch zwei Zentimeter Spiel ab Sattelknauf.

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    Dann waren wir auf dem Weg Richtung Cerro Acaty.
    Von dort aus ging es vorbei an uralten Hebekonstruktionen für die Zuckerrohrballen.

    Wir waren mittlerweile schongut 3 1/2 Stunden unterwegs.

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    Wir überholten eine Familie mit einem Esel direkt vor ihrem zuhause.
    Dort in der Nähe war eine kleine Despensa. Wir haben eine kurze Rast gemacht.

    Dann ging es weiter. Immer weiter Richtung Vista Allegre und dann nach Melgarejo.
    Nach einigen Minuten kamen wir an einen stillen Bachlauf, die Pferde tranken, wir machten das Gegenteil.

    Wir waren mittlerweil vier einhalb Stunden unterwegs. Inclusive der Pausen.
    Während des ganzen Ritts standen Aron und Mozart in Konkurenz zueinander.
    Jeder wollte genaus eine Nasenlänge vor dem anderen sein.
    Von Schritt in Jog, in Trab und dann leichten Galopp. Von allein.
    Sowohl Christoph wie auch ich mussten bremsen.

    Nach fünf Stunden Ausritt waren wir in Höhe des Bauern Pauli. Dort ist ein sehr langer, breiter, fester Sandweg. Von dort aus nach Hause noch 45 Minuten.
    Also haben wir den Pferden diesmal freienn Lauf lassen wollen.
    Mozart startet wie ein typischer Quarter Horse (na ja, mindestens 50%), ein irrer Antritt.
    Aron sofort hinter her.
    550 KG Mozart gegen 450 KG Aron. Plus uns.

    Vom Galopp in einen sehr schnellen Galopp, der Schrittrythmus änderte sich in eine Hämmern, Ta dang,  Ta dang ...
    Immer schneller.
    Ich hing meinem Pferd am Hals, Zügel in der linken ganz locker, in der rechten mein Hut.
    Aron holt auf, ich sehe ihn im Augenwinkel rechts von mir.
    In dem Moment macht Mozart ein Sprung nach links, dann wieder nach rechts. Es gab ein paar heftige Schläge unter meinen Hintern und mein rechter Fuss löst sich aus dem Steigbügel, Bruchteile später mach ich einen Riesensatz nach links und lande mit der linken Hinterbacke auf dem Rand der Böschung, 15 meter weiter war ich dann ausgerollt.

    Stille.

    Check Up.

    Füsse reagieren, Bein läßt sich drehen, Schulter reagiert, alles ohne fremde Geräusche. Ansonsten ist die Hüfte gefühlsmäßig wie paralysiert.
    Na ja, von meinen Fallschirmsprunglandungen der unangenehmen Art wußte ich, daß bleibt nicht so.

    Also eine Schocklage eingenommen und meinen Hut, denn ich nicht verloren hatte, hochgehalten.
    Christoph sollte wissen das ich lebe und wo ich liege in dem leichten Graben.

    Und dann?
    Der übliche Ablauf. Übelkeit, Watte auf den Ohren, dunkle Wolken vor den Augen und...weg.
    Als ich wieder da bin steht da schon jemand mit Wasser in der Hand.

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    Weil ich wissen wollte WIE Grün ich im Gesicht bin hat Christoph mit fotografiert.

    Zerschlagen, schmerzen in allen möglichen Körperteilen, aber Knochen und mental ungebrochen.

    Birgit hat mich mit dem Pickup abgeholt, Christoph mit Mozart als Beipferd nach Hause geritten.

    Ja, wir Männer sind manchmal durchgeknallt. Männer eben. Aber mit jemanden wie Christoph werde ich das immer und immer wieder machen. So vertiefen sich Freundschaften.

    ------------------------------- 4. Dezember ---

    Heute nacht war eine Horrornacht.
    Ich wusste nicht wie ich liegen sollte und Rene bekam fast 40 Grad Fieber und übergab sich.

    Arme Viola.
    Wenn Männer leiden.

    Heute morgen war ich Fit genug zum stehen und gehen. Sogar sitzen ist möglich.
    Nichts gebrochen oder gerissen.

    Seit Mittag schreibe ich an diesem Eintrag. Sitzen geht, ist aber unangenehm.

    Glück gehabt  - nur Stiche und Prellungen

    PS:
    Der einzigste bekannte Weg vom Salto Suizo über die Berge ins nächste Tal  ist ein Geheimniss von Christoph. Soll es auch bleiben.

  • Mein Zoo 2.Dezember 2008

    Erlebt von Viola und Rene
    Aus dem polnischen sinngemäß inhaltlich übersetzt.

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    Hey, wer bist denn du?
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    Nur cool bleiben..,
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    es passiert ja nichts.
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    Ich hole mir nur schnell eine Mohrrübe.
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    ..ich gehe dann auch kurz etwas naschen.
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    ...was ist mit dem Geistchen los? Solch ein dickes Bäuchlein. Ja, hast viel nachzuholen.
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    Wir bleiben zusammen liegen.
    Die Platten sind noch soooo warm von der Hitze des Tages. (ergänzt von Ingo)
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    Karolina hat uns ein Geheimniss verraten.

    Ach, wir blinden Menschen.

    Das Hasenloch war nicht nur eine Übung.
    Seit cirka drei Wochen ist Karolina Mama !!!

    Sie hat drei wunderschöne kleine Häschen unter der Erde versteckt.
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    Ha!  Das ist ein Zoo

  • Wer ist die Bestie? 1.12.2008

    Erlebt von Viola
    Aus dem polnischen sinngemäß und gefühlsmäßig übersetzt.
    Mit einigen Ergänzungen von Ingo.

    -------------------------------------------------

    Die aufgehende Sonne weckte neue Energien.
    Ich wollte diese Energie sofort nutzen. Bei einem Ausritt in der aufgehenden Sonne.

    Mozart hatte ganz andere Vorstellungen von einem Tagesbeginn.

    Ich ging mit dem Halfter zu Mozart um ihn zum Stall zu führen.
    Er sah mich, drehte sich leicht zur Seite, ging einige Schritte und zeigte mir mit einem eleganten Tritt was er von meinem Vorhaben hielt.
    Sein Huf traf knapp meine Hüfte, Mozart verschwand dann eilige Richtung Stall.

    Oh verdammt, ...... !!!!(zensiert)

    Ich werde hier nicht aufschreiben was ich dann in Richtung des faulen Hengstes geschrien habe.

    Ich war so wütend, daß ich noch nicht einmal den Schmerz spürte. Erst nach einer Stunde sollte ich ein ekliges pulsieren spüren.

    Kenner meinen, wenn er mich wirklich hätte verletzen wollen, dann wäre meine Hüfte jetzt mehrteilig..
    Ha, Mozart hat also nur einen Witz gemacht. Er wollte mir nur sagen -heute habe ich keine Lust- Es war nur eine zärtliche Geste!!!

    Natürlich habe ich mich nicht entmutigen lassen und nicht aufgegeben.
    Mozart ist zum Stall gelaufen weil er wohl Lust auf Frühstück aus dem Sack hatte.
    Und ich hatte ungeheure Lust ihn mit der Peitsche zu bedienen.

    Ich habe die Bestie in mir zurückgehalten, Zähne zusammengebissen, die Bestie Pferd gesattelt und bin losgeritten, die Welt zu erobern.

    Mozart spürte meine Laune, sah die Reitgerte in meiner Hand und benahm sich wie ein Lämmchen. Fast.
    Am Anfang ging er so nah an einen Zaunfosten, daß mein Knie den Draht zu spüren bekam. Er weiß genau wo er aufhört und ich anfange.
    Wenn die Hüfte schmerzt, dann spielt das Knie auch keine grosse Rolle mehr.

    Nach einem Hieb mit der Reitgerte war im wieder ganz bewußt wie er zu gehen hat. Die Bestie in mir hat die Bestie in ihm besiegt.

    Mozart hatte es nicht leicht, nach diesem Anfang.

    Fast vier Stunden waren wir unterwegs.

    Die Wahrheit ist, ich wollte rund 2 Stunden reiten.
    Der Bambusweg war seit dem letzten Mal sehr zugewachsen. Die ganze Zeit wartete ich auf die Abzweigung nach rechts um aus den Bergen ins Tal zu finden.

    Ob ich Angst hatte?
    Nein, nur positive Emotionen.
    Was ist hinter der nächsten Kurve, wie schön ist dieses Land, wie sieht das weiter vorn aus?

    Mozart hat Luft in seine riesigen Lungen gepumpt und ging weiter, immer weiter.
    Er ist im Galopp nicht durchgegangen, er war brav wie nie zuvor.

    Bilder aus der hier bei uns typischen Landschaft.
    K-foto (4)
    K-foto (3)
    Es gibt hier viele Zäune. Die Landbesitzer halten damit ihr Vieh auf der Weide oder fremdes Vieh von ihrem Anbau fern.

    Aber diese Zäune sind beim Ausreiten keine Problem weil sie fast alle über nicht abgeschlossene Tore verfügen.

    Hier der Mozart vor einer kleinen Holzbrücke.
    K-foto (28)
    Das ist eine recht geschickte Bauweise, aber mein Pferd hat starke Nerven und eine gute Trittsicherheit.
    Nicht jedes Pferd geht über solche Brücken. Auch Mozart hat Brücken die er lieber meidet.
    Zum Glück gibt es dann oft die Möglichkeit neben den schlimmsten Brücken durch den Graben zu reiten. Wobei Mozart dann gerne einmal den Graben im Sprung nimmt. Ich bin in der Lage bei diesen Sprüngen im Sattel zu bleiben.

    Das ist ein Eingang in den "Dschungel".
    K-foto (22)
    Es gibt dort einen mit der Machete freigeschnitten Weg. Gedacht für Menschen zu Fuss. Aber auf dem Pferd muss man fast 10 Minuten lang eng am Pferdehals liegen.
    Mozart ist zwar riesig, aber ich glaube auch ein kleines Pferd kann dort Probleme haben.

    Uff.. nicht nur Äste und Lianen sind dort gefährlich. Im letzten Moment habe ich ein grosses Spinnennetz mit einer wuscheligen Spinne drin bemerkt.
    Sie hatte zwar nur rund fünf Zentimeter Durchmesser, aber irgendwie gefiel mir die Vorstellung nicht sie wie eine Brosche am Kragen zu tragen. Iii...

    Typische Strommasten in diesem Teil des Campo.
    K-foto (20)
    Strom bei Christoph und bei uns ist dreiphasig, die Masten aus Beton und in gutem Zustand, trotzdem fällt der Strom manchmal aus. Ja, die Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied (ergänzt durch Ingo)

    Das ist ein Weg von dem aus ich nach rechts abbiegen wollte.

    K-foto (14)
    Alles sah gleich aus. Ich habe zwei Wege ausprobiert, aber ohne Erfolg.

    Auf einmal war ich auf einem Berggipfel. Dort wohnt jemand der hier Österreicher genannt wird.
    (Das ist auf dem Weg oberhalb des Salto Suizo -Ergänzung durch Ingo)
    Ich habe dann Antwort auf meine Fragen bekommen und den Weg nach Hause gefunden.

    Da ist die verlorene Prinzessin ;-)
    K-foto (19)

    und ihr pfurzendes Pferd.

    K-foto (29)

  • Glück gehabt -überlebt

    Viola ist total verkatzt.
    Schon immer war es ihr Wunsch eine Katze im Haus zu haben.
    In Deutschland waren es auch schon mal mehrere.

    Bilder aus dem Archiv:

    Viola mit Niko, Lupo und Katze Fleckchen.

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    Viola mit Rene im und Katze auf dem Bauch.

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    Rene mit Saphir.  2006
    Leider mussten wir Saphir, eine Maine Coon, in Polen lassen.
    Er konnte sich durch eine Wirbelsäulenverletzung nur mit den Vorderpfoten voranziehen.
    Hier in Paraguay hätte er weder Temperaturen noch die Parasiten ertragen.
    Wir haben sein Wohl über unseren Egoismus gestellt.
    Jetzt lebt er bei einer Tierärztin in Lodz.

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    Beim Suchen im Archiv fielen mir diese Bilder in die Hände.
    November 2005 in Polen.
    Der Winter begann Ende November und endete März 2006.
    Also vor genau drei Jahren zur gleichen Zeit, in einem anderen Land.

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    K-Schneeberg mit Rene

    Seit einiger Zeit suche ich eine Katze für Viola. Erfolglos.

    Am Freitag hat uns ein guter Freund zwei Katzen gebracht.

    Er hat sie an der Strasse gefunden.
    Weggeworfen.

    Jetzt sind sie bei uns.

    Glück gehabt - überlebt, ihr zwei -

    Sie sind nur Haut und Knochen.
    Es graust einem wenn man sie anfasst.

    Mit Huhn und Reis haben wir vorsichtig die entwöhnten Mägen gefüllt.
    Dann eine Wurmkur und viel Flohpulver eingesetzt.
    Ich glaube nach der Flohpulverattacke haben sie gleich 50 Gramm weniger Gewicht auf die Waage gebracht.

    Sie heissen Duszek und Cien´ , (Duschek und Tschien)
    auf Deutsch übersetzt, Geist und Schatten.
    Weil ich das
    Cien´ nur schwer aussprechen kann wird er Shadow gerufen.

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    Willkommen im Paradis.


  • Another Day in Paradis

    Das hört sich ja sehr überheblich an !!!!!!

    Aber,
    Viola ist in aller Hergottsfrühe geritten und Mozart war flott und schnell wie nie. Wir vermuten daß das Kraftfutter und Hafer sowie ein etwas dominanterer Ingo das Feld vorbereitet hat.
    Rene (oder wir) haben einen kleinen Nestling (gefunden auf der Weide) mit Maden aus dem Kompost gerettet.
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    Rene, Viola und ich haben das Schwimmbad bei Birgit und Christoph genossen.
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    Um 19:00 Uhr ging es zum Abschlussfest der deutschen Schule in Independencia. Allerdings nur für Viola und Birgit nebst der Kinder.
    Christoph übte in der Zeit mit seinem Pferd Aron und ich war auf unserem Mozart Richtung Salto Suizo unterwegs.

    Ab 20:30 Uhr, Mozart war gut versorgt,  war ich ich in  Melgarejo.
    Dort , an einer kleinen Despensa, stand ich unter Paraguayern und versuchte Mensch zu sein. Nicht Aleman, einfach nur Mensch.
    Biertrinken auf Paraguyisch war angesagt, ausserdem ein Chrashkurs in Guarani.

    Gegen 22:00 kamen  Viola und Rene dazu.
    Er wollte unbedingt Fanta. Also ist einer der Leute mit ihm in eine andere Despensa, die so etwas hat, geangen.
    Tranquillo, no Problem.

    Nach einiger Zeit der Unruhe und des wartens, voll von europäischen Ängsten, ein Anruf. Rene hat Torte in der Despensa gesehen und will ein Stück haben -plus Fanta- 
    Okay. no problem, tranquillo.
    Bald war der glückliche Rene wieder da.

    Um 23:00 Uhr war Rene im Bett. Wir total fertig von einem wunderschönen Tag in diesem Land.

    Temperaturen mittags um 38 Grad, Die Sonne hinter einem leichten Wolkenschleier, stark aber nicht nervig. Am Abend um 28 Grad, im Moment (01:00 Uhr) 26 Grad. Dazu leichter Wind.

    Die Menschen hier schaffen mich.
    Alle in Europa gelernten Verhaltens- und Denkweisen sind hier nutzlos und Spaßtötend.

    Also lernen wir weiter.

    Es ist mir  unmöglich meine positive glückliche Stimmung in Worte zu fassen, also lasse ich es jetzt sein.

    Liebe Grüsse in das kalte Europa,

    Ingo

     

     

  • Geburtstag - Der zweite Skorpion der Familie

    Am 16. November hatte unser Rene Geburtstag.

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    Zwei Freunde haben im geholfen dem Tag viel Freude und Aufregung zu verleihen.

    An einem Geburtstag gibt es ausser Geschenken auch allerlei Überraschungen. Reene wünschte sich Feuerwerk. Weil knallen hier in Paraguay zur Lebensfreude gehört kann man hier jederzeit in vielen Despensas Knaller kaufen.
    Natürlich kann man die immer noch verbessern.

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    Man kann damit Styroporbehälter mit und ohne Wasser sprengen. Eben alles was kleinen und grossen Jungs Freude macht.

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    Natürlich hat so ein Kracher die beste Wirkung in einem frischen Kuhfladen.

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    Ale i tak woda lepiej wybuchala
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    Einer seiner Wünsche war eine Mundharmonika.

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    schnell waren die übrigen Geschenke ausgepackt. Bis er zu den Comics kam.
    Er hat nicht weiter ausgepackt, sondern sich zu lesen zurückgezogen.
    Wir freuen uns das er das Lesen vorzieht.

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    Am Abend war er dann fix und fertig.

    Soviel Emotionen, Erlebnisse und spielen in der freien Natur.

  • Alltag in Paraguay am 20.11.2008

    Kühlschränke sind in Paraguay lebenswichtig.
    Bei den hiesigen Temperaturen ist ein kühler Ort unverzichtbar.
    Das Eisfach ist immer wohlgefüllt mit Eis für kühles Tererewasser. Die hohe Luftfeuchtigkeit legt allerdings schnell eine dicke Eisschicht in den Kühlschrank. Also musste ich enteisen. Natürlich habe ich in meiner Schusseligkeit ein Loch in die Kühlleitung gemacht. Mit einem spektaklären Zischen entwich eine weisse Dampfwolke dem Gerät, und damit auch alle Kühlfähigkeit.
    Kein grosses Problem, wir bringen den Schrank in eine Nachbarstadt, 65 KM weiter, zur Reparatur. In Paraguay gibt es ja alles. Nur nicht an jedem Ort.
    Nach dem Abholen zeigte der Schrank jedoch keine Ambitionen irgendwie kalt zu werden. Also noch einmal hin. Auf Garantie.

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    Nach dem Einkaufen in Planta Urbana fahren wir auf dem Asphalt in die Kolonie. Dieser Ausblick auf die Berge ist in einem Foto kaum festzuhalten.
    Die Strasse ist nie richtig belebt.

    Im folgenden einige Bilder aus der Kolonie, Planta Urbana und Melgarejo.
    Eben typische Bilder aus unserer neuen Heimat.

    Immer noch komme ich mir vor wie ein Pauschaltourist der einen Freigang aus seiner bewachten -all inclusive Hotelanlage- hat.
    Nicht zu glauben das wir hier bleiben werden, nicht wieder zurückfahren wenn die Urlaubszeit vorbei ist.

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    Die Polizeistation in Melgarejo

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    Ein riesiger Kaktus in einem der Gärten

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    Und in einem katholischen Land darf die Madonna nicht fehlen.

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    Ein kleiner Laden in dem nur Schweinefleisch verkauft wird.

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    In diesem Geschäft gibt es unter vielen anderem auch Kühlschränke.

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    Weil wir ohne Eile unseren alten Kühlschrank reparieren lassen wollen, der zweite Reparaturversuch war auch erfolglos, haben wir einen neuen Kühlschrank gekauft.

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    Da ist er also. Bestellt und am folgenden Tag geliefert.

    So gründlich habe ich noch nie einen Kühlschrank vom Eis befreit.

  • Friseurbesuch

    Die Paraguayer sind gepflegte Menschen, die versuchen auch unter schwierigen Umständen sauber und adrett zu sein.
    Dazu gehört selbstverständlich auch der Friseurbesuch.
    Es gibt in der Kolonie deutsche und paraguaische Frisöre.
    Diesmal ging es für mich zu Osvaldo, einem paraguaischen Vertreter der Friseurzunft.

    Auf dem Asphalt in Planta Urbana, von Huber kommend Richtung Almacen 50, steht sein Schild auf der rechten Seite.
    In einem kleinen, grünen Garten -das Wartezimmer- steht sein kleines Friseurstudio.

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    Im Haus schmücken christliche Bilder und ein Bild eines Alpenbauernhofes die Wände.
    Der Arbeitsplatz ist einfach, sauber und praktisch.

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    Fachkundig wurden die Haare geschnitten, eine zweite Kraft rasierte in der Zeit den Nacken aus.
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    Rene hat sich etwas gelangweilt, aber er blieb lieber im klimatisierten Arbeitsraum anstatt im Garten spielen zu gehen.

    Er kannte das schon. Vor einiger Zeit war er schon bei Osvaldo.
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    Nach all der Anspannung die Belohnung für einen braven Jungen.

    Ach ja, wir haben 20.000 Guarani für einen Männerhaarschnitt bezahlt. Beim heutigen Kurs also rund 3,32 Euro


  • Samstag, 15.11.2008 Rinderauktion

    Am Samstag ist immer besonders viel los in unserem Bereich von Paraguay.
    In Colonel Oviedo, eine Stadt im Nordwesten von Melgarejo, rund 65 Km entfernt, war Pferderennen, Rinderauktion und Autoralley.

    Zuerst waren wir auf der Rennbahn.

    Wir erfuhren, daß das erste Rennen um 16:30 sein wird.
    Also hatten wir noch Zeit und sind zur Rinderauktion gefahren.

    Dort, vor den Toren Oviedos, ist ein Gelände mit vielen Gattern und einer Auktionshalle. In den Gattern warten die Rinder auf ihre grosse Stunde.
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    Die Gauchos treiben die Rinder aus der Box vor die Auktionshalle.
    Die Geschwindigkeit, mit der die Rinder getrieben werden, die Tore auf und zugemacht werden ist echt atemberaubend.
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    Vor der Auktionshalle warten die Rinder dann auf Einlass.
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    In der Auktionshalle steht der Versteigerer auf einer Tribüne über dem runden Vorführgatter gegenüber der Käufertribüne.
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    Auf der Käufertribüne gegenüber sitzen sowohl Käufer wir auch Verkäufer.

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    Alle werden von dem sehr aufmerksamen Service mit Cervesa -Budweiser- und gegrillten Fleischstückchen mit Maniok versorgt. 
    Kostenfrei, umsonst, auf Kosten des Hauses. Alles für die gute Laune des Käufers, der ja rund eine Million Guarany pro Rind bezahlt und der Verkäufer davon 10%  an den Auktionator  weitergibt.

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    Der Auktionator leiert mit einer irren Geschwindigkeit Zahlen herunter. Er beginnt von oben, dann zählt er abwärts. Irgenwann gibt der Käufer irgendein Zeichen (ich habe nicht gesehen was für eins) und die Rinder sind gekauft.
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    Wenn der Preis zu  niedrig ist, dann kann der Verkäufer abwinken und die Rinder sind nicht verkauft. Er bezahlt dann jedoch einige Prozent des abgelehnten Preises für die Auktion.

    Ist jedoch ein Verkauf zustande gekommen, dann bringt eins der bildhübschen Mädchen den Kontrakt zum Käufer -damit er es sich bloss nicht anders überlegt- und die Rinder sind verkauft.
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    Unterschrieben, gekauft.

    Eine aufregende Atmosphäre.

    Wir haben noch keinen Platz für eine Herde, also haben wir nur umsonst Bier getrunken und gegessen.

    Danach sind wir zurück zur Pferderennbahn.
    Aber davon später.

     

  • Rind 123 ist wieder allein


    Seit dem 10.November hat das Kälbchen von Rind 123 um sein Leben gekämpft.

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    Es bekam Vitamine und alles was gegen Parasiten und typische Krankheiten in dem Alter hilft.
    Am Anfang hat es sich aufgerappelt aber dann wieder an Kraft verloren. Das Rind wurde regelmäßig abgemolken um das Kleine zu ernähren.

    Gestern Morgen hat sich das Rind 123 abgewandt und ist ohne das Kleine zur Herde zurück.

    Wenn ein Kalb von der Mutter aufgegeben wird, dann hat die Natur den Daumen nach unten gedreht.

    Damit es nicht noch länger leidet wurde es getötet.
    Den in Europa verwendeten Begriff  "eingeschläfert"  kann und will ich hier nicht verwenden. Nach meiner Ansicht ist es zu verlogen zum töten eingeschläfern zu sagen.

    Der Aufwand, den der Züchter hier mit dem Kalb betrieben hat ist in Paraguay so nicht üblich, sagte man mir. Dort findet alles auf der Weide statt. Kommerzielle Interessen sowie Zeitnot bei den grossen Herden lässt eine intesive Pflege dieser Art nicht zu.
    Wenn das Tier nicht stark genug ist, dann stirbt es. Punkt.

  • Glück gehabt

    Viola wollte zu ihrem Geburtstag keine Party  und keine Geschenke.
    Also musste ich mir etwas ausdenken.
    Weil sie noch nie bei Vollmond geritten ist, passte es hervoragend daß an ihrem Geburtstag gestern Abend
    Vollmond war.
    Christoph hat sie deshalb vor einigen Tagen beiläufig gefragt, ob sie nicht Lust hätte zu einem Vollmondritt am Donnerstag.
    Gestern Abend waren wir dann im Haus der R.
    Nachdem C. und Viola um 20:00 Uhr dann zum Satteln gegangen sind, habe ich Rene in der Obhut von Birgit gelassen und dann schnell mit Mano, einem Gast im Haus, zu Martina gefahren.
    Dort haben wir dann unsere Pferde gesattelt und auf das Erscheinen der nichtsahnenden Viola gewartet. Von Martinas Grundstück aus beginnt ein schöner Weg durch das Gebirge und Christoph hat genau diesen Weg vorgeschlagen.
    Als die beiden uns dann "zufällig" trafen war die Überraschung gross.
    Dann sind wir zu fünft los.

    Der Mond wie ein Scheinwerfer am Himmel.
    Die Luft um 28 Grad, leichter Wind, würziger Duft in der Luft.
    Viele fremde Stimmen der Nacht, unheimliche Bewegungen in der Luft.

    Nach einiger Zeit kamen wir in Melgarejo an. Dort gibt es viele schöne Wege abseits der Strasse.
    Auf einem dieser Wege, denn wir schon gut kennen, wollte Viola im Galopp reiten.
    Bei Christoph war die Frage auch gleich die Antwort "Dann los!". Kleine Männer sind ja immer auch sehr ehrgeizig.
    Ich hinterher.
    Martina mit Mano vernünftigerweise im Schritt hinterher.
    Im vollem Galopp sehe ich einen Mast mitten auf dem Weg. Rechts die ausgefahrenen Spuren, links Wiese.
    Also links am Mast vorbei.
    In dem Moment hebt es mich aus dem Sattel, es kracht etwas rechts neben mir, irgendetwas drückt mich zusammen und schlägt auf mich, ich liege blitzschnell am Boden.
    Durch meine 2.500 Fallschirmsprünge und Landungen habe ich einen gewissen Reflex beim Stürzen entwickelt. Also sofort wieder auf die Beine, gucken was passiert ist, hin zu meinem Pferd - das stand 15 meter weiter- kurzer Check am Pferd -alles in Ordnung-  und wieder aufgesessen. Der Adrenalinspiegel jenseit messbarer Grenzen.

    Was war passiert?

    Ich bin im Galopp in ein Volleyballnetz geritten. Mein Pferd passte knapp drunter durch, ich nicht. Der Mast war der Belastung von 90 KG im Galopp nicht gewachsen und ist gebrochen.
    Der Mast wurde durch mich zu mir gezogen, gestoppt habe ich ihn mit meiner Hand, insbesondere mit dem Daumen.
    Der ist jetzt Blau und Rot. Beide Gelenke gequetscht UND extrem empfindlich.

    Martina hat von hinten alles gesehen und gehört und war der Meinung, das brechende Geräusch käme von meinen Knochen.

    Fazit:
    Was jeder erfahrene Reiter weiß, und ich jetzt auch, galoppiere nicht im Dunkeln.

    10 Minuten später waren wir an der Petrosur Tankstelle. Jeder eine "Latte" in der Hand -> also eine Bierdose Brahma-
    Von der Petrosur sind wir wieder nach Hause geritten.
    Rund 45 Minuten später waren wir alle auf dem Grundstück von Birgit und Christoph. Dort wartete mitten auf der Weide schon Birgit mit Tisch, Stühlen und Asado plus flüssiger Stärkung auf uns.

    Viola nun endgültig geschaftt von dieser kleinen Überraschung.

    Die Pferde waren schnell angebunden. Dann haben wir dort einige Zeit gesessen, gegessen, getrunken, erzählt. Uns des Lebens und der warmen, hellen Nacht gefreut, und uns gegenseitig versichert, wie unmöglich so eine Überrraschung in Polen möglich wäre.
    Nicht nur in Polen.

    Ja, Glück gehabt.
    Ausser ein paar Schrammen und dem Daumen sowie einige blaue Flecken an Schulter und Hüfte sind mir  wichtige Erfahrungen geblieben.
    1. Galoppiere nicht im Dunkeln.
    2. Nicht alles was schön ist, ist auch ungefährlich.
    3. Der Teufel ist ein Eichhörnchen und lauert überall.

    und das Wichtigste zum Schluß:

    Reite nicht mit Männern, die NUR Verantwortung für sich selbst, aber nicht für ihre Freunde bzw. Gäste kennen. Also Finger weg von Leuten wie Christoph Ritter.


  • 1/4 Jahr (13.11.2008)

    Aus dem Blog http://mojparagwaj.blog.de/ vom 12.November 2008 22:38 Uhr
    Aus dem polnischen sinngemäß übersetzt.
    Mögen manche poetische Wörter nicht richtig getroffen sein so möge man mir das ver
    zeihen.

    -------------------------------------------

    Die Nacht ist hell.
    Der Mond steht wie ein Riesenscheinwerfer am Himmel. Beleuchtet jeden Stein. Die Bäume etwas mystisch, unheimlich.
    Besonders, wenn der kleine Papageienschwarm die Fledermäuse erschreckt.

    Ich freue mich, dass ich schon den dritten Monat die Tage und Nächte bewundern darf.

    Schon ein viertel Jahr, seit wir Polen, und alles was polnisch ist, hinter uns gelassen haben.

    Der Himmel war heute unruhig. Hat uns einen kurzen Regen gegeben.
    Die Sonne hat nicht aufgehört zu scheinen und als Belohnung für den Regen haben wir ein Regenbogen bekommen.
    Vielleicht nicht besonders spektakulär, aber wer kann sich
    schon eines Regenbogens im November freuen.
    Ach, Europa, wie sehr du mir nicht fehlst ;)

    Am Abend hat der Himmel jede Minute seine Farben verändert -und endlich ist der Mond erschienen.
    Wie ein König betrat er das Firmament.K-2008-11-12 022K-2008-11-12 026
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    In Polen, an meinem Geburtsort ist schon der Dreizehnte.
    Das ist mein Tag. Mein Geburtstag, 34 Jahre alt.

    Ich wünsche mir das es andauert,
     
    dieses Gefühl, dass es genau DAS ist,

    dass es unser Platz ist,

    dass diese Ruhe nicht ein Vogel ist, sondern ein Elefant.
    nicht beflügelt und schreckhaft, sondern sicher, stark und treu.

    Ich liebe mein Leben.

    Danke Mama, danke Papa!

    P.S. Meine Mama hat mich heute angerufen.
    Sie hat mit mir "geschimpft“, dass mir "Europa überhaupt nicht fehlt"

    "Mami – aber ich mag so gerne mein Polen.
    Meine Wurzeln habe ich nicht vergessen."
    Aber als depressiver  Mensch freue ich mich, dass ich nicht mehr kämpfen muss
    mit dieser ständigen  europäischen Dunkelheit,  mit diesen ständigen November-Herbst Launen. An meinem Geburtstag (Ergänzung vom Übersetzer)

  • Rinderleben

    Heute morgen haben wir sehr früh nach dem kleinen Problemkalb geschaut. Es lag schwach und von Fliegen übersät auf der Weide. Die Mutter ziemlich ratlos daneben.

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    Als erstes hat das Kleine dann eine Flasche Zuckerwasser bekommen. Dann ein Spritze mit schmerzstillenden Mittel und  einmal Vitamine


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    Sehr viel gesünder oder gar kräftiger sah es danach nicht aus.
    Also wurde die Mutter in den Coral gebracht. In die  Behandlungsbox.
    Das ist eine Box im Laufgang, in die man die Kuh einsperren und auch einklemmen kann. Zum Behandeln, zur künstlichen Befruchtung oder aber auch um es dem Kalb zu ermöglichen mit fremder Hilfe zu saugen.
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    Die Behandlungsbox von oben.
    Nach dieser erzwungenen Mahlzeit ging es dem Kalb sichtlich besser.

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    Es kam dann mit der stolzen Mama in ein Nebengehege des Corals.
    Dort bleiben sie bis morgen.
    Heute abend sah es schon sehr fit aus.
    Es lief und trank selbst.
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    Schauen wie was Mutter Natur bis morgen zuwege gebracht hat.

  • Plastilin 10.11.208

    Erlebt von Viola und Rene
    Aus dem polnischen sinngemäß inhaltlich übersetzt.

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    Langsam aber sicher gibt es in Paraguay alles zu kaufen.
    Alltägliches in Independencia, Besonderes in Villarrica und alles andere in Asuncion.
    Vielleicht gibt es nicht überall alles, aber alles gibt es irgendwo.
    Auch solche Besonderheiten wie "Play Doh", ein Spiel mit Knetmasse gibt es. Rene bevorzugt aber die einfachere Variante mit Plastilin aus dem Herero in Villarrica.

    Heute war es sehr warm und Rene ist eine Stunde im Haus geblieben. Er spielt mit dem neuen Plastilin.
    Es  wird geknetet, auf dem Tisch verschmiert, in kleine Teile zerschnitten, verdreht und als Torte angerichtet.

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    Ein glücklicher, beschäftigter Junge. Er ist älter, reifer geworden.
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    Nach soviel Musse und Ruhe am Tisch musste er erst einmal etwas Rasen ausreißen, voller Energie und Ärger darüber daß es so schwer ging.

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    Aber er hatte dann eine gute Idee und probierte es mit der Schere.
    Eine neue gibt es hier in Planta Urbana.

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    Am Abend kam dann Wind auf, 30 Grad warm.
    Die Wolken jagten um den fast Vollmond herum.
    Rene lag im Bett, erledigt vom Tag mit Plastilin, Coral, Rasenschneiden und vielen anderen Aktivitäten,
    die Träume kamen rasch.

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    Ein erfüllter, gücklicher Tag.


  • Coral am 10.11. 2008

    Erlebt von Viola und Rene
    Aus dem polnischen sinngemäß inhaltlich übersetzt.

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    Rene liebt den Coral als Spielplatz.
    Er nimmt seine Bücher dorthin mit und spielt dort. Es gibt viel zu klettern, zu gucken. Oft sind die Frauen und Freundinnen dort bei ihren Männern, sehr oft sind auch Kinder mit dort.
    Die Kinder verstehen sich gut miteinander. Wahrscheinlich werden die paraguayischen Kinder bald polnisch können und Rene spanisch und die alte Indianersprache Guarani. Wer weiß ab wann er für uns übersetzt?

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    Seit einiger Zeit werfen die Rinder ihre Kälber. Die trächtigen Rinder werden im Moment in der Nähe des Coral gehalten um die jungen Kälber gleich versorgen zu können.
    Immer wieder kommt es vor, daß ein Klab zu schwach ist oder die Zitzen der Mutter so dick, daß das Kalb nicht saugen kann.
    Viola ist in den Coral zu dem Kalb gegangen um nachzuschauen was mit ihm ist. Rene war in alter Gewohnheit auf den Zaun geklettert und beobachtete.
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    Während Viola sich über das Kalb beugt, schaut ob es lebt, muss das Mutterrind näher gekommen sein. Es war wohl einige Meter weiter im Nachbarfeld beim Saufen. Auf jeden Fall schaut Viola hoch und sieht die Kuh schnell auf sich zukommen.
    Viola hat einen Riesensatz auf den Zaun gemacht, Rene hochgenommen und auf der anderer Seite im Nebengehege abgesetzt. In dem Moment -Bumm- hat das Rind den Zaun gerammt.
    Diese Rinder -Brahmus- genannt, eine Mischung aus Angus und Brahmas, haben einen ausgeprägten Jungen-Schutzinstinkt. Sie sind nicht so dröge wie die deutschen Schwarzbunten mit ihrem Rieseneuter.

    Auf jeden Fall hat die Mama dann ihr Kleines bewacht.
    Dann ist sie einige Meter Richtung offener Weide gegangen, ist stehengeblieben, hat sich zum Kalb umgedreht und aus tiefster Kehle eine Art Brummen losgelassen. Jeder Bär hört sich dagegen wie im Stimmbruch an. Nach einigen Versuchen hat sie schon energischer gebrüllt.
    Aber das Kalb war zu schwach, es lag weiterhin dort.

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    Einige Zeit später haben die Männer die Kuh dann im Coral im Laufgang eingesperrt, in eine grosse Flasche abgemolken und dem Kalb zu saufen gegeben.
    Danach bekam das Kalb noch eine Spritze mit Vitaminen und Antibiotika. Der Nabel wurde versorgt und der Rest der Natur überlassen.
    Schauen wir ob es die Nacht überlebt.
    Das ist Natur, Leben und Sterben sind nahe beieinander. Nirgends wird uns dieser Kreislauf bewußter als in einem Land wie diesem.

  • Choppfest, Nachtrag

    Natürlich schreibt sich Choppfest mit zwei p und zusammen. Mea culpa.

    Heute Mittag war Werner zum Terere bei uns.
    Er ist einer der "Macher" des Choppfestes, im Sinne von arbeitenden Organisator und Durchfühender.
    Er erzählte, daß gegen drei Uhr von 10.000 Liter Bier nur noch 500 liter übrig waren. Neues Bier war nicht mehr zu bekommen.
    Also hat man sich gegen halb Vier bei allen Gästen für diese Panne entschuldigt, die Kassen geschlossen, den Rest Bier als Freibier ausgegeben und Musik bis zum Hellwerden zugesichert.

    Gegen vier war alles leergetrunken. Bier, Cola, Fanta, Wasser,  ALLES. Bis auf einen ziemlichen Rest an einem einzigen Stand in der Halle links. Dem Spirituosenstand. Dort war immer noch hochprozentiges zu bekommen, bis zum Schluss.
    Gegen sieben gingen dann die letzten Gäste.
    Einige haben sich noch an der Petrosur getroffen, dort gab es ab 6:00 schon kaltes Bier. Mit einem dieser Unentwegten war ich heute in Villarrica. Er hatte bis drei an einem Stand gearbeitet und hat deswegen besonders unter dem "Bier ist alle!" gelitten. Aber dafür gibt es ja die "Tanke" Petrosur. Dort haben sie dann bei Bier und Bassmusik bis neu Uhr einen kleinen Ausklang gehabt.

    Es waren 7.000 zahlende Besucher, erheblich mehr als man erwartet hatte.
    Es gab keine Vorkommnisse, keine Schlägerein, keine Rempeleien, keine Autounfälle.
    Das habe ich in Deutschland oder Polen eigentlich anders in Erinnerung.
    Das allein ist eine Meldung in der Zeitung wert!

    Werner hat dann am Sonntag das Aufräumen geleitet. Einen LKW voll mit Müll. Aber damit war der Platz noch lange nicht besenrein.
    Danach hat er sich mit einigen Freunden und einigen Kisten Bier (von der Petrosur) zurückgezogen. Nach soviel Stress vollkommen normal.
    Heute war seine Stimme noch sehr rau. "Das war das viele telefonieren in dem Trubel.  Jeder hat mich angerufen um irgendwie geholfen zu bekommen. Meisten habe ich aber nur  -WAS. Nochmal-  schreine können. Ich habe mich überhaupt nur schreiend verständigen können."
    Glaube ich ihm!

    Superfest.

    Musste bis Paraguay reisen um so etwas erleben zu können.


  • Chop-Fest 2008

    Chop heißt hier Fassbier.
    Ein Chop-Fest ist also ein Fassbierfest.
    Dazu gibt es Livemusik und Essen satt.Total normal für Deutschland.

    Hier ist das Chop-Fest auf dem Gelände des deutschen Sportvereins in der Kolonie Independencia aber ein RIESEN Ereigniss. Aus weitem Umkreis strömen den ganzen Abend Gäste zum Platz, Zimmer sind seit langem ausgebucht.
    Letztes Jahr waren rund 6.000 Besucher da.
    Die Kolonie Independecia umfasst rund 6.000 Einwohner, die sich auf einer Fläche von cirka 20 mal 40 Kilometer verteilen. Das sind dann 7,5 Einwohner pro Quadratkilometer.
    Auf dem Sportvereingelände war es gestern Nacht aber schon dicht gedrängter

    Nach der Geburtstagsparty bei Christoph sind wir gegen 22:00 Uhr zu viert zum Fest gefahren. Viola, Birgit mit Luca und ich als Fahrer.
    Nur für eine Stunde, bis 3:00 Uhr.

    Es war eine Party allererster Sahne.
    In der grossen, nach allen Seitene offenen Turmhalle, war auf der Bühne Livemusik, mehrer Leinwände sorgten für visuelle Untermalung.
    Ein zweiter Tanzplatz war auf der Tennisanlage eingerichtet.
    Auf den Rasenflächen Tische und Stühle unter Zelten aufgestellt.
    In der Festhalle saßen bestimmt zwischen 500 und 1000 Leute in leicht miefiger Luft (zu wenig Winde und etwas schwül bei 30 Grad).
    Ringsherum überall Biershops für Dosen- und Fassbier sowie "Ladestationen" für die Chop-Fest-Bierkrüge.
    Dosen, Gläser und Bierkrüge haben alle 0,5 Liter. Eine Füllung kostet 5.000 Guarani. (rund 0,90 Euro)

    Die Musik ist irre Laut, rhytmisch. Alles bewegt sich, tanzt auf der Stelle, geht zum Bierholen oder zur nächsten Tanzfläche. Alles lebt, unagressive, freundlich und fröhlich. Keine Schlägereien a. la Bierfest in Deutschland.

    Um drei sind wir gegangen. Am Eingang/Ausgang stand Werner, er hat das Fest mitorganisiert. Er hatte Stress im Gesicht. "Wir hatten 10.000 Liter Bier, aber das ist fast alle. Aber irgenwie bekommen wir schon neues."

    10.000 Liter Bier bei 6.000 Menschen? 
    Darunter auch Nichtbiertrinker, alle mit dem Auto, über Erdstrasse mindesten 3 Kilometer zur nächsten Unterkunft.
    Keine Polizeikontrolle, kein Stress.
    Zwei Autos hatten wir dann im Graben gesehen,wohl etwas zu weiträumig Zick-Zack gefahren.
    Kein Problem, irgend jemand mit einem ordentlichen Pickup hilft ihnen aus dem Graben und fertig.

    Leider haben wir keine Bilder gemacht. Voller Egoismus wollten wir nur feiern.

    ABER jemand anderes aus der Kolonie hat Fotos gemacht.
    Schaut hier: http://independencia-py.blog.de/2008/11/09/choppfest-5009395





  • Nachtrag zur Leseratte

    Nachdem wir Freitag hoch zu Ross in der Leseratte waren haben wir es heute mit dem Auto wiederholt.
    Allerdings haben wir nicht im Garten geparkt, sondern direkt vor dem Eingang.
    Vorher hatten wir uns zwei Häuser weiter noch mit Eis versorgt. Auf ausdrücklichen Wunsch von Rene.
    Im weiteren dann einige Bilder von diesem Cafe, Biergartenlokal, Gaststätte, Bücherei und "Kneipe um die Ecke".
    Nicht zu vergessen die Spiele am Stammtisch. Von  Monopoli bis "Vier Gewinnt" ist fast alles da.
    Im hinteren Teil dann eine gemütliche Couch  um Zeitungen von 1980 bis in die Gegenwart durchzustöbern.

    Ich muss ehrlich sagen, das mir die Lektüre eines "Stern" Bildbandes aus den 80er Jahren gezeigt hat wie relativ auch die dramatischen Vorgänge durch die "Zeitlupe" wirken.

     

    Eingang zum Biergarten Leseratte

    Kneipentür

    Biergarten

    Vorn im Biergarten

    Gartenecke
    Bücherei Leseratte

    Spieleecke Stammtisch

    Leseecke

    Gastraum 1

    Ein schöner Ort in einem Dorf namens Melgarejo, der Kapitale der "deutschen" Kolonie Independencia.

    Ich habe mir vorgenommenmehr über diese "deutsche" Kolonie Independencia zu zeigen.
    Leider ist der Ruf im Internet nicht so besonders. Einige wenige verdüstern den Blick auf dieses Siedlungsgebiet am Fusse des gebirgigen Ybytyruzu Nationalparks.

    Wer alles glaubt, was über die "deutsche Kolonie Independencia" im Internet steht, der weiß auch das Hamburg nur aus der Reperbahn besteht, Berlin nur aus dem Brandenburger Tor, Hannover ein Stadtteil der CEBIT ist und München nur von Lederhosen tragenden Biertrinkern bevölkert ist.
    Kommen sie mit auf eine Reise durch die "deutsche" Kolonie Independencia.

    http://casaritter.blog.de/ Wegen Dummheit meines ehemaligen Vermieters gelöscht.

    Das hat mich alles so sehr geschafft. Ich musste SOFORT in die Hängematte.
    Blick aus der Hängematte 2

    Blick aus der Hängematte

    Ach ja,

    heute  ist Asado angesagt.
    Danach zum Chop-Fest im deutschen Sportverein der Kolonie Independencia.
    Letztes Jahr waren 6.000 Gäste aus ganz Paraguay da. Auf einem Gelände, das einem bei 2.000 Menwschen schon Platzangst beschert.

    Schauen wir mal wie es wird.

    Bis bald,

    Ingo

  • Freitag 5:28

    Es ist graues Nieselwetter bei 20 Grad.

    Vorgestern hatten wir Sturm.
    Unser erster Sturm dieser Stärke hier. Unsere Markise entwickelte trotz schlechter Aerodynamik superflugeigenschaften. Die Nylonleine mit 200 KG Bruchlast hat es zerrissen, der Bambusstab hat gehalten.
    Der Regen flog parallel zur Erde. Das Wasser kam nicht nur durch die Fensterritzen , sondern auch durch den Spalt zwischen Mauer und Rahmen. Die paraguayische Fertigungstoleranzen messen sich in Zentimeter, also Platz genug für Wasser. Hier beginne ich den Begriff Handarbeit neu zu bewerten.

    Viola ist gerade mit Rene zur Bushaltestelle des Schulbusses gefahren.

    Heute haben die Kinder nur bis 9:00 Kindergarten (Jardin) und Schule.

    Gestern hat unser Pferd Mozart eine neue Trense ( http://de.wikipedia.org/wiki/Trense ) bekommen. Bei der bisher verwendeten war mir der Hebel zu lang. Zum einen entwickelt „Mann“ zu viel Kraft und zum anderen war sie zu schwer. Die langen Hebel, die Kette und die schweren Zügel schwangen einfach zu viel hin und her. Die neue ist dicker, aus Edelstahl (hohl), viel leichter und durch ihre Dicke nicht so „scharf“ im Pferdemaul. Die neuen Zügel sind aus Leder und Kunststoffriemen und ebenfalls leichter.

    Bei einem langen, zwei ein halb Stunden Ausritt, zusammen mit Christoph auf Aron, hat sich diese Kombination bestens bewährt.

    Mozart ist sehr umgänglich.
    Er reagiert auf Schnalzen mit der Zunge mit Schritt und im Schritt beginnt er beim nächsten Schnalzen mit dem Jog. Jog ist ein leichter Trab, man kann damit ermüdungsfrei längere Strecken schnell zurücklegen. Diese Schrittart soll von den amerikanischen Cowboys beim abreiten der langen Weidezäune entwickelt worden sein. Bitte nicht als wissenschaftliche Erklärung verstehen -ich habe noch zu viel gefährliches Halbwissen-.

    Beim Schmatzen im Schritt oder Jog geht es in den Galopp. Alles ohne einen Tritt mit den Hacken oder sonst irgendwie treiben. Bremsen mit „Brrrr“ und einem leichten Zug an der Trense. Obwohl er ein Hengst ist, unkastriert, reagiert er sehr willig. Nur bei rossigen Stuten kommt der Trieb durch. Verstand und Erziehung wird durch Hormone verdrängt. Kennen wir Männer ja irgendwoher.

    Ja, zwei ein halb Stunden Ausritt durch die Natur der Ybyturuzuberge. Berg und Tal, Wasserläufe, weiße Rinder auf satt grünen Weiden, dazwischen die weißen Kuhreiher. Schmale Wege, zum Teil recht zugewachsen und immer wieder eine Tor. Denn der Ausritt geht ja fast immer über fremde Weiden und Flächen. Ein nicht mit einem Schloss versehenes Tor kann im Normalfall als „Eintritt erlaubt“ angesehen werden.

    Nach rund 2 Stunden kamen wir dann in Melgarejo, der „Hauptstadt“ der Ciudad Independencia an. Ein paar Minuten später waren wir an der „Leseratte“. Das ist eine kleine Gaststätte mit einigen Tischen draußen und rund 20 Sitzplätze im inneren. Man bekommt dort Empanada (gefüllte Nudeln in Fett ausgebacken), Pancho (Hotdog), Sandwich, Kuchen, Torte, kleine und größere Speisen sowie von Kaffee bis Schnaps allerlei trinkbares. In einem Nebenzimmer stehen dann viele Regale mit deutschen, englischen und spanischen Büchern, sowie eine Harley Davidson. Von dieser kleinen Bibliothek leitet sich der Name ab. Von der Harley das T-Shirt der Besitzerin.

    Es war für mich ein wahrhaft exotisches Erlebnis auf dem Pferd sitzend durch das Gartentor zu reiten, um die Tische des Biergarten herum dann in den Garten um dort die Pferde anzuleinen wie „Lucky Luke“.

    Dort saßen wir dann, bei Kaffee mit Mineralwasser, und schauten auf unsere Pferde zwischen Palmen, auf eine bunte Gästeschar sowie den dörflichen Verkehr.

    Dieses selbstverständliche ruhige miteinander von Pickups, Motorrädern, Fußgängern und Pferden ist das wirklich exotische für mich. Natürlich alle motorisierten Verkehrsteilnehmer mit einem gekauften Führerschein und einer Ausbildung nach der „Learning by Doing“ Methode. Weil sich jeder unsicher ist wird auch vielmehr auf den anderen geachtet. Obwohl hier enorm viele Hunde blindlings über die Straße laufen, die Katzenpopulation alle europäischen Maßstäbe übersteigt und ständig Rinder unangeleint an der Straße weiden, sieht man nur wenig tote Tiere am Straßenrand.

    Man achtet und beachtet einander.

    Allerdings sind einem Zuckerrohrlaster bei 70 Km/h und 60 Tonnen Gewicht mit miesen Bremsen auch ganz klar Grenzen gesetzt.

    Es ist jetzt 19:00 Uhr. Noch einmal den Eintrag überlesen und dann ins Netz damit.

    Von 14:00 bis 18:00 Uhr war ich mit Mozart zum Salto Suizo. Ein wunderbarer Alleinritt. Ein Teil der Strecke ist gleich der von gestern.

    Die Bilder sprechen vielleicht für sich, hoffe ich.

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    Man sieht sich vielleicht,


    Ingo

     

  • Freitag 5:28

    Es ist graues Nieselwetter bei 20 Grad.

    Vorgestern hatten wir Sturm.
    Unser erster Sturm dieser Stärke hier. Unsere Markise entwickelte trotz schlechter Aerodynamik superflugeigenschaften. Die Nylonleine mit 200 KG Bruchlast hat es zerrissen, der Bambusstab hat gehalten.
    Der Regen flog parallel zur Erde. Das Wasser kam nicht nur durch die Fensterritzen , sondern auch durch den Spalt zwischen Mauer und Rahmen. Die paraguayische Fertigungstoleranzen messen sich in Zentimeter, also Platz genug für Wasser. Hier beginne ich den Begriff Handarbeit neu zu bewerten.

    Viola ist gerade mit Rene zur Bushaltestelle des Schulbusses gefahren.

    Heute haben die Kinder nur bis 9:00 Kindergarten (Jardin) und Schule.

    Gestern hat unser Pferd Mozart eine neue Trense ( http://de.wikipedia.org/wiki/Trense ) bekommen. Bei der bisher verwendeten war mir der Hebel zu lang. Zum einen entwickelt -Mann- zu viel Kraft und zum anderen war sie zu schwer. Die langen Hebel, die Kette und die schweren Zügel schwangen einfach zu viel hin und her. Die neue ist dicker, aus Edelstahl (hohl), viel leichter und durch ihre Dicke nicht so scharf im Pferdemaul. Die neuen Zügel sind aus Leder und Kunststoffriemen und ebenfalls leichter.

    Bei einem langen, zwei ein halb Stunden Ausritt, zusammen mit Christoph auf Aron, hat sich diese Kombination bestens bewährt.

    Mozart ist sehr umgänglich.
    Er reagiert auf Schnalzen mit der Zunge mit Schritt und im Schritt beginnt er beim nächsten Schnalzen mit dem Jog. Jog ist ein leichter Trab, man kann damit ermüdungsfrei längere Strecken schnell zurücklegen. Diese Schrittart soll von den amerikanischen Cowboys beim abreiten der langen Weidezäune entwickelt worden sein. Bitte nicht als wissenschaftliche Erklärung verstehen -ich habe noch zu viel gefährliches Halbwissen-.

    Beim Schmatzen im Schritt oder Jog geht es in den Galopp. Alles ohne einen Tritt mit den Hacken oder sonst irgendwie treiben. Bremsen mit Brrrr und einem leichten Zug an der Trense. Obwohl er ein Hengst ist, unkastriert, reagiert er sehr willig. Nur bei rossigen Stuten kommt der Trieb durch. Verstand und Erziehung wird durch Hormone verdrängt. Kennen wir Männer ja irgendwoher.

    Ja, zwei ein halb Stunden Ausritt durch die Natur der Ybyturuzuberge. Berg und Tal, Wasserläufe, weiße Rinder auf satt grünen Weiden, dazwischen die weißen Kuhreiher. Schmale Wege, zum Teil recht zugewachsen und immer wieder eine Tor. Denn der Ausritt geht ja fast immer über fremde Weiden und Flächen. Ein nicht mit einem Schloss versehenes Tor kann im Normalfall als Eintritt erlaubt angesehen werden.

    Nach rund 2 Stunden kamen wir dann in Melgarejo, der Hauptstadt der Ciudad Independencia an. Ein paar Minuten später waren wir an der Leseratte. Das ist eine kleine Gaststätte mit einigen Tischen draußen und rund 20 Sitzplätze im inneren. Man bekommt dort Empanada (gefüllte Nudeln in Fett ausgebacken), Pancho (Hotdog), Sandwich, Kuchen, Torte, kleine und größere Speisen sowie von Kaffee bis Schnaps allerlei trinkbares. In einem Nebenzimmer stehen dann viele Regale mit deutschen, englischen und spanischen Büchern, sowie eine Harley Davidson. Von dieser kleinen Bibliothek leitet sich der Name ab. Von der Harley das T-Shirt der Besitzerin.

    Es war für mich ein wahrhaft exotisches Erlebnis auf dem Pferd sitzend durch das Gartentor zu reiten, um die Tische des Biergarten herum dann in den Garten um dort die Pferde anzuleinen wie Lucky Luke.

    Dort saßen wir dann, bei Kaffee mit Mineralwasser, und schauten auf unsere Pferde zwischen Palmen, auf eine bunte Gästeschar sowie den dörflichen Verkehr.

    Dieses selbstverständliche ruhige miteinander von Pickups, Motorrädern, Fußgängern und Pferden ist das wirklich exotische für mich. Natürlich alle motorisierten Verkehrsteilnehmer mit einem gekauften Führerschein und einer Ausbildung nach der Learning by Doing Methode. Weil sich jeder unsicher ist wird auch vielmehr auf den anderen geachtet. Obwohl hier enorm viele Hunde blindlings über die Straße laufen, die Katzenpopulation alle europäischen Maßstäbe übersteigt und ständig Rinder unangeleint an der Straße weiden, sieht man nur wenig tote Tiere am Straßenrand.

    Man achtet und beachtet einander.

    Allerdings sind einem Zuckerrohrlaster bei 70 Km/h und 60 Tonnen Gewicht mit miesen Bremsen auch ganz klar Grenzen gesetzt.

    Es ist jetzt 19:00 Uhr. Noch einmal den Eintrag überlesen und dann ins Netz damit.

    Von 14:00 bis 18:00 Uhr war ich mit Mozart zum Salto Suizo. Ein wunderbarer Alleinritt. Ein Teil der Strecke ist gleich der von gestern.

    Die Bilder sprechen vielleicht für sich, hoffe ich.

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    Man sieht sich vielleicht,


    Ingo

     

  • Einwanderungsbürokratie

    Zur Vorbereitung unserer Ausreise und der Einwanderung nach Paraguay gehörte das Besorgen der vorgeschriebenen Dokumente.

    1. Geburtsurkunde
    2. Heiratsurkunde bei Verheirateten

                               oder
         Scheidungsurkunde bei Geschiedenen und noch nicht wieder Verheirateten.

    3. Führungszeugnis, vom Ausstellungsdatum bis zur Vorlage maximal drei Monate.
    4. Reisepass, ab Einreisedatum hinaus noch 6 Monate gültig.

    Recherchen im Internet erbrachten den Hinweis, dass Übersetzungen und ärztliche Untersuchung am besten vor Ort in Paraguay erledigt wird. Das ist schneller und billiger.

    Erschwert wurde das Dokumente zusammentragen für mich durch unseren Wohnort Polen.

    Hätten wir in Deutschland gewohnt, dann hätte Viola die Probleme gehabt, aber heftiger, da die polnische Bürokratie zum großen Teil noch eine Papierbürokratie ist, die fast immer persönliche Anwesenheit erfordert.

    Nachdem alle Papiere zusammen waren habe ich sie in Berlin bei der Botschaft Paraguays überbeglaubigen lasse.

    Mit diesen Dokumenten sind wir dann in Paraguay eingereist. Das Rückflugticket haben wir uns durch das Vorzeigen dieser Papiere bei der TAM erspart.

    Das Führungszeugnis muss beim Bundesamt für Justiz in Bonn beantragt werden. Es muss vom Justizministerium beglaubigt werden.

    Das Führungszeugnis sollte so früh wie nötig und so spät wie möglich beantragt werden. Dann bleibt in Paraguay mehr Zeit für alles.

    Mein Führungszeugnis stammt von Anfang Juli.
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    Ich hatte mich dafür entschieden meine Zeit und Nerven nicht mit der Bürokratie zu verschwenden, sondern einen Profi dafür zu bezahlen.
    In Paraguay haben wir uns die Zeit genommen und mit mehreren Einwanderungshelfern (EWH) getroffen.

    Letztendlich haben alle das gleiche Angebot und nahezu identische Zeitvorstellungen. Unterschiedlich jedoch die Anzahl der erforderlichen Besuche in Asuncion und die Art und Weise der Erledigung des Gesundheitszeugnisses und der 5.000 Dollar Sicherheit.

    Fakt ist jedoch auch, das wir Menschen kennenlernten die seit über einem Jahr auf ihre Papiere warteten. Bei anderen ging es mit einigen Monaten recht schnell.

    Warum? Einige kennen mehr maßgebende Leute an den richtigen Stellen UND wissen was Gefälligkeiten dort kosten. Wir hatten am 4.September einen Termin mit einem EWH der mir das richtige Gefühl im Bauch machte. Vertrauenswürdig. Außerdem hatten wir mit einigen Leuten Kontakt die ihn als schnell und genau beschrieben haben.Wir wurden uns einig, ich bezahlte die Hälfte des Honorars und er wurde sofort aktiv. Bei einem Notarähnlichen Menschen haben wir bestätigt die Gestze Paraguay zu achten und einiges mehr, was ich aber nicht alles verstand. Danach dann eine echte ärztliche Untersuchung mit Blutentnahme. Also keine "getürkte".

    Seitdem habe ich es schriftlich, dass ich geistig gesund bin, nicht HIV-Positiv und auch keine sonstigen gefährliche Krankheiten habe.
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    Am 11.ten September dann die polizeiliche Anmeldung bei der Municipalidad in Independencia. Dafür waren zwei Bürgen/Zeugen erforderlich. Das wurde mit zwei Cedulas Einheimischer erledigt. Unser Freund Werner und Christoph habe uns dabei geholfen.

    Außerdem habe ich 29 Mil. Guarani bei der Cooperative Carlos Pfannl eingezahlt. Diese Bestätigung reicht aus für die Bürokratie.

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    Das waren zwar mehr als die geforderten 5.000 Dollar, aber dafür habe ich auch gleich ein Konto hier in der Kolonie und wir können mit anerkannten Schecks bezahlen sowie mit TIGO in der Kolonie untereinander kostenlos telefonieren.

    Am 3.ten Oktober bekamen wir unsere unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Nach vier Wochen!
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    Am 6.ten Oktober waren wir in Asuncion um die Fingerabdrücke für die Cedula abzugeben. Dafür bekamen wir auch eine weitere ID-Karte und einen Packen nicht mehr benötigte Papier zurück.

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    Nach 60 Tagen ab dem 7.10.2008 haben wir dann die Cedula.

    Unsere Einlage bei der Cooperative Carlos Pfannl stand uns ab dem Moment wieder vollständig zur Verfügung.

    So sehen die Papiere aus nachdem sie in Stempelfingern der Bürokratie waren. Hier die Rückseite des Führungszeugnisses.

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    Was kostet das alles?

    In unserem Fall weniger als bei den meisten EWH und mehr als bei einigen wenigen EWH.
    Auch die Frage der Kosten für eine (beschleunigte) Bearbeitung sollte sich jeder stellen.
    Es ist billiger den normalen Ablauf abzuwarten, bietet aber Risiken und kostet unter umständen viel Nerven . Insbesondere wegen der 5.000 Dollar Einlage, die ja auch erst wieder viel später zur Verfügung steht.
    Aber so: Keine Verluste, kein Ärger.

    Was sollte man noch beachten?

    Während meiner Recherchen wollten diverse EWH meine Daten schon vorab per Internet haben um sofort tätig werden zu können. Alles Quatsch. Ohne Papiere kann hier niemand etwas vorbereiten. Das dient nur der Kundenbindung, die nicht immer im Sinne des Kunden ist. Scheuen sie sich in aller Ruhe um. Überlegen sie sich wo sie wohnen wollen. Vom Wohnort abhängig sind faktoren wie polizeiliche Anmeldung oder Führerscheinkauf.

    Wir waren und sind mit unserem EWH sehr zufrieden. Keine leere Versprechung und sehr schnell.
    Unser Wohnort im Cerro Leon, naher an der Kolonie Independecia, hat uns einen Kreis von netten Menschen gebracht und Vorteile bei der Erledigung aller bürokratischen Vorgänge. Stichwort Führerschein in Aregua oder gar Anmeldung an einem Ort an dem man nicht wohnt.

    Wenn es interessiert wer uns die Papiere gemacht hat, der schreibe bitte eine Mail an: py4me@zrobto.pl

    Wer in dieses Land einwandern will, sollte sich vorher gut umschauen.
    Paraguay lebt durch seine landschaftlichen Reize. Städte scheiden dadurch für Natursuchende schon fast aus. Wer in Städten wohnen will, sollte sich ein anderes Land suchen. Denke ich.

    Meine Erfahrungen bisher sind:
    Wohnen sie am Rand der Kolonie Independencia, lernen sie nette Menschen kennen die ihnen nichts verkaufen wollen, erkunden sie von hier aus Paraguay.
    Durch die Vielzahl deutschsprechender Leute haben sie hier einen Soft-Start. Gehen sie Deutschtümmeleien aus dem Weg, wenn sie wollen. Es gibt hier Platz genug zum Ausweichen.

    Hey, der Ingo macht Reklame für die Kolonie?

    Ja und nein.
    Ich zeige die Vorteile der Kolonie so wie ich es erlebt habe.
    Ein anderer Mensch trifft zu Beginn vielleicht andere Menschen und hat einen ganz anderen Start, eine ganz anderer Erfahrung und vielleicht sogar richtig Pech. Der Einstieg durch die richtige Tür ist also sehr wichtig.

    Wir hatten Glück, und dafür sind wir unseren Freunden hier dankbar.

    Besonders Werner, einem Altkolonisten, dessen 46.ten Geburtstag wir gestern auf heute mit viel Fleisch und Alkohol gefeiert haben.
    Christoph und Birgit, wo wir heute nachmittag ein kleines Asado hatten,
    Walfried, der heute hoffentlich beim Rallyfahren in Asuncion gewinnt und viele Andere mit denen
    wir mehr schöne Momente zusammen hatten als in den letzten fünf Jahren.

     



     

  • 23:10 Nachtgedanken

    Heute war ein ausgefüllter Tag.
    Nach der Wellness-Einlage habe ich Strom in den den neuen Stall gelegt.
    Mit Leerrohr und für die hiesigen ungewöhnlich grossen Kabelquerschnitt. Irgendwie läßt einen der deutsche Perfektionismus nicht los.
    Zwischendrin Tererre getrunken, erzählt, zugehört, geschwiegen, genossen.

    Zum Abschluss des Tages habe ich mich in die Hängematte gelegt.
    Über mir ein wunderschöner Sternenhimmel mit einer winzig kleinen Mondsichel.
    Die Frösche und Zikaden liefern ein unvergleichlich schönes Lautkunstwerk,
    Mozart steuert sein Schnauben und Blähungen bei, die Rinder auf der Weide hört man als sich bewegende Lebewesen.
    Der warme Wind rauscht leise im Baum über der Hängematte.

    Was geht einem dabei nicht so alles durch den Kopf.

    Die Zufriedenheit mit dem Ergebniss der körperlichen Arbeit.
    Das fehlen der Planung der unbedingt zu erledigenden Dinge am nächsten Tag.

    Aber auch Dinge wie:
    Sind wir der einzigste belebte Planet in diesem Teppich an Lichtern am Himmel?
    Vorher kommt das alles?
    Wem soll man glauben? Den Physikern oder dem Papst.

    Gibt es so etwas wie Gott?
    Wenn man Angelina Jolie glauben darf, die einmal gesagt haben soll:   "Ich glaube nicht das ein Gott zulassen würde das auf dieser Erde viele Kinder nicht einmal fünf Jahre alt werden" dann wohl nicht.
    Aber wer glaubt schon einer Frau mit einem so grossen Busen. Das ist ganz klar ebenso ein Zeichen für Blödheit wie zuviel Muskeln bei Männern. Klarer Index für Beschränktheit. Schwarzenegger ist der beste Beweis. Er wurde 2007 in die Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt aufgenommen. Ausserdem ist er seit 2003 der 38. Gouverneur von Kalifornien. Das allein ist schon ein Beweis für die Blödheit der Muskelmänner.
    Oder der Beweis für den Neid der vielen durchschnittlichen

    Natürlich habe ich dabei einen echten karaibischen Rum getrunken und eine Havanna geraucht (als Nichtraucher) , eine Partagas Habana aus der Calle de la Industria No. 520.
    Wahrscheinlich würde man meinen Zustand als in Europa als trunken bezeichnen.

    Ja, besoffen vor Glück, das passt.

    Hier darf ich Angelina Jolie als erfolgreich ansehen, Arnold als intelligent und Gott als Paraguayer der nicht alles perfekt erledigt hat.

    Morgen früh werde ich dafür büssen müssen.
    Um 6:45 sind wieder die sieben Kilometer mit Viola angesagt. Und viel Schweiss.


  • Damenbesuch

    Heute Nacht um vier Uhr hörten wir ein seltsames lautes Grunzen, Röcheln und misslungenes Wiehern.
    Jedem schossen so seine Gedanken durch den Kopf

    Viola:   Mozart hat sich verschluckt.

    Ich:    Da will einer das Pferd klauen.

    Mozart:  Was macht dieser blöde Zaun zwischen mir und dieser rossigen Stute.

    Ja, so unterschiedlich wachsen die Gedanken auf dem Boden von Besorgtheit, Angst und Begierde.

    Heute morgen stand eine kleine Gruppe von Verehrern der Stute am Zaun bei Mozart.
    Er ist ein echter Hengst während alle anderen Wallache sind. Das scheint den Hengst wohl zu einer Art Führungstier zu machen.
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    Weder Viola noch ich werden heute ausserhalb des Zaunes reiten, man weiß ja wie irrational Männer im Testostoronstau reagieren. Und wer möchte schon auf einem Pferd sitzen das seinerseits ein Pferdemädchen besteigt

    Um elf Uhr der nächste Damenbesuch. Diesmal mit dem Motorroller.
    Antonia kam um Viola und mir Maniküre und Pediküre zu machen.
    Schnell war unser Küchentisch zur Abstellfläche für diverse Fläschchen und Tinkturen geworden.

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    Liebevoll, fachfraulich und kompetent wurde alles eingeweicht und von überflüssiger Haut und Horn befreit.

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    Nach zwei Stunden Arbeit waren unsere Finger- und Fussnägel wieder in vorzeigbaren Zustand.

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    Im Gegensatz zu Viola habe ich auf eine farbige Lackierung verzichtet

    Antonia hat uns für ihren Hausbesuch rund 8,50 Euro berechnet.

    Nach dieser unterbrochenen Nacht und dem netten Wellness Erlebniss war es dann wieder Zeit für Tereré.

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    See you soon,

    Ingo

     

     

  • Tatort Wiese

    Gestern Abend gegen 21:00 Uhr tanzten zwei total enthemmte Erwachsene engumschlungen auf der Wiese,
    im Beisein ihres noch nicht einmal fünfjährigen Sohnes, 
    zur vollaufgedrehten Musik aus der neuen Stereoanlage ihres Autos.
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    Dazu wurde ohne jegliche polizeiliche oder gar Feuerwehraufsicht ein offenes Feuer abgebrannt.

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    Es soll auch Alkohol im Spiel gewesen sein.

    Insbesondere das Kind zeigte auffällig lebenslustige Tendenzen, die in Europa mit Ritalin oder anderen Psychopharmaka erfolgreich eingeschläfert werden.
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    Sachdienliche Hinweise zur Ahndung werden gebeten an ...


    Ja, das waren noch Zeiten als man sich mit einem Abend voller Lebensfreude aktenkundig machte.

    "Nur wer sich  nicht bewegt spürt keine Ketten"

    Liebe Grüsse an alle,

    Ingo

  • Habe wieder Lust am Schreiben

    Seit einiger Zeit war mir die Lust am Schreiben vergangen.
    Begonnnen hat das an einem sehr schönen Tag bei einer Schneeflocke in Paraguay. Einer der Gäste war der Meinug, mein Blog ist Exhibitionismus von mir. Das habe ich dann ersteinmal einige Tage verdauen müssen. Danach kamen dann viele unterschiedliche Erlebnisse und Aktivitäten, traumhafte Sommertage und Nächte, ausgefüllte Tage bis zum Schluss.
    Keine Lust mehr auf Computer und Schreiben wenn man exhibitionistisch genannt wird.
    Nachdem ich endlich wusste wie man das schreibt,
    habe ich dann folgendes in " http://de.wikipedia.org/wiki/Exhibitionismus " gefunden:

    Exhibitionismus ist eine sexuelle Neigung, bei der die betreffende Person es als lustvoll erlebt, von anderen Personen nackt oder bei sexuellen Aktivitäten beobachtet zu werden. Sie stellt damit das Gegenstück zum Voyeurismus dar.
    Der Begriff wird im medizinischen, im juristischen und umgangssprachlichen Kontext jeweils unterschiedlich verwendet. In den ersten beiden Bereichen enthält der Begriff dabei eine Abwertung, d. h. die Neigung wird als krankhaft bzw. schuldhaft gewertet.

    Der
    gute Mann wollte mir etwas sagen, wußte aber nicht was es bedeutet.

    "http://de.wikipedia.org/wiki/Extrovertiert "
    Extraversion (von lat. extrā »außerhalb« und vertere »wenden«; oft auch Extroversion) zeichnet sich durch eine nach außen gewendete Haltung aus. Extravertierte Charaktere empfinden den Austausch und das Handeln innerhalb sozialer Gruppen als anregend. Typisch extravertierte Eigenschaften sind gesprächig, bestimmt, aktiv, energisch, dominant, enthusiastisch und abenteuerlustig.

    Aber genau das habe ich hier in Paraguay schon oft erlebt. Besonders bei den deutschsprachigen, die sich für den Nabel der Welt halten oder aber mindestens für die Schulmeister der dritten Welt.
    Dieser Typ Mensch trägt voller Überzeugung die grössten Unsinnsgeschichten weiter,
    er spricht in Fremdworten die zum grössten ihm sebst fremd sind,
    er hat eine vorgefertigte Meinung, die so stabil ist wie die in ähnlicher Art gefertigten Betonfertigteilgebäude. Aber leider auch genau so eintönig.

    Wie mir einige Mailanfragen zeigten gibt es doch einige Leser die an unserer Geschichte an sich interessiert sind.

    Für die werde ich weiterschreiben, als extrovertierter Mensch, der allen Menschen einen Vertrauensvorschuss gibt mit einer eingebaute "Rosa Brille", die mir das Leben lebenswerter erscheinen läßt.
    Allen den Menschen, die lieber alles Grau in Schwarz sehen sei dieser Link gewidmet.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterf%C3%BCllende_Prophezeiung

    In diesem Sinne,

    eigene Beiträge
     "Aus der Sicht eines Familienvaters der ein wenig Macho sein darf"
    und aus der Sicht meiner
    "Polnischen Frau im Macholand"
    geschmückt mit den Erlebnissen einer insgesamt rundum zufriedenen Familie.

    Noch etwas in eigener Sache:
    Ich hatte die Webadresse und Telefonnummer unserer Vermieter in meiner Kopfzeile.
    Warum?
    Wir wohnen seit dem 12. August 2008 in Melgarejo. Erst zwei Wochen "betreutes Wohnen" in deren Haus danach in der Phase der "Auswilderung" vom Europäer zum "Paraguay gestählten" Menschen im Gästehaus CERRO LEON.
    Die herzliche Aufnahme, der ehrliche Umgang mit bezahlten Leistungen, Freundschaftsdiensten und Gefallen (war dann doch alles gelogen -geändert 27.1.2009) war DER Glückstreffer in unserm Leben in Paraguay.
    Der Freunde- und Bekanntenkreis dieser sehr lieben Menschen hat uns ebenso angenommen.
    Und nichts ist besser als in den passenden Kreisen zu verkehren.  Schmuddelforenschreiber , bedenkt das.

    Bis bald,

    in einem deutsch-polnischen Blog,

    Ingo

    Grüsse an Alexander aus Singen am Rhein,
    der seine Liebe zum Leben auf dem Land in den Städten Paraguays
    leider nicht fand.

  • Lebensinhalt

    Vor zehn Tagen der letzte Eintrag.

    Eigentlich hatte ich noch über das Schweineessen schreiben wollen;
    Vor dem Essen
    - Weil wir keinen Drehgrill haben gab es Schweinehälfte-
    Partyeinkauf
    - Partyeinkäufe-
    Schwein ist fertig
    - Das Schwein ist fertig-

    und über das Schulsportfest an der deutschen Schule Independencia,
    Schulsportfest
    Ringspringen
    Dreibeinhüpfen
    über die Fortschritte beim Reiten und Pferdefreundschaften,
    Mozart und Freund
    - Mozart und Freund -
    Pferdefreundschaft
    Ich wollte schreiben:
    über den 7 Kilometerlauf am frühen morgen,
    über meine erste Reitstunde,
    über mein neues Gewicht von jetzt 90 KG,
    über Rene,s HalloweenMelone,
    Haloween Melone

    über die Erdarbeiten an der Kinderstube unserer Karnickel,
    Hausbau
    Tiefes Loch

    über die zwei neu geborenen Haarschaf Lämmer,
    Familie
    Ein Tag alt
    über einen schönen Abend in der "Dorfschenke" in Melgarejo,
    über das kleine Reiterfest in Melgarejo am Wochenende,
    Minirodeo
    - Jungmacho-
    Riesenrad
    - Riesenrad -
    Zuckerwatte
    - Zuckerwatte gehört zu jedem Fest-
    Leben im Park
    - Am Rand des Festes im Park - Leben, ungekünstelt -
    Karusell
    - Freude auch an kleinen Dingen -
    Fröhlicheit
     !Hola! ?Ketal? -

    Ich wollte schreiben:
    über die Fahrt nach Brasilien zum Wasserkraftwerk Itaipú
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Itaip%C3%BA)
    Wo wir wegen !Stromausfall! Keinen Einführungsfilm sehen konnten und
    die Fahrt zu den Iguazú-Wasserfälle
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Igua%C3%A7u-Wasserf%C3%A4lle),___##105##______##3##___über die Einkaufstour nach Asuncion um Sattel und anderes Pferdezubehör zu kaufen,
    über den tollen Chinesen und der Churrascaria in Asuncion.

    Aber jetzt sitze ich hier und schreibe WARUM ich die Zeit nicht am Computer verbracht habe.

    In unserem vorherigen Leben gehörte dem Computer ein ziemlicher Batzen an Zeit für Kommunikation, Information und einfach "Surfen". Auch das Fernsehen lieferte eine Menge Unterhaltung und kassierte dafür Zeit. Gar nicht erst zu sprechen von den vielen kleinen Dingen des Lebens die uns halfen Zeit zu sparen um doch nur Hektik zu produzieren. Manchmal musste ich schon an Momo und die grauen Herren denken (http://de.wikipedia.org/wiki/Momo)___##105##___


    Jetzt ist diese Zeit echtem, realen Leben gewidmet.

    Früher waren wir öfter mal in der Stadt in die Disco Narragansett oder ins Cabaret. Dafür waren immer umfangreiche Vorbereitungen zu treffen. Kleiderkauf, Frisör, Manikürebesuche und Kindermädchen holen. Treffen dann um 21:00 zur Vorparty, um dann um 24:00 los zu fahren. Der nächste Tag war dann nur Erholen angesagt, also herumliegen.

    Jetzt brauchen wir die leere? Beschäftigungen nicht mehr. Es ist nicht mehr notwendig sich der Welt in einer Maske zu zeigen, sich den Rollenzwängen zu beugen und durch umfangreiches Verkleiden ein hübsches Bild von sich zu zeigen. Wir sind froh und gut drauf auch ohne viel Alkohol und 110 Dezibel. Der Smalltalk ist der Unterhaltung gewichen.

    Wenn es einen Ort gibt an dem wir leben können und wollen, dann haben wir ihn jetzt gefunden.
    Natürlich könnte dieser Ort auch woanders sein, aber nur mit den lieben Menschen, die wir hier getroffen haben.

    An einem Dienstag vor heute acht Wochen sind wir los geflogen.
    Heute gibt es noch nicht einen Tag den wir tauschen möchten gegen einen anderen Tag VOR diesen acht Wochen.
    Sooft wir hier schon gesagt und gedacht haben "Wie kann das Leben so schön sein!" haben wir es in allen Urlauben vorher zusammen nicht geschafft.

    Jedem,
    der vorhat sein Leben in ruhige Bahnen zu lenken,
    sich gesund ernähren möchte,
    der kein Geld in Paraguay verdienen muss!,
    auf den Trubel der Menschenmassen verzichten kann,
    der selbstbewusst genug ist für eine eigene Lebensführung,
    der genug hat von den Zwängen aller Art in Europa,
    der die kalte Gesellschaft und die Verachtungs des Alters nicht mehr ertragen will,
    der in weiten Teilen unverbaute Natur geniessen will,
    bei meistens schönem Wetter,

    dem rate ich zu einer Reise in ein neues Leben nach Paraguay.

    Schauen sie selbst wie es ist.
    Lassen sie sich nicht verwirren durch die Menschen, die in Foren negatives scheiben aber seit Jahren nichts mehr von Paraguay gesehen haben oder sich eine Art "Second Life" in den Foren aufgebaut haben -ohne Bezug zur Realität-.


    ----------------------------------------------------------------------------------------------------

    Auf diesem Wege noch viele Grüße noch nach Berlin Weding,
    wir hoffen ihr seid heile angekommen und der Ellenbogen ist wieder fit.

    Ingo

  • Sechs Uhr zwanzig

    In unserem letzten Leben schliefen wir zu dieser Zeit noch.

    Rene wurde erst um sieben für den Kindergarten geweckt.
    Wir waren verschlafen weil wir am Abend davor zu lange lesend auf der Couch oder vor der Glotze verbracht haben.
    Vielleicht waren wir auch bei unserer Nachbarin versumpft oder sie bei uns.
    Eventuell war auch eine Partynacht angesagt, und wir wären gerade nach Hause gekommen und das Kindermädchen nach Hause gegangen.

    Aber, wie gesagt, das war im letzten Leben.

    In diesem, realen Traum von einem Leben, sind wir wach.

    Wir sind draussen auf der Veranda und trinken Kaffee
    (eine Angewohnheit der wir trotz Tereré treu bleiben werden).
    Die Karnikel nehmen Viola und die Mohrrüben wahr und kommen gehoppelt, Mozart wiehert kurz weil er nicht mehr allein ist und natürlich auf etwas Kraftfutter hofft.
    Mozart 2
    Ich schreibe manchmal auf dem Notebook. Mozart schaut sich dabei genau an was ich mache.
    Das ist also ein Blog

    Am Tage 46 ist die Freude am Leben,
    am hier sein, dem Geniessen der Natur, an der Ursprünglichkeit des Lebens
    immer noch nicht vergangen.
    Wir Menschen sind soziale Herdentieren, na ja, mehr Gruppe als Herde. Aber wir brauchen andere Menschen. Zu Austausch von Informationen, zum lernen, zum Mitteilen guter und schlechter Dinge. Allein sind wir unglücklich, auch im goldensten aller Käfige.

    Hier haben wir Menschen um uns herum die nicht den Voraussagungen aller Foren entsprechen. Natürlich gibt es auch Abzocker, Idioten, die uns ein Haus vermieten wollen welches sich als Einraumappartement entpuppt, Menschen die einem sofort das beste Grundstück in unverbaubarer Lage (weil am Arsch der Welt) vermitteln wollen.
    Wenn es nach den Meinungen in den Foren geht
    , dann ist die deutsche Kolonie Independencia die Höhle oder Hölle des Deutschtums, Zentrum aller Abzocker.

    Wir haben von alle dem ein bisschen gefunden.
    Aber hauptsächlich habe ich nette Menschen getroffen.
    Zum einem vermittelt der Name Kolonie ein Gefühl von Laubenpiepern
     http://de.wikipedia.org/wiki/Laubenpieper___##22##______##1##___ oder aber von Herrenmenschen in Afrika, von dicht geballt und voller Menschen.
    Weit gefehlt.
    In Melgarejo, dem Hauptort, sowie Planta Urbana leben hauptsächlich Paraguayer und es gibt einige deutschgeführte Geschäft. Es ist lockerer bebaut wie in einem deutschen Dorf. Vielleicht 2-3000 tausend Menschen. Die Deutschen leben meistens auf 4 bis 10 Hektar grossen Grundstücken. Das bedeutet meistens 150 Meter Grundstückbreite.
    Von dicht gedrängt keine Spur. Man sollte eher vom Bereich deutscher Siedler sprechen.
    Zu diesem Thema, Siedler, will ich später etwas schreiben. Nur so weit; hier unterscheidet man Altsiedler und Neusiedler. Dazu kommen dann noch die gerade erst angekommenen ohne Stauts und Benennung.

    Gestern haben wir uns für Mozart entschieden. Beim Tereré natürlich.
    Viola hat im Laufe der letzten Tage (wenn es denn Möglich ist)
    ein kleines Vertrauensverhältnis zu dem Pferd aufgebaut.
    Er wiehert wenn er uns sieht und kommt zu uns.
    Reitstunde 2
    Viola macht ihre Reitstunden jetzt auf eigenem Pferd.
    Jeden Morgen (seit dei Tagen) reitet sie ihn auf dem Gelände am Haus.
    Übt mit ihm, gewöhnt ihn an sich, lehrt ihm ihre UND er ihr seine Marotten.
    Schrittwechsel
    Schrittwechsel
    Reitstunde 1
    Die Leute bemühen sich uns zu in allen Bereichen zu helfen.
    Sattelleihen, Instrumente für die Hufpflege inclusive WIE es zu machen ist, waschen, Pflege und Pflegemittel.
    Alle Details an die man erst denkt wenn man solch ein Tier hat.
    Ach ja, eine Reitstunde inklusive Pferd, auf und absatteln, insgesamt mindesten 90 Minuten, kostet hier ab 6 Euro oder 20 PLN.
    KleinDSC_0037

    KleinDSC_0039
    Frischgewaschen, glänzend, ein Star.

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    Und Abgang. Wer weiß was denen noch einfällt mit mir.

    Natürlich sind einige dieser Hilfen bezahlt, als Dienstleistung bestellt.
    Aber das meiste läuft auf gegenseitige Gefälligkeit, gegenseitige Hilfe beim Leben. Einige meiner Fähigkeiten sind auch hier gefragt, damit kann ich dann handeln. Handeln im Sinne von Kompensationshandel, Bartern,
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kompensationshandel
    Entweder mit meinen Internet- und Kommunikationskenntnissen oder aber längst verstaubtes Wissen aus meiner Zeit als Schlosser und Schmied bei den Hoffmann,s Stärkefabriken in Bad Salzuflen.

    Wir haben zusammen Schafe gesucht und gefunden, eingefangen, aufgeladen, einen Schafstall gebaut.
    Der Stall sieht nicht genial aus, hat keine Statik, besteht aus sägerauen Brettern, aber ein Schaf wird sich darin wohlfühlen. Übrigends, kostet weniger als 20 Euro der Meter, etwas für Billig- und Günstigliebhaber.
    Schafstall
    Wir haben einen Schafsbock gefunden (der keine Eier hatte)
    Schafbock
    Dann einen richtigen Bock gefunden und geholt.
    Jetzt ist die kleine Herde komplett.
    Kleine Herde
    Rene hat hier einen anderen Spielplatz als den gewohnten eingezäunten Sandkasten in Polen.
    Er hat viel Spass beim Plantschen,
    Wasserspiele
    oder er versucht die Knoten nachzumachen die beim festbinden von Mozart oder beim Satteln gesehen hat.
    Wie funktioniert das noch einmal
    Auf dem Sportfest in der deutschen Schule Independencia sieht man ihn im Kreise seiner neuen Freunde.
    KleinDSC_0132
    Oder hier auf dem Sportplatz.
    Die Jugend

    Die Jugend hier ist noch nicht Pokemoon, Spider- und H-man versaut. Sie haben natürlich Handys und PC, Notebook und I-Pod, aber es ist nicht DER Lebensmittelpunkt.

    So, das reicht. Es ist acht Uhr geworden. Viola fährt mit Birgit nach Planta Urbana einkaufen. Trinken und Beilagen für heute Abend. Rene schläft noch. Später werde ich mit ihm eine Schubkarre vom Nachbarn holen und die Pferdeäpfel am Haus einsammeln.

    Heute abend habe wir ein Schwein aus Melgarejo zum Essen eingeladen. 14,6 KG Grillgewicht für 200.000 Guarani. Also rund 8 PLN oder 2,40 Euro das Kilo.
    WIR, das sind einige Altkolonisten, Neukolonisten, unsere Gastgeber und wir als Neulinge.

    Ich werdet davon lesen.

  • Tag 44

    Eigentlich wollte ich etwas über die letzten Erlebnisse aus unserer kleinen Welt schreiben.


    ABER:

    Heute, nach der Siesta, wollte ich zu einem Bekannten in Melgarejo. Weil er zur Zeit in Asuncion ist hatte ich Zeit für eine gemütliche halbe Stunde in der "Leseratte". Das ist ein kleines Lokal mit Essen und Trinken sowie einem Raum als Bibliothek. Hauptsächlich deutsche und ein wenig spanische Literatur.
    Auf der Straße vor dem Lokal lagerten rund 40 bis 60 Personen an der Straße.
    Ganze Familien mit klinen und grösseren Kindern. Über einem Stückchen Wiese war eine 10 x 10 Plane gespannt und bedeckte jede Menge Taschen, Tüten und Behälter.
    Die Leute hatten am Strassenrand drei kleine Baumstämme zusammen geschoben und damit ein Lagerfeuer entfacht; nachmittags gegen 14:00 Uhr. Auf dem Lagerfeuer stand ein Topf von mindestens 30 Litern.
    In der "Leseratte" habe ich dann gefragt was das für Leute seine.
    "Das sind Campesinos. (Kleinbauern) Die warten hier vor dem Büro der Kooperative auf Samen oder Kredit für Samen. Weil das alles etwas länger dauert bleiben die schon mal bis drei, vier Tage hier."

    Das saß ich nun. Gut genährt und gekleidet bei Kaffee und Kuchen im Vorgarten der Leseratte und schaute auf das bunte Völkchen vor mir auf der Straße.
    Einige Kleinkinder machten allen Unsinn den kleine Menschen eben so machen, die Mütter und Männer verhinderten voller Geduld die daraus entstehenden Katastrophen. Alles sehr fröhlich.
    Niemand störte sich an mir, keiner verhielt sich so wie man es aus Europa so erwartet wenn Wohlstand (Ich) und Armut auf einander treffen. Kein"Ey Alter, haste mal nen Euro?"
    Die Leute waren einfach gelassen und gut drauf.

    Aus der Leseratte hatte ich mir eine Zeitung geholt. Die "Stern" Ausgabe vom 8.9.2005. In Paraguay hat Zeit eine andere Bedeutung.
    Darin wurde vom Hurrikan Katrina und dem Untergang New Orleans berichtet.
    Über die Unfähigkeit der Bush-Regierung (oder der Amerikaner allgemein) die Auswirkungen einer Überschwemmungskatastrophe zu beherrschen.
    Dort stand, das die amerikanische Armee in 24 Stunden an jedem Ort der Welt Sanitätseinrichtungen erstellen kann, aber in New Orleans am Tag 6 noch Menschen in Turnhallen und auf Parkplätzen von geplünderten Einkaufszentren starben.
    Dort stand, das Bush pro Monat 5,6 Milliarden Dollar im Irak verschwendet aber kein Geld für die Vorbeugung gegen solche Überflutungen da sei.
    Dort stand, das der Staat offensichtlich zu sehr auf die Selbstverantwortung seiner Bürger gesetzt hat; und das der Staat unfähig sei sich um seine Bürger zu kümmern wenn sie es bitter brauchen.
    Dort stand, das unter anderem die Privatisierung schuld sei. Der Staat habe damit sein Machtmonopol verkauft.
    Dort stand, das die Armee bei ihrer Rettungsaktion schußsichere Westen gegen Plünderer trugen; weil es für die Bürger zu einfach sei sich Waffen zu besorgen.

    Und vor mir die Campesinos. Keiner hat so viel Besitz wie ein 12 Jähriger der seine alten Batman-Figuren auf dem Flohmarkt verkauft.
    Jede
    Campesinofamilie auf sich allein gestellt.
    Ohne Hilfsprogramme.
    Ohne irgendwelche nennenswerten Hilfen vom Staat, dessen Armee noch 2.te Weltkriegspanzer wie den Patton verwendet (zumindest das Elitekorps); und die sicher sehr erschrocken wäre, wenn sie humanitär eingesetzt würde. Wie es eben so ist in einem "dritte Welt" Land.
    Da lobe ich mir das erste Welt Land USA.


    44 Tage sind wir jetzt auf diesem Kontinent. In diesem Land.
    Immer noch in Urlaubsstimmung,

    auf Entdeckungsreise,
    erstaunt von der Fremde,
    süchtig nach dem Ausleben aller der Dinge die in Europa so nicht möglich sind; wie:
    bezahlbares Reiten,
    Abenteuerspielplatz,
    Schießen
    Motorrad fahren,
    Wandern,
    Feste feiern,
    Freundschaften schließen,

    Menschen kennen lernen,
    Dresscode missachten.

    Das stört hier keinen Paraguayer.
    Leben und leben lassen.

    Wenn jemanden diese Lebensweise stört und finanzielle Tragödien voraus sieht, dann ist es bestimmt ein Deutscher. Vielleicht sogar ein Deutscher aus dem pleite gegangenen deutschen Osten.

    Um drei Uhr bin ich zurück nach Hause gefahren.
    Ohne Helm.
    Wind mit 30 Grad im Gesicht, Sonne auf der Haut.
    Auf der Terrasse Viola mit Birgit und den Kindern beim Tererrere.

    Ein Traum in Paraguay.

  • Der Reichtum des Nachbarn

    Gestern waren wir bei einem Bekannten.
    Der zeigte mir auf seinem PC einige Einträge im Internet.

    Man soll es nicht glauben, aber einigen Menschen ist unser Lebenstil irgendwie nicht geheuer. Irgendwie zu lebendig, zu Urlaubsmäßig.
    Auch sorgen sie sich um unser Geld und unsere finanzielle Zukunft.
    Ob das echte Sorgen um unser Geld ist oder Sorge um das ihnen entgehende weiss ich nicht.

    Das alles hat mich schwer beeindruckt.

    Der neue Hut

    Wie immer gibt es unterschiedliche Lebensweisen und unterschiedliche Meinungen.
    So wie es hier auch unterschiedliche Eier gibt.
    Harte, weiche und bunte. Aber keine genormten wie in Europa.

    Paraguayische Eier

    Und genau wegen dieses nicht genormten sind wir nach Paraguay gekommen.

  • Mozart

    Außer nach Schafen haben wir die letzte Zeit auch nach einem Pferd geschaut.
    Weil Viola und ich gerne reiten, wollen wir uns ein Pferd anschaffen.

    Ich halte es für ungefährlicher sich auf die Marotten EINES Pferdes einzustellen anstatt sich immer wieder neu auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Schulungspferden einzustellen.
    In Paraguay dient das Pferd nicht zur Freizeitbewältigung, sondern vorrangig zur Bewältigung der Arbeit.
    Freizeitpferde sind eher selten und deshalb die Suche nicht ganz einfach.
    Die Eigenschaften unseres Wunschpferdes sind schnell beschrieben.
    Groß genug um mein Übergewicht zu tragen, gutwillig und sanft im Umgang mit kleinen Leuten und Kindern.
    Natürlich kann ein Pferd allein aufgrund seiner Größe immer gefährlich werden.

    Gefunden haben wir einen Hengst von sechs Jahren der ziemlich reinrassig aus der Arbeitslinie der Quarter Horse stammt. Er lebte selten beritten auf einer Weide mit seinem Harem und dem Ergebnis daraus. Ein kleine Gruppe von sieben Pferden. Eine Stute, eine Tochter von ihm, wird bald rossig werden. Der Besitzer will keine Probleme mit Inzucht haben und deswegen entweder die zweijährige Stute oder den Hengst verkaufen.
    Am Freitag morgen haben wir in dann für acht Tage zum Ausprobieren bekommen.
    Mozart 2
    Wenn er bleibt, dann wird er Mozart heißen.
    Fragen sie Viola warum Mozart und nicht Chopin, Vivaldi oder Bruno.
    Mozart 1
    Für das Tier ist das schon eine ziemliche Umstellung. Raus aus seiner Herde, rein in den Alltag eines Reitpferdes.
    Lass dich streicheln
    Er ist paraguayisch aufgewachsen. Kein Stall, nur Weide, Mohrrüben oder Brot als Sonderrationen Fressen sind ihm unbekannt.
    Achtung Mensch
    Am Sonntag morgen hat er etwas Kraftfutter aus Violas Hand genommen. Da war der Damm gebrochen.
    Mhmm Schmeckt gut
    Er ließ sich anfassen, scheut nicht, beißt nicht, steht ruhig.
    Komm in meinen Arm
    Er lässt sich am Maul fassen und auch so ohne Zaumzeug führen.
    Hola-Mein Futter geht weg
    Jetzt folgt er Viola beziehungsweise dem Kraftfutter.

    Heute morgen, am Montag, ist Viola auf ihm geritten. Sie hat keine Angst ist aber vorsichtig. Ein Hengst neigt zum Eigensinn, also muss man ihm frühzeitig zeigen wer die Chefin ist.

    Bilder vom Reiten kommen im nächsten Bericht.
    Heute sollte das ein Kennen lernen ohne Publikum sein.

    Er steht ruhig, lässt sich auf der Stelle drehen, geht sofort in Trab oder Galopp, lässt sich leicht stoppen, geht bei zarten Zügelzug rückwärts, reagiert sensibel und sofort.
    Er ist das Reiten im Westernstil gewohnt und hat ganz klar gezeigt wie er die Zügel gerne am Hals hätte. Fühlbar aber nicht straff.
    Außerdem geht er auf Zuruf, Stock oder Sporen sind nicht notwendig.
    Schauen wir wie es weitergeht.

    Ach ja, nicht das hier jemand den Eindruck hat ich hätte Ahnung von Pferden. Ich weiß nur das sie vorn beißen, hinten treten und in der Mitte glatt sind.
    Mein Wissen ist aufgeschnappt von den Reit- und Pferdekundigen die uns helfen.

  • Haarschaf

    Leider hatten wir ab Freitag nach einem Gewitter für einige Tage kein Internet. Aber dafür gibt es jeden Tag etwas neues zu berichten.

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    Seit einiger Zeit sucht unser Nachbar nach Haarschafen.
    Was ist denn das? Haarscharf?
    Nein, Haarschaf, das sind Schafe ohne Wolle. Sie sehen ein bisschen wie dicke Ziegen aus.
    Genau genommen heißen sie Kamerunschaf.

    Aus Wikipedia über das Kamerunschaf:
    Zweck der Zucht von Kamerunschafen ist vordergründig die Fleischerzeugung. Weil die Tiere nicht geschoren werden müssen, werden sie aber auch gern als Hobbytiere zur Beweidung größerer Grasflächen eingesetzt. Trotzdem werden Kamerunschafe selten handzahm. Sie bleiben eher ängstlich bis zurückhaltend und fluchtbereit. In der Haltung sind sie unkompliziert und kälteunempfindlich.

    Nach vielen Suchen haben wir endlich jemanden gefunden der diese Schafe hatte und auch verkaufen wollte (viele wollten keine abgeben) und nicht zu teuer war.
    Bei dieser Suche habe ich auch eine längst vergessene Tugend wiederenddeckt. Fragen, Unterhalten, Wissen austauschen.
    Im Zeitalter des Internets infomieren wie uns via Google/Yahoo, schlagen nach bei Wikipedia, schauen uns die Welt über Satellitenbilder an. Wer braucht das noch andere Informationsquellen?
    Wir haben viele Menschen getroffen die mit uns über alles und jeden gesprochen haben. Manche wussten etwas, manchen kannten jemand der einen kennt der etwas weiß. Aber jeder konnte uns etwas neues über die Schafe im allgemeinen und die Kamerunschafe im Besonderen sagen. In Europa wäre unsere Schnitzeljagd nach Information und Schaf sehr frustierend gewesen. Hier war es lehrreich und angefüllt mit netten Kontakten.

    Am Freitag haben wir sie dann abgeholt. Ein trächtiges Schaf, eine älteres Schaf und ein Lamm.
    Die Tiere mussten auf den Pick-up gehoben werden.
    Schaftransport
    Es hat den ganzen Tag geregnet und die Schafe waren nass. Nachdem die Schafe verladen waren hatten wir alle den gleichen Geruch. Kein Gestank, sondern Geruch. Ursprünglicher wilder Geruch. Schafnel Nr. 5
    Jetzt stehen sie brav im Entenstall und werden nach einer Eingewöhnungsphase das fressen, was die Rinder stehen lassen. So weit die Theorie.
    Über die Praxis schreibe ich heute Abend (Paraguayzeit)

    Bis dann,

    Ingo

    PS: Von diversen Schreiberinnen und Schreibern im Internet wird mir eine Roas Brille angedichtet. Das ist eine Frage der Betrachtung. Wer sich weigert alles Grau in Schwarz zu sehen muss nicht unbedingt fern der Realität sein.

  • Tres Kandu

    Tres Kandu

    Am Sonntag frug uns Birgit Ritter ob wir nicht Lust hätten mit ihrer Familie einen Ausflug zu unternehmen. Statt eines ruhigen Sonntags haben wir kurzfristig eine Fahrt zum Tres Kandu unternommen mit anschließendem Restaurantbesuch.
    Der Tres Kandu (Drei Köpfe) gehört zu Kette des Ybyturuzuberge und ist mit 841 Meter der höchste Berg Paraguays.
    Der Weg führt von uns aus erst einmal um die ganzen Ybyturuzuberge herum. Vorbei an Villarrica bis Numi, dort nach links und nach rund 30 Kilometer direkt hinter der alten Bahnlinie links rein.
    Nach einiger Zeit wurde der Weg immer enger.
    1 Wilde Wege zum Tres Kandu

    Unser Ziel, der Cerro Tres Kandu.
    2 Tres Kandu
    Der Weg wurde zu einer Art Acker, trotzdem kamen uns noch Leute auf dem Pferd entgegen, vor der Kulisse der Berge.
    3 Gegenverkehr

    Der Erdweg wurde zu einem Erdpfad. Die Anforderungen an Fahrer und Material wurde immer größer.
    4 Der Weg wird immer enger

    Anhand einer Brücke lies sich feststellen das wird immer noch richtig waren.
    5 Die Brücken im Campo

    Nicht mehr weit vom Parkplatz am Aufstieg zum Berg kam dann das letzte Tor.
    6 Das letzte Tor vor dem Parkplatz

    An diesem Parkplatz endete der Weg. Bis hierher fahren Busse !!!!
    Die Hütte dort am Platz ist eine typische paraguayische Behausung.
    7 Die Hütte am letzten Parkplatz

    8 Bewohnt

    An einem Tisch saß eine junger Mann in militärischer Kleidung bei zwei Frauen. Terrerezeit.
    Er bestätigte uns das wir hier auf dem richtigen Parkplatz seien, dort geht es zum Tres Kandu.
    Das wir zu Fuß gehen müssen war mir bei Antritt der Fahrt nicht ganz klar. Irgendwie muss ich einen kurzen -Black out- gehabt haben. Alle zogen ihre Wanderschuhe an und ich stand dort mit meinen Halbschuhen, die Sohle ein Profil wie ein Kinderpopo. Egal. Wird schon gehen.

    9 Im Gänsemarsch zum Gipfel
    10 Das Reservat am Tres Kandu
    Kurz nach dem wir losgegangen sind überholte uns der junge Militär und setzte sich an die Spitze unser kleinen Kolonne. Christoph erklärte uns, das der Junge uns den Weg zeigen würde und später etwas Geld dafür bekäme.
    Nach kurzer Zeit waren wir im Dschungel.

    11 Dichter Urwald

    Der Parkplatz liegt auf rund 200 Meter Höhe, zum Tres Kandu waren also 640 Höhenmeter zu überwinden, in fast unberührtem Dschungel -in Halbschuhen-.
    12 Das ist wirklich ein Weg

    Der Weg war nur noch schwer zu erkennen.
    Rings herum um uns wunderschöne Natur, ein glasklarer Bach und malerische Findlinge. Leider glatt wie Seife für meine Sohlen.
    13 Bach im Wald

    Nach einer Strecke von ungefähr 200 Höhenmetern und rund 2 KM Entfernung bemerkte ich doch einige Konditionsschwächen.
    Die Jungen warteten auf mich, den Grufti.
    14 Die Jugend wartet

    Nach weiteren 100 Höhenmetern war ich fertig. Die Knie zitterten, die Lunge pfiff aus dem letzten Loch und der Puls jenseits von Gut und Böse.
    15 Fertig

    Der Anstieg wurde immer steiler und schmaler. An einigen Stellen waren Drahtseile gespannt um auf dem lehmigen Boden nicht in den Abgrund zu rutschen.
    16 Steiler Anstieg

    Zwischendurch konnten wir einen Berg zu unserer Linken sehen.
    Das das der Tres Kandu ist UND wir noch rund 2 Kilometer zu klettern hatten wusste ich da noch nicht.
    17 Das Ziel

    Irgendwie habe ich mich und mein Übergewicht auf den Berg gebracht. Wir brauchten rund 1 ½ Stunden für die rund 4 Kilometer Wegstrecke. Der Anblick ist atemberaubend von dort oben -soweit noch Atem in mir war-.
    18 Geschafft

    19 Blick in die Ebene

    20 Imposant

    Nach einer gebührenden Terrerepause sind wir wieder zurück.
    Der Weg war die reine Hölle. Unser Führer und die beiden Jungs von den R. haben Rene ja schon drei Viertel des Weges hochgetragen, aber der Rückweg war nur noch mit Hilfe möglich.
    An Stellen die wir mühsam hochgekommen waren kamen wir jetzt nur noch unter großen Problem wieder runter.
    Egal, wir haben es geschafft.
    Unten angekommen freuten wir uns über die vollbrachte Leistung und den Muskelkater morgen.
    21 Der Abend kommt

    In der winterlichen Abenddämmerung kurz vor sechs Uhr sind wir dann losgefahren. Zum Restaurant La Tranquera in Villarrica.
    Wir wollten nur noch sitzen. Und Fleisch mit Salat.
    Angereichert mit Maniok und Brahma-Bier aus 0,98 Literflaschen im Eiskühler.
    22 Essen 1

    23 Essen 2

    Wir waren eine kleine ausgelassene Gesellschaft nach einem anstrengen Tag.
    24 Hungrig nach einem anstrengenden Marsch

    Das La Tranquera ist ein sehr schönes Restaurant mit Flair und Ambiente.
    25 La Tranquera

    Es gibt dort gutes Essen und einen sehr aufmerksamen Service.
    26 Service

    Irgendwann war jemand der Meinung die Deutschen lieben Walzermusik. Nach den ersten Klängen des Wiener Walzer wurde der beginnende Muskelkater vergessen und das Tanzbein geschwungen. Weil wir total nass und verschwitzt waren haben wir uns sicherheitshalber nicht ausgezogen und in Jacken gesessen und getanzt.
    27 Ein letzter Tango

    Ein wunderschöner Tag.

    Ich bin stolz wie 10 nackte Neger das ich es geschafft habe.
    640 Höhenmeter, acht Kilometer Urwald, uns alles in Lederhalbschuhen.
    Nach dem zweiten Brahma habe ich Viola versprochen jetzt dreimal die Woche morgens mit ihr zu Laufen 30 Minuten für den Anfang. Jetzt habe ich einmal den faulen Hund in mir besiegt, jetzt werde ich das wiederholen. Dreimal die Woche.

    Ich will nicht beschreiben wie ich mich an dem Sonntagabend gefühlt habe,

    sehen sie selbst.

    28 Mit gehts gut

    Nachtrag:

    Christoph Ritter und Frau hatten mich gefragt ob wir  Lust haben zum Tres Candu zu fahren.
    Natürlich haben wir sie dann als Ausgleich für die Spritkosten zum Essen eingeladen.
    Leider haben uns dann Birgit und Christoph Ritter die Fahrt berechnet, 2000 Gyn der Kilometer plus Mehrkosten von 2000 GYN pro Kilometer wegen der schwierigen Strecke UND noch einmal die Arbeitszeit (40.000 Gyn/Stunden!) für Christoph Ritter.

    Diese unehrliche verlogene Einladung mit der wir der ganzen Familie (es war schon eng mit den Ritter-Söen) hat mich dann menschlich sehr entäuscht.

  • Luftballons

    Um sich das Laufen zur Zielbetrachtung zu ersparen, habe ich je fünf Luftballons von rund 12 Zentimeter auf ein Brett geklemmt. Links davon ein Pappteller -der Smilie -

    Viola soll das schnelle Schiessen lernen, nicht das Kunstschiessen.
    Besser in 5 Sekunden mit 5 Schuss zweimal daneben aber dreimal getroffen als in 10 Sekunden nur einmal getroffen.
    Die Ziele auf 30 Meter
    Für den Anfang schiessen wir auf 30 und 50 Meter. Das macht Spass.
    Treffer
    Treffer!

    Die Caliber 22lr (5,6 mm)  ist recht klein und macht weder viel Lärm noch hat sie einen nennenswerten Rückstoss.
    Ideal zum zielen lernen.
    Interessanterweise wurde das Gewehr von TULA TOZ in Russland gebaut.
    Konzentration

    Morgen ist Sonntag. Familientag.

    In der Sonne schaukeln, Popcorn backen, Schwimmbad aufblasen, etwas Motorrad fahren, vielleicht ein Vogelhäuschen bauen, die Strickleiter am Baum befestigen.

    Apropo Familie.

    Von unseren beiden Karnikel Karol und Wojtyła hat sich eines als Karoline herausgestellt. Erst hatten wir eine schwule Tendenz bei 
    Wojtyła  im Verdacht, aber das hat sich jetzt von selbst erklärt.
    Karol und Wojtyła
    Jetzt sind wir wirklich gespannt ob es denn auch wirklich gefunkt hat.
    Platz genug haben wir ja in unserem Innenzaun am Haus.

    Auf diesem Wege liebe Grüsse an meine Freunde. Kasia in Lodz, Karin und Beate in Bad Driburg, Brigitte in Bad Salzuflen.

    Ingo

  • Billig und Günstig

    Heute möchte ich einen offenen Brief an alle schreiben die in Paraguay Billig und Günstig suchen.

    Im folgenden spreche ich nicht von der Hauptstadt Asuncion oder den mennonitischen Teil im Chaco, sondern vom Rest des Landes.

    Paraguay ist ein armes Land.

    Die Lebenshaltungskosten sind im europäischen Vergleich gering, aber für die hier lebenden und arbeitenden Menschen sehr hoch.

    Die Menschen hier arbeiten für rund 30.000 Guaranis -5,30 Euro- am Tag. Davon können sie leben. Auf einem Level, der einem Sozialarbeiter in Deutschland graue Haare machen würde.

    Jetzt kommen wir Europäer und geben viel Geld für einen Flug nach Paraguay aus.

    Natürlich reicht das Geld dann nicht mehr aus für eine gute Unterkunft.

    Billig muss es sein. Kennen wir ja, „Geiz ist Geil“.

    Aber was ist schon billig in einem Land, in dem ein Haus für 50 Dollar pro Quadratmeter gebaut wird. Ohne Bauvorschriften. Ohne Fundament. Ausgestattet wie eine Autobahntoilette ohne Einbauten.

    Leben sie mal in so einem Haus.

    Zum Thema und zu meiner Erfahrung:

    Im Vorfeld meiner Ausreise habe ich mich im Internet „schlau“ gemacht.

    Umgekehrt wie bei einem Autokauf

    -wenn ich schon 30.000 Euro für ein neues Auto ausgebe, dann sind die zusätzlichen  2.000 Euro für eine Lederausstattung fast geschenkt-

    sucht man immer günstiger und billiger. Hier für 15 Euro, dort für 12 und „Whow“, nur 10 Euro.

    Durch einen unglaublichen Dusel, Glück oder wie man das nennen soll, bin ich am Anfang hier gelandet.

    Das war nicht die billigste Unterkunft, bei weitem nicht die teuerste, aber für uns die beste.

    Nachdem wir zwei Wochen hier waren habe ich einen Besuch in einem Restaurant/Hotel gemacht in das wir ursprünglich mal gehen wollten. Günstiger als unsere jetzige Unterkunft.

    Wären wir wirklich dort untergekommen, dann wären wir heute in Argentinien, Brasilien oder wieder in Polen.

    Es ist an einem Stadtrand am Asphalt gelegen.

    Lärm und Gestank ohne Ende von der nur  15 Meter entfernten Hauptstraße in die Stadt.

    Die Fläche vor dem Haus als Parkplatz genutzt.

    Außer zwei Hunden in einem eigenen abgezäunten Gartenteil keine Tiere.

    Hinten heraus eine öde Weide im platten Land.

    Für Rene eine Katastrophe.

    Ohne Mobilität keine Möglichkeit Reiten oder Motorrad zu lernen.

    Vom Schießen ganz zu schweigen.

    Der Gastwirt machte auf mich den Eindruck als fühle er sich von uns bedroht, irgendwie kontaktscheu. Vielleicht hatte er auch einen schlechten Tag. ABER, wenn etwas nach Kommunikation verlangt, dann doch die Gastronomie.

    Hier wäre keinerlei Hilfe beim Kennenlernen des Landes zu erwarten gewesen.

    Niemand, der uns mit zum Einkaufen mit nimmt, den Menschen vorstellt, die Lebensumstände und Verhaltensweisen der Leute erklärt, uns zeigt wie man sich hier benimmt.

    Niemand der uns wie Freunde in seine Familie mit Kindern aufnimmt (und die Freundschaft kündigt wenn man selbstständig wird).


    Aber in diesem Restaurant/Hotel wäre es billiger gewesen.

    Aber es hätte uns von vorn herein Paraguay versaut.

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    Das hier schreibe ich weil ich Werbung machen will für Paraguay

    Das hier schreibe ich als „Denk mal nach“ an alle die wegen BILLIG nach Paraguay wollen.

    Alle Bilder in meinem Blog sind um unser Gästehaus herum entstanden und auf Touren die wir hier unternommen haben; zu Fuß, mit dem Auto und dem Motorrad.

    Viola geht zu Fuß zum Reitunterricht,

    die Motorradübungen waren 200 Meter entfernt auf einem Hügel mit eingefahrener Strecke,

    Rene fährt 15 Minuten mit dem Bus zum Kindergarten.

    Die zwei Karnickel hoppeln um das Gästehaus herum.

    Die Schaukel und die Hängematte hängen 20 Meter vom Haus entfernt in einer kleinen Baumgruppe,

    der Coral ist 100 Meter entfernt.

    Wir dürfen auf den rund 200 Hektar der angrenzenden Estancia jederzeit spazieren gehen oder auf die Geier schießen

    Auf Grund der Vermittlung von B.R. bekommen wir nestwarme Eier und Milch

    -in 2 Liter Spriteflaschen- vom Nachbarn.


    Wenn sie diese Möglichkeiten nicht brauchen, dann suchen sie sich etwas billiges. Aber da möchte ich ihnen aus reiner Menschenfreundlichkeit nichts empfehlen.

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    Warum so seriös, Ingo

     

    Heute um vier Uhr habe ich bei 5/8 Bewölkung und frischem Wind in unserer Hängematte gelegen. Begleitet von einem Glas "Velho Barreiro", 39 Prozent aus "Aguadente de Cana Adocada" für 1,60 Euro pro 0,6 Ltr. und einer Monte Christo aus Habana. In Europa war es schon 22:00 Uhr, also eine gute Zeit für Alkohol.
    Viola war mit Birgit zusammen eine Stunde laufen, Rene hat den Garten und die Kanichen bewässert -Hochzufrieden und Patschnass-

    Dabei ging mir alles durch den Kopf, das Glück hier zu sein, und nicht wie ganz am Anfang geplant in diesem Restaurat/Hotel.
    Jetzt wissen sie auch  WARUM ich genau über dieses obige Thema schreiben MUSSTE.


    Morgen geht es  mehr heiter weiter.

    Dann zeige ich ihnen etwas von der Bestimmung der Luftballons und die neue Strickleiter aus Bambus.

    Ingo




  • Führerscheinkauf und "Das Geheimniss der Luftballons"

    Am Dienstagmorgen wollte ich schnell mit meiner Jamaha in das rund vier Kilometer entfernte Almacen 50 einige Sachen einkaufen. Kleinkram, hätten wir auch am Donnerstag mit dem Auto erledigen können.
    Auf der Rückfahrt sah ich rund einen Kilometer vor der Abfahrt vom Asfalt von weitem drei Leute in sandfarbenen Uniformen auf der Strasse stehen, einer winkte gerade ein Auto an die Seite. Scheis...!!! Polizeikontrolle.
    Eine kurze Bestandaufnahme meiner Argumente lief auf eine Katastrophe hinaus.
    Kein Helm, das Motorrad geliehen -ohne Nummerschild und Papiere-, kein Führerschein, kein Ausweis dabei und die spanischkenntnisse eines zweijährigen.

    Alles was ich bisher mit der Polizei erlebt oder von ihr gehört hatte ging mir durch den Kopf. Da ich nur 40 Km/h fuhr dauerte es eine Weile bis mich einer der Polizisten auf die Seite winkte. Er richtete mit mir unverständlichem Spanisch -oder Guarani?- eine Frage an mich. Mir entfuhr ein „I think, i have a problem“. „Hola, do you speak english“ bekam ich zur Antwort.
    Ich bin bald vom Motorrad gefallen.
    Ich holte mein Brieftasche aus meinem Rucksack, zeigte ihm eine Kreditkarte mit meinem Namen und ein Foto von Rene. Ich erklärte ihm das alle meine Papiere bei der Immigration seien. Ausserdem hat mein Sohn Geburtstag und ich muss schnell wieder zur Party. Ich zeigte im eine Packung Luftballons die als oberstes im Rucksack waren.

    Genau wegen diesen verdammten Luftballons bin ich eigentlich losgefahren. Wir wollten beim Schiessen mit dem 22er Gewehr auf Distanz auf eben diese Luftballons schiessen und uns so das Laufen zur Zielscheibe ersparen.

    Der Polizist, ein junger, netter und adretter Mann, wollte das ich meinen Namen auf seinen Block schreibe, dann noch die Passnummer und wann ich eingereist bin. Danach: „Aleante Senior“, und ich konnte fahren.
    Puls 220, hochrot, trete auf den Kickstarter – und nichts. Okay, dann eben mit Zündung an. Klappte gleich besser, und weg.

    Mittwochmorgen waren wir auf der Municipalidad -Bürgermeisterhaus- um einen paraguayischen Führerschein zu kaufen.
    Zu kaufen ?!?
    Ja, zu kaufen. Es wurde vor einer farbigen Fahne je ein Foto von Viola und mir gemacht. Grüner Hintergrund für den Motorradführerschein, blauer Hintergrund für den PKW-Führerschein.
    Die einzigste Frage die gestellt wurde betraf unsere Blutgruppe.
    Dann bekamen wir je einen Führerschein für PKW,s
    Autoführerschein
    und fürs Motorrad.
    Motorradführerschein
    Führerschein Rückseite
    Insgesamt hat das 45 Minuten gedauert und 100.000 Guarani -58 PLN oder 17,50 Euro- gekostet.

    Ausserdem bekamen wir ein Heft mit den Verkehrsregeln, die sollten wir lernen,
    Strassenverkehrsordnung
    Vekehrszeichen

    Montags, Mittwochs und Freitags ist Kindergarten.
    Rene fährt dann um 6:30 Uhr mit den Jungs bis an die Strasse und von dort mit dem Bus in die deutsche Schule in Independencia.
    Schulbus
    Deutsche Schule
    Natürlich ist das eine Paraguayische Schule. Unterrichtssprache ist Spanisch. Aber es wird auch Deutsch unterrichtet, die Lehrer beherrschen alle Deutsch und es sind sehr viele deutschsprachige Kinder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dort.
    Deutsch Paraguay
    Diese Schule ist wie die meine im Jahre 1960 in meinem Heimatort in Ostwestfalen-Lippe.
    Ruhig, unstressig, etwas primitiv nach deutscher Kultusnorm.

    Aber die Schüler haben
    einen eigenen Gemüsegarten,
    Schülergartenbeete
    einen Informatikraum, eine Sporthalle und überhaupt alles was man braucht. Nicht auf dem neuesten Stand: Der Fernsehapparat ist uralt, die Soundanlage läuft Mono und hat in dieser Technik schon 1960 in meiner Turnhalle auf dem Klavier gestanden. Aber es funktioniert alles.

    Die Kinder haben auch einen Spielplatz -so wie es auch in Polen üblich ist- mit handgemachten Geräten.
    Spielplatz
    Nicht alles ist absolut quetschfrei oder mit Gummi umwickelt, aber sicher genug um Unfälle zu vermeiden.
    Spielen
    Irgendwie ist alles mit der Mentalität der Schutzimpfung gebaut. Damit meine ich, wer in einem Domestos sterilisierten Haushalt aufwächst bekommt sofort eine Krankheit wenn er jemanden die Hand gibt. Eine Schutzimpfung produziert eine abgeschwächte Krankheit und zeigt dem Körper welche Abwehrstoffe gegen eine richtige Krankheit entwickelt werden müssen.

    Die Kinder sitzen zusammen, spielen, machen Unsinn oder lesen.
    Wasserspiele
    Lesestunde
    Pause
    Multi-Kulti ist hier kein Thema. Alle Kinder sprechen Deutsch, Spanisch und viele auch noch Guarani. Mit fünf!
    Kindergarten
    Wenn die Klingel geht sieht man den einzigsten Moment mit Hast und Eile.
    Schule ist aus

    Ach ja, die Luftballons.

    Wir lernen im Moment schiessen.
    Dazu hängt eine Leine zwischen den Bäumen mit einem Stück Pappe dran, kopfgross.
    Zielscheibe
    Aber nach zwei Magazinen á 10 Schuss wird die Auswertung schwer.
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    Deshalb werden jetzt kleine Luftballons auf einem Brett befestigt und der Erfolg ist sofort zu sehen.

    Ausserdem werden wir auch mit einem Revolver üben. Etwas in der Art werden wir uns vielleicht anschaffen wenn wir eine Cedula haben.
    357 Magnum  von Amadeo Rossi SA
    Die .357 Magnum ist richtig laut, schwer und macht Wahnsinnslöcher und jede Zielscheibe kaputt.
    Aber dafür sind Ballons das beste Ziel.
    357 plus Munition

    Waffen.
    Seit meinen 12 Jahren bei der Bundeswehr weiss ich um die Gefahr die von Waffen ausgeht und hatte nie das Bedürfniss eine zu besitzen. In Deutschland oder Polen war das nicht notwendig. Der Staat hatte das Gewaltmonopol. Hier in Paraguay ist es sehr einfach eine Waffe zu kaufen, zu besitzen und zu tragen. Das Gewaltmonopol ist nur rein faktisch beim Staat.
    Es gibt Leute, die haben immer eine 38er Spezial zwischen Mittelkonsole und Beifahrersitz geklemmt, manche tragen auf ihrem Grundstück ständig eine Pistole am Gürtel, viele haben mindestens einen Revolver oder eine Pumpgun im Haus.

    Paraguay wurde im Fernsehen als gesetzloses, korruptes und gefährliches Land
    dargestellt. Mit schlechten öffentlichen System bei Gesundheit, Sicherheit und Schulwesen.
    Das ist bestimmt im Moment noch richtig.
    Das das Leben nur mit genügend Geld einfach ist und Gesundheit und Bildung käuflich sind, ist ja auch in Europa nichts neues.

    Dieses Land ist Gift für Menschen, die sich nur mit Ausbildungs-Lebens-Hausrat-und Sterbeversicherung wohlfühlen.
    Dieses Land ist gemacht für „Do it your self“ Menschen und Pioniere.
    Dieses Land ist die Hölle für exentrische Partygänger und Selbstdarsteller. In diesem Land muss man Kontakt suchen, halten und pflegen. Die Menschen kommen in -Über-Lebensgemeinschaften zusammen.
    Wer ohne Geld hierher kommt, um dann nur von seiner Arbeit hier zu leben, der ist nach europäischen Maßstäben ganz ganz unten.

    Der Staat gibt jedem Bürger unermessliche Freiheit.
    Das heißt, er kümmert sich um kaum etwas. Hier kosten die Zigaretten nur einige Eurocent, der Liter Zuckerrohrschnaps -NoNameBacardi- kostet ein oder zwei Euro. Wer will kann sich totsaufen.
    Dem Staat ist es egal ob und wo geraucht wird. Das regelt jeder für sich mit den anderen.

    Heute lese ich das der neue Präsident Lugo eine Lebensmittelrente für alte Leute plant.
    Das bedeutet, wer über 60 ist bekommt sein Essen von der „Wohlfahrt“. Sein Essen, und mehr nicht. Und das ist auch noch Zukunftsmusik.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

    Manche Menschen brauchen dieses Gefühl der Verantwortung für sich selbst. Wir sind solche Typen.

  • Vierte Woche

    Die vierte Woche ist mittlerweile Geschichte.
    Genau wie die letzten drei Wochen war sie angefüllt mit neuen Erlebnissen.
    Ein wirklich neues, unerwartetes Ereignis war der hiesige Winter mit Nachttemperaturen von 4 Grad und 15 Grad tagsüber. Da es ja kein falsches Wetter gibt, nur falsche Kleidung, sind wir mit unseren Kaputzenjacken gut klar gekommen.
    Rene hat zwei Kanichen bekommen. Die hoppeln nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in der Küche jetzt um das Haus herum, innerhalb des eingezäunten Innenareals. KleinDSC_0030
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    Jetzt leben sie in einer arg provisorischen Kanichenhöhle.
    Kaninchenstall
    Weil unser Kleiner ein Junge ist kann er den Tieren keine Ruhe geben. Das eine hat ihn dann schlicht und einfach in den Finger gebissen.
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    Jetzt hat Rene mehr Respekt und die Kaninchen mehr Ruhe.

    Einen Tag waren wir noch einmal in Asuncion. Dort haben wir uns mit jemanden getroffen der für uns die behördlichen Angelegenheiten für das Erlangen einer Daueraufenthaltsgenehmigung und einer Cedula erledigt.
    Asuncion ist nicht Paraguay.
    Ebenso wie Warschau nicht Polen und Berlin oder München nicht Deutschland ist. Hier sieht man Geld und Armut. Sehr eng beieinander.
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    Es gibt armselige Strassenmärkte und Zigarrengeschäfte mit Humidorzimmern.
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    Da habe ich auch gleich einige Monte Christo für eine Geburtstagsnachfeier gekauft. Allgegenwärtig sind die kleinen Mopeds. Während in Europa das Autos die wirtschaftliche Schubkraft ist scheint es hier das Moped zu sein.
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    An den Bussen sieht man auch den Zustand der öffentlichen, staatlichen Systeme. Alt, verbraucht, uneffizient aber malerisch dargestellt .
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    Der private Sektor hat da schon ganz andere Mittel zur Verfügung.
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    Auf dem Rückweg haben wir uns eine Hängematte gekauft. Ein Modell, das in dieser Grösse in Deutschland wohl kaum zu bekommen oder zu bezahlen ist. Mit 40 Euro nicht gerade ein Schnäppchen, aber bei 1,50 breite und 3 Meter Länge genial gut.
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    Am Sonntag, 7. September, waren wir auf dem zweithöchsten Berg in Paraguay, mit 650 Metern dem Cerro Acati. Auf dem Weg dahin sind wir durch eine traumhaft schöne Landschaft gefahren. Wir haben Rast gemacht an einem kleinen Wasserfall in einer Sandsteinkluft.
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    Natürlich wachsen jede Menge Fruchtbäume in der Nähe. Während die Bananen erst einige Tage nach dem Pflücken reif sind kann man die Apfelsinen direkt vom Baum holen.
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    Auf dem Berg steht eine Sendeanlage. Der Wachmann dieser Anlage öffnet nach Bezahlung auch den Zaun zum Aussichts“balkon“.
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    Eine atemberaubende Aussicht.
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    Natürlich hatten die drei Jungs viel Spass bei Spielen auf der abschüssigen Wiese, und ich fast einen Herzinfarkt weil ich sie schon abgestürzt gesehen habe.
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    Mit solch einem „Galgen“ werden die schweren Zuckerrohrbündel auf die Lastwagen gehoben. Manche haben eine eigene Winde bei anderen übernimmt das ein Traktor.
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    Die Fahrt zurück haben die Jungs auf der Ladefläche des Pickup gestanden. Soviel Abenteuer muss sein.
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    Weil ein Diesel auf den Erdwegen
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    und bei ständigen Auf und Ab sowie derm Anstieg auf 650 Meter doch mehr als üblich verbraucht kamen wir mit zwei Liter Diesel im Tank an der Tankstelle an.
    Das war dann auch eine kurze Rast Wert; bei Eiscreme und Empenadas, das ist so eine Art Maultasche oder Piroge aber in Fett ausgebacken, und Wurst im Brötchen.
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    In unserem Garten haben wir die Schaukel durch einen alten Autoreifen ersetzt. Das macht eine Menge Spass, wenn man sich nicht zu ernst nimmt.
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    Am Dienstagmorgen haben wir einen Spaziergang über die Weide "unserer" Estancia, das ist eine Rinderfarm von rund 500 Hektar, gemacht. Dort stehen hauptsächlich trächtige Kühe und schon geborene Kälber. Ein Bild wie von einer Postkarte. Die weissen Bramarinder und die braunen Angus mit ihren Kälbern unter Palmen.
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    Es wächst auch sehr viel Bambus dort, ein Gefühl wie im Palmenhaus, zumal auch die Temperatur wieder bei 30 Grad ist.
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    Am Mittwochmorgen war die Ruhe dann vorbei. Die Rinder wurden zum Coral getrieben.
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    Dort wurden sie gesundheitlich geprüft, geimpft und gegen Zecken behandelt.
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    Die neuen Kälber wurden mit einer Nummern versehen und der Nabel gegen Madenbefall desinfiziert.
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    Natürlich mussten die Jungs obern auf dem Coral sitzen und fachmännisch alles beobachten.
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    Nach soviel Anstrengung ist erst einmal Tereré (http://de.wikipedia.org/wiki/Terer%C3%A9)___##0##___ angesagt. Das ist die Bombilla
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    und das Tereré -Trinkgefäss unserer Familie.
    Die Bombilla ist eine Art Trinkhalm aus Metall mit einem Sieb unten.
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    Man hat kein eigenes Trinkgefäss, man benutzt zusammen nur eines, mit einer Bombilla.
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    Dieser Tee wird mit Eiswasser getrunken. Das Tereré ist ein feststehendes, gesellschaftliches Ritual. Ein Pause, bei der alle zusammensitzen und erzählen, lachen oder auch schweigen.
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    Herzliche Grüsse an alle aus einem Land, in dem die Armen immer ärmer werden die Reichen immer reicher, wo die öffentliche Gesundheitsvorsorge und Schulen schlecht sind, wo Bildung und Gesundheit nur Menschen mit Geld offenstehen.
    Nein, nicht missverstehen, ich spreche nicht von Deutschland oder Polen;-)

    Ich bin in einem fernen, wilden, gesetzlosen, anarchischen, korrupten Land, mit liebenswerten und anständigen Menschen. In Paraguay.

    Im nächsten Bericht erzähle ich von heute morgen. Als die Polizei mich ohne Helm, ohne jedliche Papiere auf einem fremden Motorrad ohne Nummerschild angehalten hat; und wie Viola und ich unsere Führerscheine bekommen haben.

  • Transport Vehikel

    Gestern waren wir zwei Familien in Villarrica einkaufen.
    Wie schon am ersten Tag erstaunte mich die Vielzahl äusserst erfinderischer Mobile und Transportmittel. Der Paraguayer ist sehr erfinderisch und ein Talent in der Improvisation. Leider kennt er nicht die Grenze zwischen Arbeit, Improvisation und Pfusch. Aber andererseits ist das bestimmt auch noch alter europäischer Dünkel von mir ein Wort wie Pfusch zu verwenden.
    Vierrad Selbstbau 1
    Dieser Selbstbau eines Vierrades war aber doch überraschend. Der Motor war in der Mitte, der Tank darüber. Der Fahrer hatte einen Holzschemel, der Beifahrer musste sich im "Frachtraum" festhalten. Sogar eine Lampe vorn war vorhanden. Die Räder vom Profil alle unterschiedlich, aber fast gleicher Durchmesser.
    Vierrad Selbstbau 2
    Aber es fährt, laut und durch die rote Fahne nicht zu übersehen.

    Bei zerbrechlicher Ware transportiert man lieber per Hand.
    Zerbrechliche Waren

    Ah ja, Provisorum. Vor ein paar Tagen haben wir eine Brotbackmaschine gekauft. SEVERIN, mit deutscher Gebrauchsanleitung. Leider hatte ich noch keine Waage um Mehl und Zutaten abzuwiegen. Also habe ich es wie ein Paraguayer gemacht. Ein Milliliter Wasser gleich ein Gramm und los gings.
    Provisorische Waage

    Das Ergebniss war nicht schlecht, sagte Viola.
    Brotexperiment

    Das Essen hier ist für uns eine wahre Gaumenfreude. Hier steht zwar nirgends BIO drauf, ist aber trotzdem alles ohne Pestizide und Dünger gewachsen. Manch einer behauptet zwar es gebe hier viele besonders gefährliche Pestizide und Düngemittel, aber bei den Leuten, bei denen wie einkaufen hat sich das noch nicht herumgesprochen. Bei den Grosserzeugern sieht das bestimmt anders aus. Aber die meisten Produkte hier auf dem Campo, dem Land, kommen von Bauern die zu arm sind um sich Chemie leisten zu können.

    Seit einigen Tagen haben wir uns ein Motorrad geliehen. Mir macht es einen Heidenspass ohne Helm und in Sommerkleidung (sehr vorsichtig im schnellen Fahrradtempo) über die Erdwege zu fahren. Der Wind ist seit zwei Tagen wie ein Fön um die 35 Grad. Herrlich. Man muss nur sehr auf die Rinder und Pferde auf den Wegen achten.
    Viola hatte heute weitere Motorradübungen. Sie ist schon sehr gut und hat die Angst vollständig verloren.

    Heute Nachmittag waren wir zum Sportclub. Die Jungens wollten Fussballspielen. Im Auto die beiden Frauen und die drei Kinder, hinten auf der Ladefläche die zwei Hunde. Ein tolles Bild.
    Ich bin mit dem Motorrad vorweg gefahren. Sonst wäre ich in der Staubwolke hinter dem Pickup erstickt.
    Wieder zuhause angekommen war ich Rosa bis rot von der typischen Erdwegfarbe hier. Egal, nur Staub, kein Industriedreck.

  • Dritte Woche

    Am Montag, 25 August, bekamen wir einen Internetanschluss in unserem Ferienhaus.
    Hier in Paraguay steht irgendwo ein hoher Mast in der Nähe, der dann Kontakt mit dem Internet via Funkantenne herstellt.
    Internetantenne

    Am Abend haben wir noch gemütlich auf der Terrasse um ein Feuer gesessen. Es wird ja um 18:00 Dunkel und kälter, im Moment bis zu 15 Grad in der Nacht.
    Abend am Feuer
    Am Morgen kam die Sonne über die Berggipfel und beleuchtete die dampfenden Weiden und stoischen Brahmakühe.
    Am Morgen nach einer kalten Nacht

    Freiheit der Selbstverantwortung

    Dienstag waren wir in Planta Urbana für unseren neuen Hausstand einkaufen. Ich habe auch noch eine Batterielampe gekauft. Sie hat ein Ladegerät eingebaut und leuchtet automatisch wenn der Strom ausfällt. Eigentlich sehr praktisch, kostet rund 11 Euro.
    Leider habe ich nicht bemerkt das diese Lampe mit 110 Volt betrieben wird. Nach einigen Minuten am Netz hat sich das eingebaute Ladegerät mit einem hässlichen Geruch verabschiedet.
    Das ist Freiheit al la Paraguay. DU bis für alles selbst verantwortlich, auch für dich selbst. Verlass dich nicht darauf das irgend jemand für dich nachdenkt und in einer 220 Volt Zone 110 Volt Geräte verbietet. Das ist dein Problem, deine Verantwortung.

    Am Dienstagnachmittag sind wir dann umgezogen. Das Internet lief Spitzenmäßig, bis gegen 18:00 Uhr. Da war dann nichts mehr. Am Mittwoch morgen klappte es wieder hervorragend. Am Abend wieder nichts. Immer wenn es dunkel wurde war das Internet weg.
    Einfache Lösung: Der Internettechniker war ein einfacher Schrauber dem man irgendwann gezeigt hat wie er seine Arbeit zu erledigen hat. Ohne jegliches Basiswissen. Der hat in paraguayischer Manier einen Mast an der Klimaanlage befestigt und seine Stromkabel für Funkrouter und Antenne an den Stromkabeln am Dämmerungsschalter angeschlossen. Alles natürlich ganz simpel mit Klebeband umwickelt, Lüsterklemmen sind hier unbekannt.
    Jedes Mal ,wenn der Dämmerungsschalter die Lampen anschaltete, wurde dem Router der Strom abgeklemmt, er war nämlich an Minus angeschlossen.
    Dämmerungsschalter mit Internetanschluss
    Wir sind selber schuld. Wir hätten das sofort prüfen müssen, dem Monteur sagen müssen WO er Strom findet. Erwarte hier nicht das der Monteur für dich mitdenkt. DU hast ihm zu sagen was du wo, wann und wie erledigt haben willst. Das ist Freiheit, oder Anarchie, ein anderes Wort für Frei sein.
    Strom- und LaternenBaum

    Kinderspiele
    An einem Baum auf einer Wiese an unserem Haus habe ich Rene eine simple Schaukel gebaut. Natürlich habe ich erst einmal einen Belastungstest gemacht. Danach war die Schaukel für die Kinder freigegeben.
    Gewichtstest
    Wenn die Schaukel das aushält, dann auch problemlos die Kinder.

    Schaukelbaum

    Schaukel

    Autozulassung:
    Unsere Gastfamilie hilft einem anderen Deutschen bei der Erledigung einiger Angelegenheiten. Dazu gehört auch der Versuch eine Auto zuzulassen. Das Auto wurde vor 1 ½ Jahren neu in Asuncion gekauft und erst einmal auf den Namen des Autohändlers angemeldet. Dadurch bekam das Auto gleich ein Nummernschild. Dann wurde das Auto auf den Namen des Käufers eingetragen. Leider hat der Mann einen typisch deutschen Namen wie zum Beispiel Hans Werner. Also einen Vornamen als Nachnamen. Natürlich wurde das falsch eingetragen. Nachname als Vorname und umgekehrt. Paraguay eben. Weil die Papiere so nicht stimmen mussten neue beantragt werden. Dieser Teil der „unendlichen Geschichte“ wurde schon vor einem Jahr erledigt. In der letzten Woche war ich mit in Asuncion um die Papiere von einem Schreibbüro, so eine Art Notarbüro, abzuholen. Nachdem der Vorgang dort schon seit fast einem Jahr liegt hat man jetzt bei der Abholung festgestellt, das das Auto noch nicht geprüft wurde. Das bedeutet, in einer staatlichen Stelle muss die Existenz des Autos und die Richtigkeit der Fahrgestellnummer bestätigt werden. An diesem Tag war das Büro jedoch schon zu. Einige Tage später waren wir um 9:00 Uhr in Asuncion in der bewussten staatlichen Stelle zur Prüfung. Dort fanden wir eine Frau in Uniform inmitten einer verdreckten Garage vor. Die erklärte uns nach einiger Zeit, das das Kennzeichen noch nicht in die Scheiben des Wagens graviert wurden. Es gibt zwei Maschinen in Paraguay die so etwas machen können. Am 19.September kommt die Maschine in diese bewusste Stelle und dann kann graviert werden; und erst danach werden die Papiere ausgehändigt um dann in das Schreibbüro gebracht zu werden. Bürokratie in seine feinsten Form. Alles persönlich und auf Papierbasis.

    Natur
    Hundert Meter vor unserem Ferienhaus ist eine Weide mit einem Viehcoral. Im Moment sind dort trächtige Kühe und die schon neugeborene Kälber untergebracht.
    Kuhreiher am Coral vor unserem Haus
    Rene liebt das tollen auf der Wiese, das füttern der Kühe von Hand.
    Brahma Kühe füttern
    Er hat keine Angst vor den riesigen, total friedfertigen und gelassen Tieren.
    Brahma Kuh
    Diese Kühe schauen irgendwie wacher aus den großen Augen als die dumpfen Schwarz-Bunten aus Europa. Glaube ich; aber glauben heißt auch nichts wissen.

    Ende der dritten Woche:
    Ja, die dritte Woche neigt sich dem Ende zu. Am Freitag waren wir im „El Indio“ essen. Vier Erwachsene, drei Kinder. Rene war schon seit 6:00 wach weil er diesmal mit den Kindern zusammen im Schulbus in den Kindergarten gefahren ist. Am Abend war er dann müde. Er hat es geschafft seine Fanta leer zutrinken und ist dann am Tisch eingeschlafen. Wir haben ihn auf zwei Stühle gelegt und die Wirtin hat auf ihn aufgepasst. Ganz locker.

    Gestern, am Samstag 30.August, war der seit einiger Zeit geplante „Hasenabend“.
    Im Laufe des Tages hat Christoph einige Kaninchen geschlachtet. Natürlich hat Rene sofort bemerkt das da etwas Neues passiert. Ich habe verhindert das er sieht wie die Kaninchen getötet werden, aber es war nicht möglich ihn vom Schuppen fernzuhalten. Dort hingen die Karnickel an der Wand. Dort wurde ihnen das Fell über die Ohren gezogen. Die Hunde und Katzen warteten schon auf die Innereien. Rene hat sich das alles ohne ein Problem (so hoffe ich) angeschaut. Er hat einem Karnickel das Blut von der Nase gewischt und mit der Zunge probiert. „Schmeckt seltsam“ meinte er. Ohne Vorbehalt. Er hat noch keine ethischen Probleme. Es ekelt ihn auch nicht. Er hat es noch nicht gelernt sich zu ekeln. Wir machen es ihm nicht vor. Viola unterdrückt oft tapfer ihre Angst vor Spinnen und anderem Getier um Rene diese Angst nicht zu lernen.
    Am Abend haben wir zusammen mit Bekannten die Kaninchen in Soße gegessen. Vorzüglich.

    Ernst des Lebens:

    Ja, im Moment ist es noch ein Urlaub. So wie wir es geplant hatten. Urlaub, Ferienhaus, Haus mieten, Haus kaufen.
    Aber langsam hält der Alltag Einzug in unser Leben.
    Einkaufen, kochen, nach einem Miethaus suchen (bis Ende November), verstehen wie die Leute hier ticken, Spanisch lernen.
    Aber noch empfinden wir viel Glück dabei zu dritt den Kühen beim Fressen zuzusehen, oder Rene auf der Schaukel zu beobachten, die Kinder miteinander spielen zu sehen.
    Heute, am Sonntag, geht Viola mit einigen anderen Leuten zusammen Reiten. Sie wollen eine Tour durch die Berge machen. In der Zeit werde ich mit Rene ein Feuerloch ausheben und alles für ein Asado am Abend vor unserem Haus vorbereiten. Das Filet dafür haben wir schon eingekauft. Ein schöner Strang von rund 3 KG für umgerechnet 9 Euro.

    Resume dritte Woche:
    Bis jetzt haben wir nichts bereut, ganz im Gegenteil, jeder Tag bestärkt unsere Überzeugung es richtig gemacht zu haben.
    Nur wer sich bewegt bemerkt seine Ketten.
    Wir haben uns bewegt, die Ketten bemerkt und abgeworfen, auch wenn das Leben dadurch nicht einfacher geworden ist. ABER viel lebenswerter ist.

    Euer Ingo2Far

    Nachtrag:
    Gestern Abend, 31.August, war das Internet wieder besch...
    Die Steaks haben super geschmeckt, kein Wasser, keine Hormone, kein Fischmehl, einfach Wiese und Zuckerroht mit Mais.

  • Paraguay -Zweite Woche -


    Viola hat sich in das Reiten verliebt.

    Sie ist ein kleines Naturtalent. Sehr schnell hat sie alles gelernt und umgesetzt.

    Am Anfang standen die Grundbegriffe über Pferde, Reiten und Satteln und dann wurde geübt.

    Pferde auf grosser Weide Die Pferde haben riesig viel Platz hier. Zum Reiten werden sie erst einmal eingefangen. Erste AnnäherungErster VersuchDu magst mich dochEs geht zum Sattelplatz

    Vor ein paar Tagen war sie dann mit ihrer Lehrerin außerhalb des Geländes und hat einen ausgedehnten Ritt unternommen. Sie waren an unzugänglichen Stellen, vorbei an einsamen Hütten, durch Bachläufe und dichten Urwald. Total euphorisch kam sie zurück. Dem Reiten verfallen. Danach sie erst einmal eine Pause im Garten gebraucht. Siesta im Garten


    Autokauf.

    Die Infrastruktur in Paraguay verlangt Mobilität. Wer auf dem Land, dem Campo wohnt, braucht ein Auto, ein Motorrad oder wenigstens ein Fahrrad. Wir wollen zuerst ein Auto, denn wir wollen noch viel von Paraguay sehen.

    Wir waren bei einigen Autohändlern in Villarrica und haben uns gebrauchte Autos angeschaut. Nächste August bekommt unser „Favorit“ Händler einige Autos neu aus Peru herein. Dann schauen und kaufen wir eines. Es wird wahrscheinlich ein Nissan Terrano II sein. Hier heißt der Mistral. Ein Geländewagen muss es schon sein. Die Strassen hier bestehen meistens nur aus festgefahrener Erde mit Steinen.

    Die Autos hier sind entweder Neuwagen vom Händler, sehr oft aber Gebrauchtwagen aus Japan. Alles mit Lenkrad rechts! Diese Autos werden dann umgebaut auf Linkslenker. Nach dem Autokauf werden wir mit viel Glück auch schnell eine Autozulassung bekommen. Bis dahin fahren wir auf „Bakschisch“


    Viel schneller haben wir ein eigenes Prepaid Handy bekommen. Jetzt können wir die Leute hier besser erreichen.

    Am Freitag war Rene das erste Mal im Kindergarten in der deutschen Schule in Independencia. Es hat ihm Super gefallen, er wollte nicht mehr dort weg. Die Schule sieht nicht so aus wie in Deutschland. Nicht vollgesprayt, ohne Drogenhändler, ohne Süsswarenshop und nicht durchgestylt. Jede Altersgruppe ist eine Klasse, mal kleiner mal größer. Vergleichbar einer Schule um 1970. Uns hat das sehr gut gefallen.

    Reiten Ingo.

    Am Dienstag, 19 August, hatte ich meinen ersten Ritt nach langen Jahren. C. kam ins Haus „Ingo, hast du kurz Zeit?“ Und draußen stand Aron, sein Pferd, gesattelt. Schnell waren die Steigbügel eingestellt und die Eigenheiten des Pferdes erklärt. Dann bin ich auf dem Gelände herumgeritten. Aron reagiert auf leichtes Zügel ziehen links rechts und leichten Druck mit den Knien. Er reagiert auf leichtes vorne überbeugen mit Speed und auf zurücklehnen mit stehen. Sehr feinfühlig, arabermäßig.

    Einmal hat er kurz aus Verzweiflung einen leichten Krebsgang rechts – links gemacht, weil ich die Zügel nach links gezogen habe und ihn rechts mit dem Knie gedrückt. Aber es war wieder ein tolles Erlebnis auf den Pferderücken.


    Donnerstag, 21. August, waren wir in Asuncion und ich hatte Termine mit Leuten, die bei der Einwanderungsbürokratie in Paraguay helfen. Beides Damen. Beide sehr professionell mit unterschiedlichen Preisen und Geschichten. Am Freitag dann Termine mit zwei Männern im gleichen Geschäft. Diese Erlebnisse werde ich erst einmal verdauen und mich dann entscheiden. Hauptpunkt ist das Vertrauen, das Bauchgefühl also.

    Motorrad Enduroa Motorcross

    Heute am Samstag, 22. August, hatten wir Fahrstunden auf der Enduro. Erst Viola. Für sie war das total neu. Also erst Theorie. Schalten, Kuppeln, Gas geben, anlassen. Es wird wirklich ernst Ihr Mut schwindet.Letzte AnweisungNach einer Stunde dann der erste Fahrversuch allein.Violas erste MotoradfahrtGeschafft Nicht schlecht, aber sie hat noch zuviel Angst. Also Fahrversuche zu zweit. Sie vorne und C. hinter ihr auf dem Motorrad. Nach fast zwei Stunden war Viola schweißgebadet aber zufrieden.

    Danach habe ich mich wieder auf eine Kawasaki getraut. Einige Runden auf dem Feld und ich war wieder drin. Die technischen Dinge waren präsent wie immer. Der Mut in den Kurven ist noch zu gering, aber das kommt noch. Auf dem Gelände unserer Gastfamilie gibt es einen Teich, einige Hügel, viel Bergauf und Bergab und es ist eine wunderschöne Strecke grob abgesteckt.

    Einfach toll.

    Rene wollte nicht reiten, nicht auf das Pferd. Er wollte „Das Pferd mit Rädern“, also Kutsche fahren. Aber als er gesehen hat wie wir Motorrad gefahren sind, hat er C. gesagt, „Ja tesch“, = „Ich auch“. Dann hat er sich vor C. gesetzt und ist wie ein Alter auf dem Motorrad gefahren.

    Renes erste Motorradfahrt

    Was für ein Tag!

    Am Abend waren wir im „Austria“. Wir vier Erwachsene, die beiden 10 und 12 Jahre alten Kinder unserer Gastfamilie und Rene. Ein gutes, reichhaltiges Essen, sehr schmackhaft. Die Kinder hatten sehr viel Spass mit viel Blödsinn machen, wir haben getratscht, eine Eigenart der deutschsprachigen in Paraguay. Natürlich haben wir etwas getrunken, aber trotzdem hat hier niemand Angst vor einer Polizeikontrolle. Nach der Rückkehr haben wir noch lange gesessen und erzählt.

    Ein glücklicher Abend.

    Am Sonntag wollen wir eine Motorradtour machen. Geplant ist eine Strecke hoch in das Ybytyryzugebirge, zum Schweizer Wasserfall, rund 250 Meter höher als das Gelände. Der unverantwortliche Christoph glaubt ich wäre fit genug dafür. Sein Vertrauen ehrt und ängstigt mich.

    Sonntag, 24. August.

    Am Samstagabend hat jemand vergessen die Gartenberegnung abzustellen. Im Laufe der Nacht fiel Strom aus, die Tiefbrunnenpumpe naürlich auch. Am Morgen waren dann nicht nur der Strom, sondern auch das Wasser weg. Luka, 12 Jahre, ist mit dem Pick-Up zum Nachbarn gefahren und hat ein 200 Literfass Wasser geholt. Da hat es dann zumindest für Kaffee gereicht. Nach dem Frühstück war wieder Strom und kurz danach das Wasser da.

    Um halb eins sind wir dann losgefahren. Viola hinter C. auf einer Honda, Alessio, 10 Jahre , auf eine Jamaha und ich auf einer Kawasaki.

    Die Strecke war der Traum eines jeden geübten Motorcrossfahrers, aber ein Alptraum für mich. Jetzt sitze ich am PC und bin Stolz wie tausend Affen das ich es geschafft und heile überlebt habe. Nur einmal bin ich zu schnell in den Schlamm gefahren und auf die linke Seite gestürzt und dann auf dem Rückweg bergab einmal aus der Spur und nach rechts in den Bambusdschungel gefahren. Die restlichen vier Stunden ohne ein Problem.

    Es war durchweg Erdweg. Manchmal nur zwei tiefe Spuren von den Geländewagen, dann wieder mit Schlamm gefühlt, dann freigewaschene Steine von Kohlkopfgrösse, dann einmal ein Anstieg aus Sandstein mit vielen Auswaschungen. Und ich immer vorneweg geradeaus. Wenn eine Abzweigung kam sind Viola und C. an mir vorbei und haben mir den Weg gezeigt. Wir sind über Weiden und Zuckerrohrfelder, durch Bambuswald, vorsichtig durch eine Wasserbüffelherde, immer weiter bergauf. Oben, in einem kleinen Wald, haben wir Rast gemacht an einem kleinen Bach. Dort fiel der Bach dann steil rund 60 Meter in einen kleinen Teich. Dort waren wir schon einmal, aber unten.

    Hier oben sieht es aus wie in einem Palmenhaus, der Bach fließt über viele Steinstufen und bildet kleine Wasserbecken. Traumhaft schön. Von dort oben sieht man über die weite Wald bestandene Ebene. Wunderschön.

    Diesmal waren wir ohne Fotoapparat, aber wir kommen wieder. Wir planen eine weitere Motorradtour oder mit Pferden dorthin zu kommen. Dann am Abend ein Asado, viel Bier und Zuckerrohrschnaps (Bacardi kostet hier pro Liter 14 Zloty oder 5,50 Euro). Danach werden wir im Zelt dort oben übernachten.

    Aber erst einmal sind wir glücklich über diesen wunderschönen Tag.

    Viola ist sehr froh und zufrieden, und stolz auf mich. Nach so langer Zeit so eine Strecke mit nur zwei Hinfallern, das hat ihr imponiert.Nach der ersten MotorradtourSchmutzig aber glücklich

    Rene war in der Zeit mit Luka und Birgit zu Hause geblieben. Er ist heute einmal von der Schaukel gefallen, hat sich einen Dorn in den Fuss getreten und eine Schlange gesehen. Er hat eine Katze geküsst, den Papagei geärgert, mit Birgit Fotos auf den Computer geguckt, die kleinen Entenkücken gefangen, Kaninchen gefüttert und ist mit den Hunden um die Wette gelaufen. Ein Kindertraumtag.FreundschaftKinderfreuden WasserspieleKüss mich Prinz

    Heute Abend, also gleich gibt es Asado.

    Heute ist der 24.8.2008. Vor genau 12 Jahren haben Viola und ich uns kennengelernt. Das werden wir feiern. Heute werden wir zu dritt die Cohiba aus Kuba rauchen, so wie hier Terere getrunken wird. Einer nach dem anderen.

    Meine erste CohibaTerere TauschTerere wird in Gesellschaft getrunken. Die Bombillia geht von einem zum anderen.

    Nächste Woche ziehen wir um in ein eigenes kleines Haus mit einem Apartement. Montag wird der WLAN- Internetanschluss installiert. Natürlich auf unsere Kosten. Ferienhaus Vorderseite

    Dann gibt es auch regelmäßigere Berichte aus einer fremden Welt. Zusammenfassend muss ich zur Motorradtour sagen: Es war einfach gefährlich und unverantwortlich von Christoph Ritter mit einem Anfänger so eine Strecke zu fahren. Leider fehlt ihm jedes Verantwortungsgefühl für seine Gäste.

    Einem real gewordenen Traum. Die letzten Sonnenstrahlen am Abend




  • Die ersten Tage des neuen Anfangs

    Was ich vorher noch schreiben möchte:
    Peter aus Villarrica, http://stadtmusikant.blog.de/, schrieb während seines Besuchs in Deutschland: „Ach ja und Sonia? Nach ihren ersten Eindrücken fragte sie warum so viele Deutsche dieses schöne Land verlassen wollen. Wie immer liegen die Fußfallen im Kleingedruckten.“
    In Deutschland ist es das unmenschliche Grosstadtleben und die soziale Kälte Die sieht man nicht auf dem ersten Blick.
    Und in Paraguay?
    Eine malerische Hütte bedeutet auch fehlender Wohlstand, der freie Blick auf die Landschaft bedeutet auch fehlende Infrastruktur, hier stehen Hütten neben Palästen –und die Leute in der Hütte sind oft auch an einem Eigentumsausgleich interessiert-
    Aber, wer mit einer Rolex und einem Röllchen 100ter im Hemd Abends in die Kneipe am Hauptbahnhof geht darf sich auch nicht sicher schätzen.

    Wenn ich jetzt begeistert über unser vermutlich neue Heimat schreibe, dann dieses Vorwort nicht vergessen. Je heller das Spotlight, desto grösser der Schatten.
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    Die ersten Eindrücke von Asuncion sind geprägt von Hektik und wildem Verkehr, aber langsamen und vorsichtigen Fahrern. Kein Vergleich mit dem aggressiven, schnellen Fahrstil in Lodz.

    Die Fahrt bis Melgarejo, am Rande der Kolonie Independencia, dauert rund 2 ½ Stunden.
    Wir merken den Zeitunterschied. Es ist Dienstag, 20:00 Uhr in Europa, und wir sind seit rund 37 Stunden unterwegs.
    Wir sehen viel aber auch nichts.
    Um 20:00 Uhr Ortszeit, 04:00 Uhr in Lodz, gehen wir ins Bett. Erschöpft. Der Kopf hat noch nicht gelegen, da schlief der Po schon.

    Mittwoch:
    Wir erkunden das häusliche Umfeld.
    Die ersten Wochen sind wir direkt in der Einliegerwohnung im Haupthaus unserer Gastfamilie untergebracht. Das Haus steht auf dem Hang eines Hügels. Um das Haus ist ein Stück von rund 3.000 m² eingezäunt. Innerhalb dieses Zaunes ist der Swimmingpool und das Pferd, der Hühnerstall, die Enten und Kaninchen untergebracht. Hier leben die beiden Hunde und die vier Katzen.
    DAS sind Zähne
    Kaninchen
    Ausserhalb grasen die Rinder auf rund sechs Hektar. Es gibt einen kleinen Teich und das Gelände ist wunderschön strukturiert.
    Rene ist glücklich mit den zwei Hunden, den Katzen, den Hühnerküken und den Hasen in den Ställen. Er bestaunt den Papagei Jakob, nur das Pferd Aron ist ihm etwas unheimlich.

    Papagei Jakob

    Wir essen Eier frisch aus dem Hühnerstall, Gemüse aus dem Garten, Milch und Butter vom Nachbarn. Unsere Gastfamilie kochen hervorragend. Es gibt selbst gemachte Erdbeertorte.

    Erdbeertorte
    Wir akklimatisieren.
    Zwischendurch kämpfe ich ich dem Internet. Das Problem liegt ganz klar bei dem verfluchten Windows Vista auf unserem Notebook.
    Blick über die Terasse

    Wir schlafen sehr gut.
    In der Dunkelheit ab sechs Uhr Abends kommt Licht von einigen Lampen draußen am Haus, das ist hier so üblich, aber kein Vergleich mit den Strassenlampen der Stadt. Der Himmel ist dunkel mit einer Unzahl an Sternen. Die Luft ist weich, schmeckt irgendwie nach Natur. Die Stille der Nacht dröhnt in den Ohren. Man hört sich anders sprechen, der sonst übliche Grundgeräuschpegel fehlt. Man geht über die Wiese und hört die Grashalme unter den Schritten. Die Vögel, Insekten und der Wind ist deutlich zu hören. Unsere Sinne beginnen sich auf andere Verhältnisse einzustellen.
    Auf der Terrasse zu sitzen und über das Tal auf die Berge zu schauen ist Baldrian pur.
    Mein Traum, in Realität.
    Blick von der Terasse Relax
    Donnerstag.
    Das Internet leidet unter der Belastung durch die Berichterstatter zur Regierungsübergabe.
    Der Tag vergeht mit gucken und Erzählen an den riesigen Tisch im Haus oder auf der Terrasse.
    Heute wollen wir einen Spaziergang zum höchsten Wasserfall Paraguays machen. Dem Schweizer Wasserfall.

    Spaziergang zum Wasserfall Salto S uizo

    Auf dem Weg dorthin gehen wir Querfeldein. Vorbei an Rindern, die mit ihrem Buckel deutlich anders aussehen als Schwarzbunte. Wir gehen unter Palmen, vorbei an Zitronen- und Mandarinenbäumen sowie Apepou, eine Art Zitrone die wie eine Apfelsine aussieht aber stocksauer ist.
    Die beiden Jungs unserer Gastfamilie und Rene verstehen sich hervorragend. Besonders zu Alessio fühlt sich Rene hingezogen. Er trägt ihn, als der Weg zu lang wird.
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    Zwischendurch ist Pause an einem Paraguayerhaus.
    Ein sehr einfaches Haus mit einem der hier üblichen Hochbehälter für das Wasser.
    KleinWasserturm
    Wir trinken etwas. Natürlich auch Terere, ein einheimisches Teegetränk, kalt getrunken.
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    Mir wird ein Zuckerrohrschnaps in einer Plastikflasche angeboten. 45 Prozent, halber Liter, 0,80 Euro. Der Paraguayer grinst. Lieber würde ich sterben, als jetzt nicht zu trinken. Ein Schluck, es schmeckt wie Bacardi Gold. Dazu gibt es kalte Cola.
    Die Kinder spielen zusammen Volleyball,
    Kinderspiele
    Ein Junge aus dem Haus gibt Rene seinen kleinen Hund, erzählt etwas mit ihm.
    Freundschaft Europa paraguay
    Rene versucht eines der kleinen Schweine am Haus zu fangen.
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    Dann verschwinden die Jungs an einen kleinen Bach, fangen eine riesigen Kröte.
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    Danach versuchen sie einige Mandarinen vom Baum zu pflücken.
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    Ein Paradies für Kinder.

    Danach geht es weiter. Wir lassen unsere Rucksäcke mit Essen und trinken an der Hütte. Alession nimmt immer wieder Rene auf den Rücken.
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    Der Weg steigt an, wird etwas beschwerlicher. Ringsherum Urwald, dicke Lianen, Gebüsch, fremde Tierstimme, seltsame Düfte, intensiver Duft von den blühenden Zitronenbäume.
    Nach ein paar hundert Metern erreichen wir eine Lichtung mit einem kleinen See. Von oben fällt ein dünner Strom Wasser in den See, eigentlich ist es mehr eine Gischt als ein Wasserfall.
    Die Sonne fällt durch die Bäume, Schmetterlinge torkeln durch die Luft, die Kinder toben den Hang zur Höhle hinter dem Wasserfall hoch. Paraguay.
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    Unserer Gastfamilie holt uns in der Nähe des Wassefalls mit dem Auto ab. Vorn im Pickup fährt Luca den Wagen, Rene sitzt auf meinem Schoss, Alessio sitzt mit Viola hinten, die Hunde sind auf der Ladefläche. Langsam geht es über den Erdweg zurück zum Haus. Kurzer Halt um die Rucksäcke aufzuladen.

    Am Abend fallen wir alle ins Bett.

    Freitag:
    Wir fahren zum Einkaufen in das nächste Dorf „Planta Urbana“. Besuchen den Schuster, lassen eine neu gekaufte Levis (12 Euro) kürzer machen.
    Morgen Abend ist Asado geplant.
    Samstag:
    Asado vorher

    Es gibt, wie hier üblich, jede Menge Fleisch mit Maniok und Salat. Draussen wird der Grill angeheizt. Nach kurzer Zeit steigt typischer Holzgrillduft mit brutzelndem Fleischgeruch auf.
    Asado
    Jeder wartet auf die Fertigstellung.
    Katze
    Kurze Zeit später sitzen wir alle zusammen mit den Nachbarn Torsten und Martina auf der Veranda.
    Martina hat einige Pferde und wird am Sonntag die erste Reitstunde mit Viola haben. Ich kenne das Reiten von früher. Sowohl auf Schwarzen Friesen wie auch auf Arabern. Für Viola wird das alles neu sein.
    Es wird viel erzählt. Geschichten aus Paraguay, von früheren Zeiten in Deutschland, was macht der, was macht die. Tratsch eben. Gegen Mitternacht sind alle müde. Torsten und Martina fahren die 500 Meter nach Hause mit dem Motorrad
    Gegen ein Uhr Nacht sitze ich mit Christoph bei einem letzten Bier auf der Veranda, schweigend schauen wir über das vom Vollmond erhellte Tal auf die Hügel des Ybytyruzu-Gebirges.
    Abendstimmung um sechs im Winter Paraguays
    Die Luft ist noch warm, leiser Wind streicht über die Terrasse, die Rinder schnauben im Dunkel, die Frösche verursachen fremde Laute, die Hunde liegen mit gespitzten Ohren neben uns und lauschen auf die Geräusche der Nacht.
    Friede, Ruhe, Paraguay.

  • Anreise Angekommen

    Montag, 11.August 2008 um 7:00 Uhr sind wir von unserem alten zuhause gestartet.

    Rene wurde nur angezogen und in den Kindersitz gelegt. Er ist gleich wieder eingeschlafen.
    Die Fahrt nach Berlin war ruhig und schläfrig. Jeder hing so seinen Gedanken nach.
    Nach sechs Stunden war die erste Etappe unserer Reise vorbei, die ersten 600 KM der langen Reis nach Paraguay erledigt.
    In Berlin haben wir schnell unseren Abflugterminal gefunden. Das Gepäck, sechs Koffer, zwei Rucksäcke, Tasche und Fotoapparat haben wir auf zwei Trolleys verladen.
    Dann ab zum Lufthansaschalter.
    Dort trafen wir auf eine nette Frau, die uns glaubte, das die Lufthansa nur Zubringer ist und der Hauptflug nach den Gepäckregeln der TAM stattfindet. Stichwort Piece Koncept.

    „Das sieht die Lufthansa zwar anders, aber den Stress will ich ihnen jetzt nicht machen.“ Also hat sie unsere sechs Koffern (mit insgesamt 15 KG Übergewicht) eingecheckt. Aber nur bis Sao Paulo. Wir sollten doch in Frankfurt am TAM-Schalter bis Asuncion weiterbuchen.

    Okay. Im Moment erst einmal Stress aus dem Gesicht wischen. Das Gepäck ist weg.

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    Mit dem ersparten Übergewichtsgeld hat Viola sich sofort in den Duty Free Shop begeben und Übergewicht in Duft umgewandelt.

    Rene ist in Berlin in das Flugzeug, direkt am Fenster. Startvorbereitungen, die vielen Leute, die zahlreichen Maschinen, alles voller Fazination. Dann der Moment vor dem ich wegen Rene Angst hatte. Start. Der Andruck presst uns in die Sitze, Rene schreit „Whoooo“ und guckt aus dem Fenster, leichtes Fahrstuhl unwohlsein, der Boden versinkt, wir sind in der Luft.

    Ab jetzt läuft alles absolut ohne  unseren Einfluss.

     

    Nach einer Stunde sinken wir Frankfurt entgegen. Rene schläft. Beim studieren der Icons in der Sicherheitsbroschüre ist er weggedämmert.

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    Landen.

    Raus aus dem Flugzeug. Es ist 19:00 Uhr. Wir haben jetzt bis 22:30 Uhr Zeit.

    Also gleich zum TAM-Schalter.

    Nach gefühlten mehreren Kilometern durch Tunnel, über Transportbänder und über Treppen sind wir am TAM-Schalter 533.

    Dort treffen wir auf einen aufgeregte Frau, die gerade einen Disput mit einem Softwaremenschen hat. Die Frau hat zwei „Browserfenster“ mit zwei unterschiedlichen Berechtigungen geöffnet. Dadurch ist das System lamgsam.

    Aha !

    Dann wendet sie sich ihrem Kunden zu, ihrem neuen Problem, mir also.

    Kurzer Blick auf unsere Tickets von der Lufthansa. Verwundern, erkennen, erstaunen, erschrecken.

    Also, 1. Die Lufthansafrau hätte besser nicht gebucht. 2. Sie muss alles stornieren. 3. Das Gepäck ist schon bis Asuncion durchgebucht, aber wir eben nicht. Ausserdem sitzen wir nicht zusammenhängend. Aber sie macht das schon.

    Der Systemtechniker fühlt sich vernachlässigt. „Sie dürfen keine zwei Browserfenster aufmachen“.

    Ich merke das die Frau Rückendeckung braucht. „Können sie an der Lösung des Problem arbeiten OHNE eine drittes Browserfenster zu öffnen das meine Gepäck nach Peking beamt?! Er füllt sich missverstanden, lächelt aber. Sie lächelt auch. Bucht wie wild. Zerreisst unsere Lufthansatickets. Gibt uns neue. „Wie schwer war das Gepäck? „Zwischen 18-20 KG“, sage ich, bin sowieso hochrot und die Lüge kann die Farbe nicht mehr verändern.

    Gut, sie haben jetzt alles, sie sitzen direkt hinter der Businessclass, vor der Zwischenwand, da können sie die Beine ausstrecken und der Kleine sich bewegen.“

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    Nach erneuter Sicherheitskontrolle in den Abflugbereich. Die Maschine wird herangerollt, alles einsteigen, hinsetzen, wir starten in die Nacht hinein.

    Endlich. Es geht nach Südamerika. Unser Gepäck ist durchgebucht, kein Mehrgepäck bezahlt und die Tickets sind auch schon komplett bis Asuncion. Relax.

    Essen wird ausgegeben, zuvorkommender Service. TAM ist wirklich okay.

    Landung in Sao Paulo. Rene hat fast komplett 12 Stunden am Stück geschlafen. Es ist 5:00 in Sao Paulo, für ihn ist es 12:00 Uhr.

    Wir folgen den mit uns angekommenen zum Abflug nach Asuncion.

    Zwischendurch befragen uns Angestellte der TAM. Wohin? Asuncion! Aha, kommen sie mit mir. Kurze Zeit später sind wir genau richtig am Gate A4. Warten auf den Flieger.

    Die Wartehalle füllt sich. Draussen ist Flugplatz. Berlin, Frankfurt, Sao Paulo, alles gleich. Glas und Beton.

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    Das Gefühl „Wir sind in Brasilien“ ist ebenso  intensiv als wenn wir im Kino sitzen würden. Es ist nicht begreifbar.

    Um 8:05 Ortszeit öffnet das Gate und die Leute gehen in die bereitgestellten Busse.

    Ich zeige unsere Tickets und Ausweise vor, der Mann reißt sein Stückchen davon ab, schickt uns zur Tür. Der Mann dort wirft einen kurzen Blick auf den kleinen Ticketrest  in meiner Hand, stutzt, „Asuncion! Hier geht’s nach Rio de Janeiro! Er schimpft mit dem ersten Mann, spricht mit einem Sicherheitsmenschen am Nebengate B4 (es gibt noch C4 -nur wenige Meter getrennt voneinander), schickt uns hinüber zu seinem Kollegen. Der stellt uns zu der wartenden kleinen Gruppe. Eine Minute später sind wir in einem kleinen Bus und fahren zum Flugzeug.

    Wir staunen, nur diese paar Leute fliegen nach Paraguay?

    Im Flugzeug nehmen alle direkt vorn Platz, wir sitzen ganz hinten. AHA, durch den Irrtum  mit dem falschen Gate A4 sind wir in den Business-Transfer gerutscht.

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    Also ganz in Ruhe durch die Sitzreihen und hinsetzen. Kurze Zeit später kamen dann die Busse mit den restlichen 100 Leute. Chaos, aber wir sitzen.Kleink-DSC_0581

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    Pünktlich sind wir über Paraguay und in Asuncion.

    Wir sitzen ganz hinten, warten bis alle draußen sind. Dann geht hinaus durch den warmen, schwülen Durchgang zum Flughafengebäude.

    Dort geht es durch die Passkontrolle. Kurzer Blick, Stempel in den Pass, Unterschrift in den Stempel und fertig.

    Auf der anderen Seite: Ein Riesenpulk von Menschen fischt seine Koffer vom Gepäckband.

    Oh Wunder! Alle unsere sechs Koffer sind da!

    In der Zwischenzeit wurden wir schon von zwei Gepäckträgern als Kunden ausersehen. Ehe wir uns versehen sind die Koffer auf Gepäckwagen verladen und zur Zollkontrolle gefahren.

    Die Koffer kommen auf ein Band, werden durch den Durchleuchter gefahren: Und Fertig!

    Kein Öffnen, kein Gucken, NICHTS.

    Sofort sind unsere Koffer wieder auf den Gepäckwagen und rollen Richtung Ausgang.

     

    Da warten schon unsere Gastfamilie auf uns.

    Endlich angekommen.

    Koffer zum Auto, der auf fünf Personen angeschwollenen Gepäckträgertruppe 5 Dollar gegeben und abgefahren.

     

    PARAGUAUY

    Da sind wir.

    Betäubt von der Reise, Zeitgefühl total daneben, Glücklich und irgendwie müde. Wie der Nachmittag nach einer Partynacht ohne Schlaf.

    Es ist trübe bei 19 Grad. Die Luft sanft, der Tag ist noch jung bei 11:00 Uhr Ortszeit. Erster Tag Glücklich
     

    Hola, Paraguay

     

  • Lebenszeichen aus Paraguay

    Wir sind in Paraguay.
    Fahrt, Flug und Ankunft bei unserer Gastfamilie alles ohne echte Probleme.
    Wir können es noch nicht begreifen, aber wir sind da.
    Internet haben wir hier auch.
    Trotz Windows Vista.

    Jetzt kann ich in Ruhe schreiben und Fotos für den Blog vorbereiten.
    Ab Freitag dazu mehr.

    ein leicht geschaffter Ingo

  • Countdown geht auf Null


    Die Nacht ist überstanden.
    Die dunklen, grüblerischen Stunden zwischen 2:00 und 4:00 Uhr vorbei.
    Unser Countdown-Kalender ist ausgestrichen.

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    Eben war die Packprobe in unserem Transporauto für morgen, sie hat gezeigt das alles hineinpasst.

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    16:00 Uhr, noch 15 Stunden bis wir losfahren, noch 26 Stunden bis der Flieger in Berlin startet.
    Alles, was wir tuen konnten ist erledigt. Ab jetzt muss alles seinen Gang gehen. Leider wird das ab jetzt von anderen gesteuert.
    Zu meinem Leidwesen sind wir jetzt auf Check-In-Personal angewiesen, auf Zöllner und andere Personen mit grosser Macht und kleinem Mitgefühl.
    Dieses Gefühl des teilweise Ausgeliefert sein macht mir immer (noch) ein flaues Gefühl im Magen.

    Dies ist der letzte in Europa geschriebene Beitrag.
    Nach einer gewissen Klimatisierungsphase geht es dann weiter mit unserem Bericht.
    Vielleicht nicht so spannend wir bei RTL, aber mit Sicherheit authentischer.

    Drückt uns die Daumen,

    Viola, Rene und Ingo

  • Übermorgen

    Samstag, 23:52 Uhr
    Meine Lieben sind im Schlafzimmer.
    Viola schläft, Rene schaut sich ein Komikbuch an.
    Ich sitze am Notebook und versuche etwas Ruhe in meinen Kopf zu bekommen.

    Die letzten Tage waren vollgestopft mit Abschiednehmen.
    Vollgestopft mit Emotionen und dem Bewußtwerden, es geht wirklich los. Viola und Ingo werden mit Rene nach Paraguay fliegen, Ehrlich.
    So viele liebe, warme  Menschen. Hier in Polen habe ich mehr als je in Deutschland kennen- und lieben gelernt.

    Am Freitagabend der Abschied von unserer Nachbarin Aga, sie habe ich schon immer sehr gemocht, Viola ebenso.
    Samstagfrüh in der Nacht hat sie dann unseren Jeep kaufen wollen.
    Heute am Nachmittag waren die Promillezahlen auf nicht mehr messbare Werte gesunken und sie wollte IHN immer noch für ihren Freund. Um 19:30 wollten sie noch einmal genau gucken.... und haben den "Dicken" gekauft.

    Das war also der letzte Schritt, den, den wir so lange herausgezögert hatten.
    Wohnung vermietet, nicht mitbehmbares verkauft, Hund weg, Kater weg, Camping weg, Auto verkauft.
    Unser Besitzstand definiert sich aus einigen Koffern, ein bisschen Papiergeld und einigen Plastikkarten.

    Wir fahren am Montag Golf Combi nach Berlin. Morgen, Sonntag, ist Packprobe im Auto.

    Unser Puls ist jetzt die ganze Zeit erhöht, die Stimmung ist emotional unrational, wir haben ein flaues Gefühl im Magen, welches nicht durch zuviel carlifonischen Rose zu erklären ist.
    Es  geht los.
    Seit Freitag leben wir aus den gepackten Koffern, so vergessen wir nichts.
    ---------------------------------------
    Sonntag, 00:01 Uhr,

    morgen um 7:00 Uhr fahren wir nach Berlin.

    Geh ins Bett Ingo, es reicht, der Kopf ist frei,

    nicht mehr lange, und die heutige Zukunft ist erzählbare Vergangenheit.

    bis dann,

    Ingo

    @Peter. Aga hat mir aus ihrem Cuba-Urlaub einige Cohiba mit gebracht ;-)

  • Noch 4 Tage

    Am Dienstag war ich in Berlin in der Botschaft der Republik Paraguay.
    Wir haben unsere Papiere zurück.
    Komplett, mit allen was notwendig ist.

    Führungszeugniss vorne
    Ein polnisches Führungszeugnis.
    Es bestätigt, das Viola noch nie erwischt worden ist.
    Die Vorderseite mit Stempel vom "Land" Lodzkie.

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    Auf der Rückseite die berühmte Apostille plus Wertmarken (in Dollar!) der Botschaft.
    Solch einem Papier muss man doch vertrauen.


    Die Woche fing am Montag ganz relaxed an. Wir wollten unseren Camping prüfen lassen und zu Freunden auf das Grundstück fahren. Dann wollte ich mich ab 20:00 Uhr ins Bett legen, da ich um 3:00 am Dienstag nach Berlin los wollte.

    Unser Camping, seit 18 Jahren mein treuer Begleiter, stand wegen notwendigen Ausbesserungen bei einer Reparaturwerkstatt. Direkt nebenan gibt es die NASTAPOL, eine Art polnischer TÜV / DEKRA. Dort sollte er dann die abschließende technische Prüfung bekommen um ihn wieder für den Strassenverkehr zulassen zu können. Unser treues mobiles Heim wird bei Freunden in Polen bleiben.

    Alles war fertig, aber dann passte der 13 polige Standard-Anschluss des Camping nicht auf die alten 7 poligen Anschlüsse in Polen. Der Elektriker sollte das bis 18:00 Uhr erledigt haben, da wäre NASTAPOL aber schon geschlossen gewesen. Also hat der Techniker alles ausser Licht geprüft um das später, nach Feierabend, kurz zu checken.

    Um 18:00 Uhr sagte uns der Elektriker „Noch 20 Minuten“. Um 20:30 Uhr erklärte er uns „So etwas sei ihm noch nie passiert. Aber morgen bekommt er das Problem in den Griff.“

    Irgendwie erinnerte mich das an die Zeitvorstellung in Paraguay. Locker bleiben, Ingo.

    Also nach Hause. Rene war noch wach, frisch und munter. Seit langen war ich mal wieder früher im Bett als er. Das fand er ganz besonders toll und unterhielt mich mit vorlesen und Trampolinsprüngen auf unserem Bett. Gegen 23:00 Uhr ist mir der Kragen geplatzt und ich habe ihn in sein Bett geschickt. Kurz danach schlief ich ein, um einige gefühlte Minuten später, gegen 4:15 Uhr, aufzustehen. Die Fahrt durch die schlafende Stadt bis zur Autobahnauffahrt Emilia bei Zgierz dauerte nur 30 Minuten statt der normalen 1 Std. 15 Minuten.

    Die Autobahn voll mit LKW aus Litauen, Weißrussland und Russland. Die neue Autobahn ist die direkte Verbindungen von Osten über Frankfurt (Oder) Richtung Containerhäfen in Hamburg oder Holland. Eine endlose Kolonne von LKW aller Baujahre.

    Nach dreimal 11 Zloty an den Mautstationen war ich 258 KM weiter um dann auf der normalen Strasse die restlichen 150 KM zur Grenze zu schaffen.

    Um 9:10 war ich in Frankfurt (Oder). Schnell zum Bahnhof, um nach Berlin zu fahren. Der Zug braucht nur eine Stunde 22 Minuten bis zum Bahnhof Zoo. So lange brauche ich um einen Parkplatz in Berlin zu finden. Ganz zu schweigen vom Kauf der Umweltplakette für unseren „Dicken“.

    In Frankfurt wird gebaut. Schön, wenn man live erlebt was mit dem „Soli“ alles gemacht wird. Leider trifft hier kapitalistisches Geld auf sozialistische Denkweisen. Das Ergebnis ist eine katastrophale Geldvernichtung mit Kollateralschäden an den Nerven der Wessis. Zum Beispiel meinen. Nach einer halbe Stunden Irrfahrt in der Umleitung habe ich entnervt in Wild-West-Manier ein Taxi gestoppt. Der Fahrer hatte einen Auftrag, aber trotzdem Zeit mir in drei Sätzen den Weg zu erklären. Der Trick war einfach. Da, wo das Schild Linksabbiegen vorschreibt, musste ich rechts. „Irgend ein Penner hat die Mülltüte vom Schild gezogen und das Hinweisschild nach Rechts geklaut“. Ja, hier in Deutschlands Osten war die kleinen Sabotagen am „Volkseigentum“ mal Bestandteil des machtlosen Widerstands. So manch ein stiller Leser oder Leserin mag mich verstehen.

    Um 9:52 war ich auf dem Bahnsteig. Um 9:55 im Zug. 18,20 Euro für eine Tagesfahrkarte im Bereich Frankfurt (Oder) bis Potsdam. Für alle Verkehrsmittel gültig, außer Schiffe und Fähren. Da kann man nicht meckern.

    Der Zug, ein sehr modernes, bequemes und sauberes Teil mit zweistöckigen Wagons, war pünktlich im Bahnhof Zoo. Ich fühlte mich ein wenig wie nach einer langen Disconacht im Naraganset. Ein paar Minuten zu Fuss später war ich in der Botschaft, meine Nummer für die Dokumente genannt, 192,20 Euro bezahlt, und fertig!

    Rein in den nächsten Zug und zurück nach Frankfurt.

    Die Rückfahrt ab der Grenze verlief typisch langweilig im LKW Tempo. Man muss nur aufpassen auf die Leute, die glauben, sie wären schneller wenn sie in einer 400 Kilometer lange LKW-Schlange überholen. Da kommen einem dann auf der Gegenspur drei Autos nebeneinander entgegen. Na und! Man fährt scharf rechts und fertig. Hier in Polen verlässt sich niemand auf die Striche auf der Strasse. Das sind nur „Hilfslinien“ für „Wessis“, die innerhalb eines eng gestrickten Rechtsrahmen leben und sich sonst auf den polnischen Straße verirren würden.

    Wer blinkt, der will überholen, dem macht man Platz, den sieht man auf seiner eigenen Spur von vorne, der kann nicht aufhören zu überholen weil zwischen den LKW kein Platz ist, dem weicht man eben aus. So einfach geht das. Keiner hupt oder zeigt gar einen Vogel, ausser den Autos mit dem -D- im Eurokreis. Die sind, weil total unwissend, die eigentliche Gefahr.

    100 Kilometer weiter war ich fertig, ich musste einfach schlafen. Alle Parkplätze belegt. Wie in Polen so üblich, nach rechts in einen Waldweg und eingeschlafen. Sekunden später ein Klopfen am Auto. Ein Polizist stellte sich mir vor, er erklärte mir

    - das das Parken im Wald verboten ist,

    - das er einen Spielraum bis 500 Zloty hat,

    - er aber nur 100 Zloty von mir haben will.

    Nach einer kurzen Diskussion war ich hellwach und 100 Zloty ärmer.



    Mandat\"Mandat\"


    Na ja. Das Gesetz soll den Wald in der Sommerzeit schützen, Waldbrandgefahr ist das Stichwort. Bei all dem Müll den die nicht Erwischten hinterlassen haben kann ich das Verstehen.


    Am Abend um 21:30 war ich wieder zuhause. Müde und zerschlagen aber froh nun alles formelle
    erledigt zu haben.

    Am Mittwoch kommt der Camping dann auf die Datscha bei Freunden. Darüber morgen mehr.



    Bis dann


     




  • Nur noch 7 Tage

    Mein Geburtstag ist ruhig und friedlich verlaufen und leider nicht vergessen worden. Viola hat da ein gutes Gedächtnis.
    Aber ich habe einen Schaltmonat eingelegt.


    Am 30.Juli haben wir unsere ärztliche Vorsorge mit einer Gelbfieberimpfung abgeschlossen.
    Impfung
    Die Ärztin war sehr gut im Spritzen geben. Rene war sehr skeptisch und hat auch geweint , rein vorsorglich, und hat sich ein paar Minuten später dann den falschen Arm gerieben.

    Wir haben unsere Koffer ALLE gepackt und gewogen. Shock!
    Jetzt arbeiten wir an den Feinheiten. Dinge, die man immer dabei hat oder haben sollte werden ja selten gewogen oder verpackt.

    Unser Kater Saphir ist bei seiner neuen Familie!
    Neues Zuhause
    Weil unsere Freundin in einer Tierarztpraxis arbeitet, ist ihr auch das morgend- und abendliche Pippi und Kackamachen per Hand nichts neues.
    Windelparty
    In der Wohnung fühlt sich der Kater zuhause, Angst hat er ja nie gehabt. Wir hatten ihn auch mit am Strand an der Ostsee.

    Heute haben wir einen letzten Spaziergang mit Noel, unserem Flat, und seinem neuen Frauchen gemacht.
    Der letzte Spaziergang
    Für Rene war das alles fast verständlich. Noel ist nicht tot, was er während seines Urlaubs noch vermutet hat. Er wohnt jetzt nur woanders.
    Wir bemerken schon, das Rene sich fragt warum wir umgezogen sind, Saphir verschwindet, Noel weggeht.
    Seit unser Hund Niko im April 2007 gestorben ist vermutet er bei jedem Verschwinden eines Spielkameraden das er gestorben ist.

    Ein letztes Mal drücken
    Noch einmal drücken, mein schwarzer Freund.

    Unsere Mieter sind glücklich in ihrer/unserer Wohnung. Heute haben wir uns noch einmal getroffen und die letzten Dinge besprochen. Sie sind sehr nett, wie alle Philippinos die bisher kennengelernt habe. Die Verständigung auf Englisch ist zwar dialektbehaftet, aber sehr gut möglich. Das polnische ist für sie so einfach wie für uns Mandarin-Chinesisch.

    Unsere Papiere sind fertig und ich werde sie Dienstag in Berlin abholen. Sicher ist sicher. Die Post in Polen ist eine Katastrophe.
    Auf dem Rückweg wird auch geich der Jeep bei einem potentiellen Käufer vorgestellt.
    Mit Sicherheit wird es aber die letzte lange Fahrt mit dem "Dicken".
    Der Dicke
    Er ist ein elender Säufer in der Stadt (18-22 ltr/100), aber auf der Autobahn wird er erst ab 180 KM/h unmäßig. Weil sein Fahrwerk mehr für den Acker gebaut wurde ist es sowieso kein Vergnügen sehr  schnell mit ihm zufahren. Er liegt auf der Strasse wie ein nasser Schwamm. Im Vergleich mit dem Passat W8 fährt er sich wie mit fast platten Reifen.
    Aber ein Fahrkomfort wie auf Wolke 7. Man sitzt in den knautschigen urbequemen Ledersitzen, telefoniert mit der Super-Freisprechanlage, lauscht dem Anweisungen des Navi, geniesst den Sound aus der Spitzen-HiFi-Anlage und sieht die Landschaft an sich vorbeiziehen. Die Klimaanlage sorgt für die richtige Temperatur und der Tempomat achte auf die Geschwindigkeit.
    Das einzigste, was diese Langeweile stört, ist der Tankaufenthalt alle 450 Km. Da werden dann 70 Liter fällig. Die kosten in Polen auch schon 4,70 PLN, also 1,32 ? oder 2,20 $ oder 8050 Guarani pro Liter.

    Am Samstag hatten wir ein sehr nettes Treffen mit lieben Menschen in der Manufaktura. Wieder haben wir gesehen wie klein die Welt ist.
    Die Manufaktura ist eine alte Fabrikanlage, die zu einem sehr grossen Shoppingcenter umgebaut wurde. Mitten auf dem weitläufigen Innenhof hat man auf einer Fläche von 50 x 50 mtr. Sand als Spiel- und Strandfläche aufgeschüttet. Natürlich finden sich da immer ein Ball und Spielkameraden.
    Speieln

    Es ist Nacht, genau gesagt Montagmorgen 1:02 Uhr. Noch sieben Tage, dann geht der Flieger.

  • Bischof Lugo Mendez

    Der "Bischof der Armen" hielt trotz Ermahnung durch den Vatikan an seiner Kandidatur für das Amt des Präsidenten fest.
    Als er 2006 entschied, zur Präsidentschaftswahl anzutreten, bat er um Laisierung; die Verfassung Paraguays schließt Kleriker von politischen Ämtern aus.
    Der Vatikan verweigerte zunächst sein Anliegen mit Hinweis auf den irreversiblen Charakter von Priestertum und Bischofsweihe. Im Februar 2007 wurde Lugo von seinem Bischofsamt suspendiert, da er dem römischen Verbot seiner politischen Aktivität nicht nachkam.
    Nuntius Antonini betonte nun, dass der Vatikan „bis zum letzten Tag des Wahlkampfes“ versucht hatte, Lugo Mendez von der Kandidatur abzubringen. Da er nun von der Mehrheit gewählt sei, garantiere ihm der Papst den Laienstatus, um einen weiteren Konflikt zu vermeiden.
    Antonini versichert indes, dass Lugo Mendez nicht exkommuniziert ist. Er verbleibt Katholik, wenn auch nicht im priesterlichen Dienst. "

    http://www.kath.net/detail.php?id=20498

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    Hut ab vor einem Mann, der sich dem greisen "Stellvertreter" Gottes mit  "Verstand und echter Arbeit" anstatt Glauben und Hoffen widersetzt.
    Taten vor Sprüchen. Wer hätte das je von einem Kirchenvertreter geglaubt.

    In einem Land, wo solche Leute "wachsen", in dem eine Partei nach 42 Jahren einfach abgewählt werden kann OHNE  Probleme wie in Zimbabwe zu haben, in so einem Land MUSS man doch Vertrauen investieren.

  • Freiheit oder Anarchie

    Braucht man Verbote für eine bessere Gesellschaft?

    In Deutschland glaubt der Staat, insbesondere der Rot-Grüne Anteil, der Bürger ist zu unreif für die Eigenverantwortung. Deshalb wird ihm das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten. In Kalifornien ist man schon etwas weiter, dort werden auch bestimmte Sorten Fett und Fastfoodfilialen verboten.

    Warum ist man nicht konsequent und verlangt eine Wesensprüfung für Paare mit Kinderwunsch? Natürlich inklusive Test auf Cholesterin, Rauchgewohnheit und Alkoholkonsum.

    Warum darf Alkohol verkauft werden oder Autos mit einer Geschwindigkeit über 120 Km/h?

    Warum schreitet die Polizei nicht ein bei der schweren Körperverletzung im Boxring?

    Wer erlaubt das zur Schaustellen von Gewalt und Morden durch die seltsamsten Monster im Kinderfernsehen?

    Und so weiter...

    Wo endet Freiheit, das Recht auf persönliche Unvernunft? Wo beginnt für den Staat die Pflicht das Volk vor sich selbst zu schützen? Wer möchte in einem Ameisenstaat leben, wo das Gemeinwohl über dem Einzelwohl steht?

    Ich wähle die persönliche Verantwortung und Freiheit, inklusive der Freiheit auf die Nase zu fallen. Ich bin für ein bisschen Anarchie unter Beachtung der Freiheit der anderen. Allein schon deshalb freue ich mich darauf diesen Kontinent zu verlassen.

    Das Raucher-Urteil aus Karlsruhe zeugt auf der einenSeite von der Verlässlichkeit dieses Gerichts zum anderen von der Ignoranz der politischen Kaste sowie von deren Unfähigkeit handwerklich saubere Gesetze mit Bestand zu erlassen.

    Warum soll nicht jeder Kneipen- oder Restaurantbesitzer selbst bestimmen was für einen Ort er hat? NUR Raucher, NUR
    Nichtraucher oder gemischt? Der Kunde übernimmt dann die Verantwortung dafür ob er eventuell neben einem Raucher sitzt. Er hat auch das Recht draussen zu bleiben.

    Damit hat er dann schon mehr Auswahl als beim Luftholen in Industriestädten.

    ------------------------------------

    Zum Nachlesen:

    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Nach_Urteil_aus_Karlsruhe_L%E4nder_erlauben_Rauchen_in_Eckkneipen/392128.html

    http://www.europolitan.de/Kommentar_der_Woche/2008/30/Arnold-Schwarzenegger-erklaert-in-Kalifornien-Transfette-fuer-verboten/304,225,30,2008.html

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,568955,00.html


  • Oma und Opa

    Rene hat einen Opa und eine Oma. Violas Eltern.

    Meine sind tot.

    Rene liebt seine Oma und Opa. Mütter und Kinder hatten schon immer Verlangen nach Oma und Opa.

    Warum eigentlich?

    Der Versuch eine Erklärung (mit pauschalisierten Personen):

    Ich wurde sieben Jahre nach dem Kriegsende in das Licht dieser Welt gezogen und wuchs in der englischen Besatzungszone bei Hannover auf.

    Meine Mutter arbeitete als Servicekraft (Kellnerin) für die Engländer. Mein Vater arbeitete als Tischler. Er produzierte Möbel und Särge. Zum Service gehörte, das die zukünftigen Sargbenutzer auch aus dem jeweiligen Haushalt abgeholt wurden. Sein Hobby und Nebenverdienst war es, Tiere zu präparieren. Das auf unserem Ess/Wohnzimmer/Vielzwecktisch am Abend immer ein totes Tier lag, war für mich normal. Bis heute kann mich nichts beim Essen stören.

    Wir lebten in einem Bruchsteinhaus der evangelischen Kirche. Eigentlich sollte es schon längst abgerissen sein, aber nach dem Krieg waren die Bewertungsmaßstäbe für „bewohnbar“ anders. Also wohnten zwei Familien mit vier Kinder und die Eltern meines Vaters auf zwei Etagen plus Dachboden.Geschätzte 80 m² Wohnfläche.

    Meine Oma war den ganzen Tag zu hause und kümmerte sich um mich. Ohne Oma keine Arbeit für meine Mutter. Sie war recht sprachlos und kaum zu manipulieren. Kinder hatten bei ihr, 1888 geboren, einen anderen Status als sie es heute haben.

    Heute wünschte sich so manch eine Mutter sie hätte Oma und Opa in greifbarer Nähe. Die Kinder auch. Für die Mutter aus den gleichen Gründen wie immer, auch wenn sie mit den Erziehungsmethoden ihrer Eltern nicht einverstanden sind, egal, Arbeit geht vor.

    Für die Kinder? So eine Oma oder Opa erlauben Dinge die sonst verboten sind. Es werden geheime Absprachen getroffen. Bei den Jungs ist der sehr Opa beliebt. Mit ihm werden Spiele möglich, die von der Mutter als „zu gefährlich“ abgelehnt werden und für die der Papa keine Zeit hat wenn er abends erschöpft von der Arbeit kommt.

    So eine Oma und Opa haben schon ein Leben gelebt. Die Lebenshektik liegt hinter ihnen, sie verbreiten die natürlich Ruhe der Abgeklärten, der Wissenden.

    Diese Ruhe, dieses konstante Verhalten wird von Kindern gesucht. Man kann Oma und Opa IMMER in die Tasche stecken.

    Ich bin 22 Jahre älter als meine Viola.

    Ich bin Rene,s Vater und „Opa im Geiste“ zugleich.

    Immer darum bemüht berechenbar zu sein, bei gleichen Ereignissen gleich zu reagieren. Klare Grenzen zu zeigen, die natürlich bei besonderen Bemühungen seinerseits auch mal fallen müssen. Kinder brauchen diese Erfolgserlebnisse -etwas bewirkt zu haben-

    Jetzt ist Rene auf der Datscha in Torun. Läuft den ganzen Tag fast nackt, macht mit Pipi Matsch im Sandkasten, sammelt Schnecken, jagt Frösche, beobachtet die Fische im Teich und tobt sich mit den anderen Kindern aus. Das geht nur bei Opa auf der Datscha, nicht in der Stadtwohnung.

    Noch 17 Tage, dann geht sein langer Sommer bis Februar 2009 in Paraguay weiter. Schauen wir ob ich seinen Opa vollständig ersetzen kann.

    An Kindern wird es wohl kaum fehlen.

  • Viel Zeit


    Seit 10 Tagen sind meine Lieben unterwegs.

    Abschiedsreise am Geburtsort, Abschied von Oma und Opa, von Schulfreunden und Bekannten. Wer weiß ob und wann Viola diese Menschen noch einmal wiedersieht?

    Die Zeit und die Reisekosten sind zwei ernsthafte Hindernisse.


    Der kurze Trip nach Warschau und Berlin war zwar eine nette Unterbrechung aber allein sein ist schon schwer. Unser Kater fordert immer öfter seine Streicheleinheiten, die Aufregungen mit Rene und die Zuwendungen durch Viola scheinen ihm zu fehlen.


    Hier in Polen sind Ferien. Fast alle sind in Urlaub oder auf ihrer Datscha. Besonders in unserer Wohngegend wohnen obere Einkommensgruppen mit einem Häuschen im Grünen und Geld für einen Urlaub. Waren sonst einige Parkplätze frei so sind jetzt einige besetzt. Der kleine Tratsch auf der Strasse fällt also auch weg.



    Es ist also viel Zeit unsere DVD,s und CD,s auf Festplatte zu speichern. Eigentlich eine simple Sache. Eine DVD dauert rund 30 Minuten, eine CD 6 Minuten.

    Bei gut 500 DVD und eben soviel CD summiert sich das allerdings.

    Ich habe ja Zeit. Und immer wieder stoße ich auf kleine Schätze die schon lange unerkannt in der falschen Hülle schlummerten.


    Unseren PC werden wir verkaufen. Deshalb müssen alle Daten übernommen werden.

    Das neue Notebook hat natürlich (leider) WindowsVISTA. Es ist wirklich schön anzusehen, aber total vorherbestimmt von irgendwelchen Programmierschädeln aus Redmond.

    Ich HASSE das.

    Aber ich mache mir die Arbeit und lösche den Microsoft-Mist und hole mir Openoffice mit Firefox auf den Rechner. Allein die vielen Spezialprogramme, die für die Arbeit gekauft waren, neu zu installieren und mit allen Parametern zu versehen kostet viel Zeit . Natürlich immer wieder mit erneuter Sicherheitsabfrage und Registrierung.

    Aber der PC hilft mir ja bei den Problemen die ich ohne den PC garnicht erst hätte :-)

    Ansonsten sind diese modernen Notebook schon kleine Wundermaschinen. Obwohl ich schon seit 1979 hobbymäßig mit EDV zu tun habe, überrascht und fasziniert es mich immer wieder.

    Die DVD wird auf die externe Festplatte 1 gerippt, dabei hört man Musik von Festplatte 2, holt seine Post aus dem Internet und schreibt Antworten via Sprachsoftware oder surft einfach im Internet. Alles gleichzeitig!

    Wenn jetzt noch die Microsoft-Programme so effizient wären wie die Technik, dann , dann wäre alles im Lot. Aber die Leistungssteigerungen der Technik werden durch die Programme gleich wieder aufgefressen.

    1982 habe ich in Assembler programmiert. Auf einem Sinclair ZX81 mit 964 freien Byte. Das Gerät hatte eben nur 1024 Byte Hauptspeicher. 1984 habe ich mir eine 32 MB Festplatte für 1.200 DM gekauft. Das Ding war fast ein Kilo schwer und hatte bestimmt 200 Watt Heizleistung. Der PC (IBM) dazu war auf 640 KB „aufgebohrt“ und hatte eine Hercules-Grafikkarte (monochrom). Bill Gates befand damals 512 KB Speicher für vollkommen ausreichend.

    Gestern habe ich mein neues Notebook installiert. VISTA meldete mir, das es beim Einrichten 19,6 GIGAbyte Speicher verbraucht. Das entspricht ungefähr dem 1978 weltweit verfügbaren Speicherplatz.

    Nicht das ich Nostalgie für eine Lebensweise halte, oder glaube früher war alles besser,. Aber manchmal habe ich den Eindruck, das es nicht schlecht war sich seiner verfügbaren Ressourcen bewußt zu sein und behutsam damit umzugehen. Auch die Notwendigkeit etwas von den Dingen zu verstehen die man machen möchte scheint durch die Standards oder Voreinstellungen verloren gegangen zu sein. Unkritisch wird einfach zu viel übernommen. Viele Menschen heute scheinen sich heute auch der Endlichkeit der Ressourcen nicht bewußt zu sein. Es ist mir unverständlich wie bei steigenden Energiepreisen nur über die Bewältigung der Kosten diskutiert wird (Entlastung der Bürger) aber nicht über die Beseitigung des Grundübels, über die Knappheit der Ressourcen.

    Wir Menschen sind immer noch Neanderthaler im Geiste. Wir benutzen Wissennetzwerke ohne selbst vernetztes Denken zu beherrschen.


    Mir fällt dazu das Seerosenproblem ein:

    Pro Woche verdoppelt sich die Blattfläche einer Seerose auf einem Teich.

    Nach einigen Wochen ist der Teich zur Hälfte bedeckt.

    Wie lange dauert es bis zum vollständigen Verdecken der Wasseroberfläche?


    Wir werden einen oder zwei Schritte in die Vergangenheit unternehmen und auf die in Europa erreichte Zivilisation verzichten. In der Seerosenpopulation also ein, zwei Wochen zurückgehen, und damit mehr Zukunft für unseren Sprössling zu erhalten.

    Ich weiß, wir leben alle im gleichen Teich, es ist halt nur eine Parabel.


    Manchmal scheint weniger mehr zu sein. Statt Mövenpick am Europahaus Tereré auf der Terrasse.


    Auf diesem Wege einen Gruß an meine fleißige Leserin Kasia,

    meine Gesprächspartnerin auf Deutsch.

    Sie ist eine der wenigen Menschen die ich in Europa vermissen werde.


    Ingo


    Ach, die Seerosen.

    Eine Woche dauert es noch. Die letzte Woche!


  • Sicherheit und Wohlfühlen

    Immer wieder liest man über Verbrechen.

    Von U-Bahn Schlägern, Steine-von-Brücken Werfern, agressiv-asoziales Verhalten in Fussgängerzonen und öffentlichen Bereichen, Morde im Zusammenhang mit Raub oder "Ehrenmord" wegen "beschmutzer Ehre" bei unseren türkischen Mitmenschen. Es werden No-Go-Areas ausgewiesen (Geh nicht dorthin-du bekommst Probleme).

    In den Grosstädten ist Agression schon Alltag geworden. Und das nicht nur von den Ausgegrenzten!

    Auch aus Paraguay ist einiges zu lesen.

    Das ist dann aber so wie mit dem Schnee auf den Weinbergen der Mosel. Alle 20 Jahre schneit es dort mal und diese Seltenheit, nicht die Normalität, wird dann in Bildbänden dokumentiert. Der Anteil der seltenen Schneebilder liegt dann aber bei über 50%. Die Aussage für den Betrachter : Es schneit ständig an der Mosel.

    Ich möchte nichts verharmlosen, aber spektakuläre Gewalttaten werden selektiv anders wahrgenommen und erzeugen Unsicherheit und Angst. dabei ist es die alltägliche Angst und Unsicherheit die ein Wohlfühlen verhindern!

    Am Donnerstagabend und Freitag war ich in Berlin.

    Deutsche Hauptstadt, türkisch-russische-kroatische-albanische Bevölkerung mit deutschen Einwohnerminderheiten, allesamt von Japanern auf Sightseeing fotografiert. Multikulti eben.

    Ich war auf dem Kurfürstendamm, im Bereich Tiergarten, im Europacenter und im Bereich der Friedenskirche.

    Irre Mengen an Menschen, hauptsächlich junge Leute bis 30. Sehr viele Rucksacktouristen (Bagpacker). Ab cirka 19:00 Uhr hatten viele schon den Alkohollevel erreicht, der den zivilisatorischen Anstrich abwäscht und aus einem Menschen einen Affen asozialen Menschen macht.

    Wenn ich Nachts um 02.00 auf der Fussgängerzone in Lodz gehe kommen mir auch viele Gruppen alkoholisierter junge Leute entgegen. Da gehe ich dann einen Schritt zur Seite, oder bleibe stehen, und fertig.
    In Berlin geht das nicht. Da wechselst du entweder die Strassenseite oder bekommst von diesen Typen auf die Fresse! Oder wage es nur zu gucken, dann fühlen sich diese Aufgeputschten sofort angegriffen.
    Die gefühlte Bedrohung habe ich noch nirgends so krass erlebt wie in diesen paar Stunden an den "Brennpunkten" Berlins.

    Ach Deutschland!

    Der Trubel, die Menschen, die Hektik, der Kommerz, das unpersönliche, diese ständigen Schreckensmeldungen.

    Jede Schlagzeile frisst sich in mein Hirn und erzeugt die passenden Bilder. Der ständige überdreht lustige euphorische Moderator im Radio, der soviel Plattheiten verbreitet das es einem graust, alles dringt sofort über Auge und Ohren ein. Man ist schutzlos. Vielleicht haben deshalb so viele Leute MP3-Ohrenstöpsel und ihren Blick starr auf ihr Handy gerichtet?


    Wie glücklich bin ich da doch in der Fremde.

    Hier muss ich bewusst Lesen und Hören, weil es nicht meine Sprache ist. Hier kann ich mich schützen vor dem Dreck, der da verbreitet wird. Die Sprache bildet meinen Filter. Sie verhindert mein Abstumpfen durch zu oft gelesen, zu oft gehört.

    Dieser Besuch in Berlin hat mir einmal mehr gezeigt das ich nicht mehr leben kann in diesen Städten.

    Aber wohl auch in den kleinenStädten nicht.

    In den kleinen Städten gibt es zwar nur kleine Kriminaliät, gemordet wird hier nur mit Worten aber genauso effektiv und es gibt viele "ehrenwerte Häuser".

    Noch 21 Tage

    Ingo

    -------------------------------------

    Ein ehrenwertes Haus

    Musik: Udo Jürgens

    Text: Michael Kunze

    Jahr: 1974

    http://www.udojuergens.de/cd/songtext/ehrenwerteshaus.htm


    In diesem Mietshaus wohnen wir seit einem Jahr und sind hier wohlbekannt.
    Doch stell dir vor, was ich soeben unter uns'rer Haustür fand:
    es ist ein Brief von unsern Nachbarn, darin steht, wir müssen raus!
    Sie meinen du und ich wir passen nicht, IN DIESES EHRENWERTE HAUS.

    Weil wir als Paar zusammen leben und noch immer ohne Trauschein sind.
    Hat man sich gestern hier getroffen und dann hat man abgestimmt.
    Und die Gemeinschaft aller Mieter schreibt uns nun: "Zieh'n Sie hier aus!"
    Denn eine wilde Ehe, das paßt nicht IN DIESES EHRENWERTE HAUS.

    Es haben alle unterschrieben; schau' dir mal die lange Liste an:
    die Frau non nebenan, die ihre Lügen nie für sich behalten kann,
    und die vom Erdgeschoß, täglich spioniert sie jeden aus,
    auch dieser Kerl, der seine Tochter schlägt, SPRICHT FÜR DIES' EHRENWERTE HAUS.

    Und dann die Dicke, die den Hund verwöhnt, jedoch ihr eig'nes Kind vergißt,
    der Alte, der uns stets erklärt, was hier im Haus verboten ist,
    und der vom ersten Stock, er schaut die ganze Zeit zum Fenster raus,
    und er zeigt jeden an, der mal falsch parkt, VOR DIESEM EHRENWERTEN HAUS.

    Der graue Don Juan, der starrt dich jedesmal im Aufzug schamlos an,
    die Witwe, die verhindert hat, daß hier ein Schwarzer einzieh'n kann,
    auch die von oben, wenn der Gasmann kommt, zieht sie den Schlafrock aus;
    sie alle schämen sich für uns, DENN DIES IST JA EIN EHRENWERTES HAUS.

    Wenn du mich fragst, diese Heuchelei halt' ich nicht länger aus.
    Wir packen uns're sieben Sachen und zieh'n fort AUS DIESEM EHRENWERTEN HAUS.



  • Apostille

    Mittwoch:
    Alle Papiere für die Einwanderung sind beisammen.
    Weil die Post in Polen im Moment streikt -wenn etwas überhaupt ankommt, dann dauert es Wochen- ist ein Kurier bestellt.
    Vorher nur noch ein letzter kurzer Anruf in der Botschaft Paraguays in Berlin und dann weggeschickt.

    "Sind die in Polen ausgestellten Dokumente mit einer Apostille des Aussenministeriums versehen?"

    Das war,s dann mit "Dokumente wegschicken". Das hätte man mir auch schon früher sagen können.

    SMS an meine Familie, die an einem See bei Torun in einem Funkloch Urlaub macht -zusammen mit unserem Auto aber ohne unsere Tiere-.

    Schnell im Internet die Adresse vom Aussenministerium rausgesucht, die Bestimmungen Online gelesen (auf Deutsch !) und das erforderliche Geld überwiesen. Viola bekommt per SMS die Rufnummer und erfährt dann, das das ganze bei viel Glück an einem Arbeitstag erledigt werden kann.

    Ich habe den verwegenen Plan jetzt alles sofort und selbst in die Hand zu nehmen.

    Am Abend um 21:00 Uhr die 10 KM mit Taxi in die Innenstadt zu einer Bekannten um Hund und Katze für Donnerstag-Freitag in Pflege zu geben.

    Donnerstag:

    Um 6:30 mit Taxi zum Bahnhof. Dann die 160 KM nach Warschau zum Aussenministerium. Dort stehe ich dann kurz vor 9:00 Uhr an dem extra eingerichteten Eingang "Legalisation".

    Direkt vor dieser Tür findet gerade eine kleine Demostration oder so statt, denke ich. Weit gefehlt, alle wollen das gleiche. Die Tür öffnet sich und wie auf der Flucht verkeilen sich die Menschen in der Tür. Da mir mein Leben wichtiger ist als die Papiere warte ich ein noch Weilchen bis alle durch sind.

    Drinnen der typische polnische BürokratenStyle. Schlecht fotokopierte Anträge auf zu kleinen Tischen mit zuwenigen Stühlen und einem nicht schreibenden Kugelschreiber an einer zu kurzen Schnur.

    Alles schreibt im Sitzen und Stehen.

    Keiner steht vor den Türen an denen "Legalisation" steht. Also nehme ich mir zwei leere Anträge, viel Mut, klopfe und trete ein. Ich spreche zwar polnisch, aber mit dem Wortschatz eines 4 Jährigen und der Aussprache eines Menschen der gerade die Narkose seines Zahnarztes verarbeitet.

    Eine sehr nette Frau um die 40 hört mich geduldig an.

    "Ich bin Ingo und für meine Frau hier. Wir müssen weg nach Paraguay und wollen haben Apostille für Kundschafter in Berlin."

    Die polnischen Menschen wissen um ihre schwierige Sprache und honorieren jeden noch so jämmerlichen Sprachversuch. Dazu kommt, das der deutsche Akzent sich für polnische Ohren so niedlich anhört wie der französische Akzent für deutsche Ohren.

    Sie sagt mir, das mein Geld noch nicht angekommen sei, aber ich bin ja ein Deutscher und das garantiert für eine gewisse Ehrlichkeit -sie hat noch nie ein Forum über Paraguay besucht - ausserdem habe ich einen Bildschirmausdruck vom Online-Banking dabei.

    Dann nahm sie meinen Antrag, füllte ihn aus, sagt "Na hotsch" -wartet auf meine Reaktion- fasst mich dann an die Hand und verließ mit mir ihr Büro,

    - ging mit mir durch die Menschenmassen in das nächste Büro,

    - Antrag abgeben und dafür eine Nummer entgegennehmen,

    - im zweiten Büro nennt mein Engel diese Nummer und bekommt zwei Zettelchen 10x10 cm, die an meine Dokumente geklammert werden, dieser Vorgang wird in einem Buch protokolliert,

    - dann gehen wir in ein drittes Büro. Dort wird kurzerhand eine Unterschrift auf das Zettelchen gemacht und mit zwei grossen Stempeln bestätigt. Die Apostillen sind fertig

    Und fertig !

    Nach 30 Minuten war ich wieder draussen. Puls 220, erhöhte Temperatur, aber fertig.

    Weil ich auf einmal jede Menge Zeit habe, erkunde ich die Umgebung des Hauptbahnhofes in Warschau. Aber das wird das Thema des nächsten Blogs ebenso wie auch meine Eindrücke aus Berlin.

    Drei Stunden später bin ich im Zug auf dem Weg nach Berlin.

    In Berlin angekommen erweist sich die Hotelsuche als etwas schwierig aber nicht erfolglos. In der Nähe des Bahnhof Zoo komme ich unter, nicht weit von der Hardenbergstrasse und damit der Botschaft unserer Träume entfernt.

    Freitag:

    Pünktlich um 9:30 Uhr stehe ich vor der Tür der Botschaft der Republik Paraguay und klingel. Eine nette Stimme sagt etwas auf spanisch. Wird wohl so etwas wie "kommen sie rein" gewesen sein.

    Die Botschaft ist im zweiten Stock eines älteren Geschäftshauses untergebracht.

    Ein netter, adretter junger Mann hört sich meine kleine Geschichte an und sieht sich meine Dokumente durch. Alles komplett, alles genügend Beglaubigt, Legalisiert und mit Apostillen versehen. "Das dauert eine Woche. Sie können das bei der Abholung bezahlen."

    Und fertig !

    Nach 30 Minuten war ich wieder draussen. Wieder Puls 220, wieder erhöhte Temperatur, aber alles erledigt.

    Schnell zum Bahnhof und eine Fahrkarte nach Lodz via Warschau kaufen.

    Der Berlin-Warschau-Express fährt ohne Umsteigen 6 1/2 Stunden, ist reservierungspflichtig und ausgebucht.

    "Heute ist Freitag, seit Mittwoch sind Ferien und alle Polen fahren nach Hause. Aber es gibt als Alternative noch ein Regionalzug, um 11:00 Uhr, viermal umsteigen und dann um 02:00 in Lodz"

                                                     

    Samstag:

    Um 6:29 Uhr sitze ich im Berlin-Warschau-Express. Müde aber glücklich.

    Der Zug ist voll mit polnischen Menschen die in Deutschland wohnen und jetzt zum Urlaub mehrere Tage auf ihre Datschas fahren um dort zu relaxen oder ihr Häuschen weiterzubauen.

    Sprache ist alles. Polnisch, Deutsch und ein wenig "Penglisch-Denglisch""

    Ich werde durchgefüttert mit Butterbroten aus überdimensionalen Tupperdosen und "verdünntem" Apfelsaft. Echter Zubrovka-Wodka aus dem polnischen Speisewagen. Heimat für die Heimkehrenden.

    Im Zug von Warschau nach Lodz stellt sich heraus, das die Dame im Bahnhof Zoo mir eine falsche Fahrkarte ausgedruckt hat. Statt Warschau-Lodz habe Warschau-Kutno. Durch Kutno war ich schon Drei Stunden vorher auf dem Weg nach Warschau gefahren.

    Der Schaffner sieht das gelassen. Ich habe ja ein Billet ungefähr im gleichen Preis wie das richtige. "Nje ma Problema".

    Samstagabend.

    Ich bin wieder in unserem Zwischendurch-zuhause.

    Allein.

    Nach den Aufregungen der letzten Tagen ist das jetzt zuviel Ruhe. Also fahre ich in die Innenstadt auf die längste Einkaufstrasse Europas. Die drei Kilometer lange Piotrowska.

    Nach 500 metern suche ich ein Taxi und fahr nach Hause.

    Auch die Piotrowska wird mir nicht fehlen.


  • Diesel

    Seit ich mich für Pflanzenöl aus der Jatrophapflanze als Dieselersatz interessiere, erlebe ich eine enorme Zunahme an Informationen über Jatropha aus allen Ecken der Welt. Leider sind das nur abgeänderte Berichte auf Basis einiger weniger Quellen. Das echte Wissen bleibt auf dem gleichen Stand.

    Vor kurzem las ich von einer Stiftung in Paraguay, die in den nächsten Jahren mit 10.000 Bauern auf 100.000 Hektar Land Jatropha anbauen wollen um Biodiesel zu produzieren. Rein rechnerisch ist das Blödsinn (man braucht eine Person pro Hektar), aber man scheint sich zu kümmern.

    Das ist auch wichtig, denn das musste ich jetzt aus Paraguay lesen:
    (Aus http://independencia-py.blog.de)

    Diesel-Knappheit führt zu Chaos.
    - Die von Petropar erneut versprochene Diesellieferung ist nicht eingetroffen. Damit verschärft sich die Situation im Transport-Bereich zusehends. Wie es hiess, befänden sich noch kaum mehr als die Hälfte aller Busse im Einsatz. Für Angestellte im Großraum Asuncion gestaltet sich die tägliche Fahrt zur Arbeitsstelle und eine rechtzeitige Ankunft dadurch immer schwieriger. Auch der Produktionssektor ist durch den fehlenden Dieselvorrat stark in Mitleidenschaft gezogen und deshalb praktisch lahmgelegt. Die meisten Tankstellen verfügen momentan über gar-keinen oder nur unzureichen Diesel. Grund für die Schwierigkeiten in der Dieselversorgung ist die finanzielle Situation Petropars, deren Schulden sich bereits auf mehr als 350 Millionen US Dollar belaufen. "

    Wer ist diese Petrobar ??

    Die Petrobar ist die staatliche Erdölraffinerie von Paraguay.
    Aber nicht das sie glauben die Petrobar hätte eine Raffinerie oder es würde irgendetwas in Paraguay raffiniert! Das ist nur der Name für eine Importagentur. Die Petropar kauft u.a. Diesel in Brasilien und importiert ihn. Und bezahlt ihn nicht rechtzeitig.

    Wenn ich von einem relativ unabhängigen, selbstversorgten Dasein in Paraguay träume, dann taucht auch immer meine Jatrophaplantage auf. Mit aufgeforsteten Bauminseln drin, Obst- und Gemüseecken sowie der solarstrombetriebene Tiefbrunnen für kristallklares Wasser.

    Und in einigen Jahren werde ich die Katastrophenmeldung über fehlenden Diesel und Benzin an deutschen Tankstellen lesen. Nicht weil nicht bezahlt wurde, sondern weil zuwenig da ist.

    Mailen sie mir, ich schicke ihnen dann ein Fläschen Brechnussöl (Jatropha => Purgiernuss => Brechnuss), das können sie dann entweder in den Tank ihres Autos oder in den Politiker ihres Vertrauens giessen.

    lg Ingo

  • panta rhei


    "Alles fließt."

    soll der griechische Philosoph Heraklit gesagt haben.

     

    Er wird zitiert mit „Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen.

    Das meint, der Fluss ist nur das Wasser im Flussbett. Dieses Wasser ist immer anders. Jeder, der sich im Wasser befindet ändert das Wasser durch seine Anwesenheit. Wenn man den Fluss verläßt und wieder hineinsteigt, so ist das ein anderes Wasser, ein anderer Fluss; das bekannte Wasser ist schon längst weitergeflossen und hat sich entfernt vom gewohnten.

    Wir waren auch im Fluss. Jetzt schwimmen wir an das Ufer um einen anderen Fluss aufzusuchen. Einen Fluss der eine andere Richtung nimmt, etwas langsamer fließt und eine andere Temperatur hat.

    Im Moment ändern wir alles um uns herum durch eine veränderten Lebensanschauung, einen anderen Lebensstil.

    Wir sehen unsere Umgebung anders, wir verhalten uns anders, unsere Umgebung nimmt uns anders wahr.

    Das Zusammensein mit Bekannten und Bekanntschaften erfährt eine glückliche Wendung zum intensiveren mit einander umgehen. Es ist ja vielleicht immer das letzte Mal das man sich trifft.

    Haben wir vor einiger Zeit noch Ende August, dann Mitte August als Flugtag geplant so ist jetzt der 11.8.2008 fest gebucht.

    Heute sind es noch genau 33 Tage bis zum Einchecken.

    Unsere Bekannten nehmen uns erst jetzt richtig ernst. Südamerika wird wahr. Der verbleibende Zeitraum wird überschaubar, konkret.

    Viola und Rene sind für ein paar Tage zu Verwandten in die Nähe von Plock auf,s Land gefahren. Polnische Provinz. Hier werden die Foto,s von den Kühen auf der Strasse und den Pferdefuhrwerken gemacht. Der polnische Standardwagen alter Zeiten, der FIAT 500, ist hier noch häufiger zu sehen als der VW Passat. Die Strassen bestehen aus Asfaltbrocken mit Schotterlöchern oder noch aus Kopfsteinpflaster und festgefahrener Piste in den Wäldern.

    Die letzten Tage waren und sind sehr aufregend.

    Die Impfungen -deutscher Impfkalender- für Rene wurden vorgezogen, Vorsorgeuntersuchungen bei Zahnarzt und anderen Ärzten erledigt und eine Gelbfieberimpfung beantragt. 

    Rene hatte am 30.ten Juni seinen letzten Tag im Kindergarten. Ein sehr schöner Ausklang mit einer kleinen Abschiedsvorstellung. In Polen heißt der Kindergarten Vorschule, die Kindergärtnerinnen sind echte Lehrer und er gibt Schulferien von 30.6- bis Ende August wie in der normalen Schule.

    Der Rest unserer Habe wurde bei Allegro (polnisches EBAY) versteigert und es wurden die letzten Papiere besorgt. Unsere "Hinterbliebenden" wurden mit Vollmachten für Wohnung, Steuer und hasteNichGesehen versorgt.

    Wer glaubt, die deutsche Bürokratie wäre erdrückend und zu detailliert, dem rate ich einmal die polnische zu erleben. Es ist richtig, das die deutsche Bürokratie alles bis ins kleinste regelt; ABER, es wird geregelt, schnell, verlässlich und -deshalb?- teuer.

    Hier muss man sich einen Vordruck bei der Behörde holen, mehrfach ausfüllen, mit allen möglichen Unterlagen beweisen, den Vorname von Mama und Papa nennen, sich eine Wertmarke -in Bar- besorgen, den Antrag persönlich abgeben und irgendwann wird er dann persönlich wieder abgeholt. Vergessen sie die Postzustellung. Vergessen sie den Überweisungsauftrag, der sich jeden Monat automatisch wiederholt, vergessen sie Einzugsermächtigungen oder gar die Möglichkeit etwas telefonisch zu erledigen.

    In unserer Übergangswohnung wollten wir einen Internetanschluss.

    Den beantragt man hier in Lodz unter anderem bei der privaten Gesellschaft TOYA. Dort geht das über den TV-Kabelanschluss und ist einfacher und schneller als bei der staatlichen Telekommunikatia Polska via Telefonleitung.

    Trotzdem:

    Der Besitzer der Wohnung muss mit den notariellen Akt über den Wohnungskauf -als Nachweis für den Besitz- persönlich zur Geschäftstelle der TOYA gehen. Oder wir gehen selbst mit einer notariell beglaubigten Kopie dieses notariellen Aktes plus notariell beglaubigter Vollmacht vom Wohnungsbesitzer. Mit dem Tag der Unterschrift beginnt die Zahlungsverpflichtung.

    Dann wird ein Termin mit einem Installateur für die  Anschlussdose ausgemacht. Es ist gerade Urlaubszeit und mehr Kunden als Monteure im Urlaub, deshalb kam der Mann innerhalb von 5 Tagen. Danach kommt dann ein zweiter Mann -der Operateur- und schließt das Modem an die Leitung an. Die Besitzerin unserer Übergangswohnung wird den Anschluss behalten, den das kündigen läuft ähnlich kompliziert.

    Das Beantragen eines Telefonanschlusses läuft genauso, plus zwei Päckchen Jakobs Krönung für eine schöne Nummer. Und danach die gleiche Prozedur für den Internetanschluss. Ach ja, und ohne Gehaltsnachweis -letzte 3 Monate- können sie den Telefonanschluss sowieso vergessen.

    Aber das sehen wir als Training für die Bürokratie in Paraguay.

    "panta rhei",

    und wir bewegen uns mit fort.

    Ingo

  • Metamophose

    gruene-metamorphose

     

     

    Metamophose

    => Umgestaltung, Verwandlung, Umwandlung

    Metabolie

    => Veränderung

    Ich bin Vertreter zweier Theorien die nicht immer Anklang bei meiner Frau finden.
    Ganz simpel gesagt ist das die Neanderthalertheorie und die Theorie über die unterschiedlichen Abschnitte eines Menschenlebens.

    Bitte halten sie mich nicht für einen Plagiator. Ich hab es sicher irgendwo gelesen oder gehört und es mir zu eigen gemacht ohne mich an den Ursprung zu erinnern. So gesehn sind es nicht meine Theorien.

    Die Neanderthalertheorie besagt, die Männer waren auf Jagd und die Frauen warteten zuhause in der Höhle mit dem Nachwuchs. Wenn die Männer von der Jagd nach Hause kamen sorgten die Frauen für Essen und Frieden in der Höhle. Wenn sich ein Mann verlief, nicht wieder nach Hause fand,  war er verloren, wenn die Frauen in der testestorongeschwängerten Höhle kein Frieden stiften konnten waren alle verloren.
    Seitdem können sich Männer besser orientieren, werden an den Beinen nicht fett und sehen auf Distanz so ziemlich alles.
    Die Frauen entwickelten sich zu wahren Kommunikations- und Beschwichtigungswundern, sammeln alles Fett nur durch hingucken an Stellen, an denen sie lieber schlank sein würden.

    Ach ja, deshalb findet ein Mann im Kühlschrank (zu kurze Distanz) die Milch nicht und die Frau bemerkt das Label an der Handtasche der Frau direkt an der Ampel neben ihr aber nicht die Baustelle 25 Meter weiter.

    Meiner zweiten Theorie zufolge hat unser Leben Abschnitte des kindlichen Lernens, des zornigen Infragestellens, des intensivens Lernens für die Zukunft, des Gründen einer Familie, das Verlassenwerden durch die Kinder, der Neuorientierung eines Partners, der Beginn eines anderen Lebens, das Leben für sich und seinen Partner, das Wissen um das Wichtige im Leben und die Akzeptanz seiner Endlichkeit.

    Und schon sind wir bei der Metamophose oder der Metabolie.

    So sehr ich damals meinen Opa dafür gehasst habe aus mir einen Schlosser und Schmied machen zu wollen (er war Maurer und mein Vater Tischler),

    so sehr ich mein Land (bzw. die NATO und deren AMF) dafür verflucht habe mich 1974 zum Töten nach Südafrika zum geschickt zu haben,

    so oft ich geweint habe dafür, das ich als Arbeitsvermittler einen Menschen mit der Zumutbarkeitsanordnung zu etwas zwingen musste,

    so sehr ich auch am zivilisierten Menschen gezweifelt habe, wenn vor mir, dem Einzelentscheider im Bundesamt für die anerkennung ausländischer Flüchtlinge (Bafl), Menschen ihre Leidensgeschichten erzählten in der Hoffnung von mir als Asylant anerkannt zu werden,

    so weiß ich heute, daß es Stadien meiner persönlichen Metamophose waren.

    Jetzt ist unsere kleine Familie dabei die Vergangenheit(en) abzustreifen und ein neues Leben zu beginnen.

    Am Freitag schliefen wir das erste Mal in der neuen Wohnung,
    Blick-aus-dem-Fenster-1

    (Blick aus dem Wohnzimmerfenster)

    am Sonntag, 22.Juni, haben wir unser Heim an unsere Mieter übergeben.

    Bis dahin haben wir rigoros alles, was wir nicht mitnehmen wollen, versteigert, verschenkt und weggeschmissen. Wieder einmal wurden Tagebücher gesichtet, randvoll mit der Seelenqual vergangener Zeiten, gefüllt mit Hoffnungen, damals geschrieben mit dem Enthusiamus eines Blinden der die Farbe Rot beschreibt. Unwissend halt, zu der Zeit.

    In der jetzigen Wohnung findet unser Zwischenstadium der Metamophose statt. Noch sind wir hier und doch schon woanders. Wir hängen noch am Baum Europas, der Hinterleib noch in der Verpuppung, die Flügel schon draußen, aber noch nicht flugfähig.

    Noch ein bisschen warten, noch etwas erholen von der Arbeit der Veränderung, der Aufgabe des Gewohnten. Dann werden die Flügel fest und es geht in die Welt. Für mich ist das die letzte Phase, für Viola die vorletzte und für unseren Rene eine andere Station des kindlichen Lernens.

    Wir werden eine Woche früher fliegen. Papiere mit kurzer Gültigkeit werden jetzt beantragt, die letzten Verkäufe gestartet.

    Es werden Informationen gesammelt. Welche Bäume, Pflanzen können wir in Paraguay anbauen, wie werde ich perfekter, gemäßigter Selbstversorger, welche Technologie für Wasser- und Energieversorgung werden wir verwenden und bekommen wir sie dort?

    Es werden Informationen beiläufig wahrgenommen. Die momentane Krise in Argentinien, der Euro-Verfall, die Ideen der neuen Regierung, die Auswirkungen der Globalisierung und ihrer Handlanger, die unersättlichen Soja, Zucker- und Mais-Barone. Die Schere zwischen Arm und Reich, und die Probleme daraus.

    Rene hat noch eine Woche im Kindergarten, dann schließt der während der Sommerferien bis Ende August. Wir haben schon viele Pläne für die Zeit bis Mitte August. Abschiedsbesuche bei Verwandten und Bekannten, Schwimmen im See und im Bad, Zoo, das Waldgebiet bei Zgierz, Palmengarten, Spielplätze, Spielsaalbesuch (eine große Halle mit allen denkbaren Spielmöglichkeiten).

    Diese letzte Zeit in Polen wird eine kurzweilige Zeit, ehe wir uns versehen haben wir unseren Hund und Kater bei ihren neuen Herrchen abgegeben und wir sind auf dem Weg zum Flugplatz.

     

     

  • Last Visit

    Der Start war schwer.
    Rene entwickelte am Dienstagnachmittag aus dem Nichts 39.5 Grad Fieber. Schwierige Nacht voller Elternsorgen. Am Mittwochmittag, ich wollte schon längst weg sein, kam dann der Kinderarzt. Ja, kam ins Haus. Hier gibt es das noch. Kostet 100 Zloty oder 28 Euro.
    "Irgendein Virus. Sonst ist er fit. Machen sie sich keine Sorgen."
    Na dann. Koffer ins Auto und weg.
    Wenn Engel reisen, dann weint der Himmel; sagt man. Na, bei mir war die ganze Zeit strahlend schöner Himmel.
    Die erste Nacht habe ich an der Grenze in Polen verbracht. Ein Uralter 7 Etagen-Block aus 12 cm Betonplatten. Hotel Cargo in Slubice.

    Am Donnerstag dann eine öde Fahrt über die Autobahn.
    In Deutschlands Osten (wie seinerzeit von Kanzler Kohl versprochen) blühende Landschaften (Raps, wenn ich es richtig gesehen habe) und jede Menge "Windrad-Spargel".
    Auf der Autobahn sah es mehr nach Litauen, Weißrussland oder Polen aus. Mit vereinzelten deutschen Nummernschildern.
    In Peine bin ich dann runter von der Bahn und in den endlosen Horizont der Felder eingetaucht.
    Unendliche Weiten
    Hier war Deutschland deutlich zu sehen und zu spüren.
    Blumen- oder Erdbeerpflücken als Selbstbedienung. In Polen wäre das Feld am Abend ebenso leer wie die Kasse gewesen.
    Die neuen Siedlungen verborgen hinter Lärmschutzwällen wie mittelalterliche Ansiedlungen. Vor den Häusern die berühmten Tonnen in Grün und Grau mit einzelnen gelben Säcken garniert. Die Felder reichen bis zum Himmel, die einzigen beweglichen Dinge sind die riesigen Beregnungsanlagen, die 100 meter lange Fontänen über die Landschaft sprühen.

    In einem kleinen Dörfchen bei Peine habe ich liebe Bekanntschaft besucht und jede Menge Bücher und DVD,s eingeladen.
    Vielen Dank für die nette Zeit, Monika. Vielen Dank für den Apple-Kurs Frank. Man lebt ruhig, hier auf dem Dorf.
    Was ich noch sagen wollte: Leben ist immer auf der Suche nach Veränderungen. Strikt durchgeplantes Leben mit Angst vor Veränderungen ist wie ein Leben nach den Sterbetafeln der Versicherungen. Lebe Monika, wenn nicht heute, wann den dann? Kinder sind immer ein Glück im Leben. Jede Frau
    die ihren Instinkten vertraut, macht bei einem Kind mehr richtig als falsch. Vertrau auf dich.

    Einen Nachmittag habe ich in unserer alten Heimat Plockhorst verbracht. Es war ruhig und leer wie immer. Unser Haus unverändert, selbst die 3 meter hohe Hecke um das Grundstück ist der deutschen Ordnungswut noch nicht gewichen.
    Hohe Hecke
    Vergeblich habe ich auf Gefühle irgendeiner Art in mir gelauscht.
    Ein wenig zuwenig Gefühle. Vermutlich wird es sofort verdrängt.
    Hier sind wir einmal hingezogen um unsere Wurzeln auf immer in den Boden zu versenken. Rene wurde hier geboren. Viola hat eine Spielart der Deutschen (auf dem Dorf) kennengelernt und ich das öffentliche Dorfleben lieben und hassen gelernt.

    Mein Geburtsort Bad Salzuflen ist nun vollends dem Kurbetrieb gewidmet. Nichts von früher existiert noch. Eine für mich fremde Stadt.
    Ein kurzer Abschiedsbesuch bei meinen Eltern. Grab 449 und 450. Das ist geblieben von ihnen. Aber sie leben weiter in mir.

    Am Freitagabend war ich dann bei unverhofft wiedergefunden Kindheitsbekannten in der Nähe Bad Driburg. Karin und Beate, eine 2 Jahre jünger und eine 2 Jahre älter als ich. Wir haben uns nach rund 45 Jahren das erste Mal wieder gesehen.
    Vielen Dank euch beiden für die Gastfreundschaft und die Erinnerungen.
    Herzlichen Dank an Johannes für die schönen Kinderbücher für Rene.

    Am Samstag hat Rene,s Virus meine Viola erwischt. Am späten Nachmittag habe ich dann die Rückfahrt (950 KM) angetreten. Am Sonntagmorgen um 8:00 habe ich dann meinen Krankenpflegerdienst angetreten. Müde aber glücklich wieder zuhause zu sein.

    Ja! Zuhause!

    Deutschland ist mir in den letzten Jahren immer mehr fremd geworden. Von dem 1.te Weltland Deutschland in das "Transformationsland" Polen und jetzt in das 3.te Weltland Paraguay.
    Immer auf der Suche nach dem "Menschsein". In Polen hatten wir es schon fast gefunden. Fast.

    In Deutschland geht es vielen auf sehr hohem Niveau schlecht. Der soziale Chill-Faktor (gefühlte Temperatur) zeigt auf Kalt. Die Menschen haben Zukunftsängste, die Versicherungen machen Supergeschäfte. Die Beschäftigungszahlen zeigen nach oben, die Zahl derer, die von diesem Verdienst nicht leben können, auch. Die industriealisierte Welt die von seinen Mitgliedern zeitliche Flexibilität und Mobilität verlangt, hat die Familien und das soziale Miteinander verdrängt.
    Trotzdem, die Städte und Dörfer die ich sah, sind überwiegend gepflegt, teilweise nahezu steril. Museumshaft schön, unmenschlich perfekt schön.
    Steriler Garten
    Ich bin froh, noch einmal in meinem Geburtsland gewesen zu sein.
    Diesem Land verdanke ich viel. Aber ich habe alles mehrfach zurückgegeben und es hat mich Gesundheit und Seelenfrieden gekostet.

    Unser Heim hier in Lodz ist vermietet.
    Ab nächster Woche wohnen wir bis zum Abflug ein Haus weiter. Auf diese Weise trennen wir uns schon frühzeitig vom meisten Ballast und bemerken was wir wirklich brauchen. Da wir sowieso nicht sofort in Paraguay kaufen wollen, sondern erst mieten, trifft sich das hervorragend.
    Menschen von den Philippinen werden bei uns wohnen. Sie arbeiten für eine amerikanische Computerfirma in Polen. Das ist Globalisierung.

  • Zwei Seiten

    Österreich leidet im Moment unter einer einseitig negativen Berichterstattung. Es ist nicht wahr, das alle Keller jetzt amtlicherseits durchsucht werden.
    Deutschland leidet sowieso an vielseitiger-einseitiger Berichterstattung. Je nachdem ob man die grüne, die rote oder gar die tiefschwarzen Brillengläser aufsetzt: Jeder wohnt anscheinend in einem anderen Land. Aus seiner Sicht der Dinge.

    Paraguay ist sehr fern, aber das Internet bringt einem die Menschen dort näher.
    Zumindest die Schicht an Menschen, die über genügend Wohlstand und Wissen für eine Internetanbindung verfügen. Ein grosser Teil dieser Leute ist deutschsprachig und so erfährt man vieles aus PY. Besonders in den Foren gibt es viel zu lesen.
    Da gibt es Foren, ordentlich und informativ, sauber wie ein weißes Hemd. Manche Mitglieder dort können sich ein Leben ohne Versicherung, Schutz in jeder Form sowie internationalem Flair nicht vorstellen. Besonders nicht wenn sie es mit Edinburgh vergleichen.  . Das sind Foren, frisch gefönt wie aus einer Hotelwerbung (ist es meist auch). Ein Forum nennt sich zwar PY-Forum, ähnelt aber einer linguistischen Jauchegrube, in einem anderen Forum schreibt jemand "
    OHNE SCHÖNFÄRBEREI - SO WIE ES WIRKLICH IST". Ausser seiner/ihrer Betrachtungsweise mit grauen Brillengläsern.

    Zwei seiten, wie überall.

    Jetzt lebe ich schon einige Zeit in Polen.
    Ich mag dieses Land und seine Menschen.  Die Waagschale für Positiv wiegt am schwersten.

    Die EU-Erweiterung hat viele Menschen hier reicher gemacht, für sehr viele den Lebensstandard erhöht und für viel zu viele Armut durch Arbeitsplatzverlust gebracht. Dazu kommt eine enorme Preissteigerun. Wie immer sind hiervon die Ungebildeten, die Berufseinsteiger, die Kranken und die Alten betroffen.
    Polen hat zwei Seiten. Wie alle Länder.
    Ebenso wie in PY gibt es hier einen enormen Unterschied zwischen Arm und Reich.
    Zwischen Arm und Reich wächst das Pflänzchen Mittelstand erst noch. Gesetze sind da, aber die Durchsetzung mangelhaft.
    Hier gibt es ebenso wie in PY ein Leben vor dem Zaun für die Armen und hinter dem Zaun, der den Wohlstand vor dem Neid der Armen schützt, für die Wohlhabenden.

    Die folgenden Bilder sollen Polen nicht schlecht darstellen. Diese Bilder hätte ich auch in vielen deutschen Städten machen können, aber nicht so dicht gedrängt.


    Menschen-ausserhalb-vom-Zau
    Menschen, nicht vom Glück geküsst. Vor dem Zaun.
    Spielplatz-hinterm-Zaun
    Kinder hinter dem Zaun. Sauber, bunt, neu, wohlhabend und geschützt wie eine seltene Spezies.
    Polnische-Strasse
    Diese Strasse ist im Navigationssystem, mit Namen. Natürlich zweispurig.
    Lodz---Warten-auf-Moebelkun
    In Lodz gibt es die "Manufaktura", http://www.manufaktura.com/EN/index.asp
    Eines der grössten Shoppingcenter Europas. Aber auch hier kann man einkaufen, auf dem öffentlichen Möbelmarkt.

    Irgendjemand-wird-es-schon-

    Gegenüber dem Kindergarten stehen die Blöcke 12 Etagen hoch. Sie stehen vor dem Zaun, der alles trennt wie ein Rasiermesser. Hier stehen verlassen Wracks neben dem neuesten Lexus Geländewagen, mit dem die Kinder zurück hinter den Zaun geholt werden.

    Lodz-neben-der-Hauptstrasse

    Ein Nebenstrasse mitten in der Stadt Lodz. Im Ernst, 100 meter weiter ist die Piotrkowska, mit vier Kilometern die längste Einkaufsstrasse Europas. http://www.ulicapiotrkowska.pl/piotrkowskaDzisiaj.php?site=dzisiaj
    Lodz--Hinterhöfe-neben-dem-
    Ein Blick in die Höfe an der Seite. Das ist kein Müll, dort wird produziert, gewerkelt, recycelt und gelebt.

    Alles hat zwei Seiten im Leben.
    Der nennt es Freiheit, der andere Anarchie

    Es gibt immer Menschen, die ihren Neid hinter wohlgemeinten Ratschlägen verstecken.
    Denen sei gesagt:
    Neid ist die höchste Form menschlicher Anerkennung.

    Denen, die sich nicht vorstellen können anders als sie selbst zu leben, sei gesagt:
    Ich wurde geboren ohne gefragt zu werden, ich werde sterben ohne gefragt zu werden. Lasst mich wenigstens so leben wie ich will.

    Und an alle, dich mich kennen oder kennenlernen werden:
    Es ist besser wie ein Wolf zu sterben als wie ein Hund zu leben.

    In diesem Sinne,

    Ingo

  • Worte

    Worte.

    Jede Zeit hat ihre Worte.
    Vaterland, "Blut und Ehre", "Ein Volk, ein Reich ..." usw.
    Viele dieser Worte markierten eine Zeit, viele dieser Worte sind verbraucht, verbrannt.

    Später dann Worte wie Pazifismus, Sätze wie "Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren".
    Noch nicht lange her, da kamen die "Grünen", nicht vom Mars, aber ebenso angestaunt. Ökologie war das Schlagwort.
    Zwischendrin (1973) Worte wie: Ölkrise, später auf Energiekrise ausgedehnt.

    Jetzt aber zum Thema:
    Im Moment lese ich Worte wie Energiekrise, Energiekosten= zweite Miete, Nahrungsmittelkrise, Klimakatastrope, Altersarmut, Pflegenotstand.

    Vor einiger Zeit las ich ein Buch "Ausgebrannt" über das plötzliche Versiegen des Erdöls und dessen Folgen. Erzählt mit vielen Handlungssträngen, die sich nicht immer kreuzten. Danach las ich ein Buch mit dem Titel "Wir Wettermacher", erschienen 2005, über die menschengemachte Klimaveränderung und deren möglichen Folgen.
    In diesem Buch las ich von einem höchstwahrscheinlichem Zukunftszenario, welches ich heute live in den Medien verfolgen kann.

    Ist es wirklich Zufall, das wir uns jetzt entscheiden unser Leben sozusagen zurückzufahren?
    Statt Konsum der Blick auf das Wesentliche, das menschliche?
    Statt Shopping und "schöner Wohnen" eine Farm aufbauen für das tägliche Leben und der Unabhängigkeit vom "Servicedienstleister Staat, Rentenversicherung, Energiedienstleister und Supermarkt?
    Investment in Land, Resourcen und Future.
    (Ohne diese Worte versteht mich ja kein Deutscher mehr)

    Ich glaube, wir haben zuviele negative Worte gelesen und gehört. Wir haben zuviel Unsicherheiten und Zukunftsangst vermittelt bekommen. Die  täglichen Nachrichten heißen zwar schon allgemein "News", aber sie vermitteln keine Neuigkeiten mehr, sondern Hiobsbotschaften. Und zwar immer mehr die gleichen.
    Ich persönlich komme mir vor wie der Passagier, der sieht wie die Eisbrocken vom Eisberg auf die Titanic fallen, und sofort seine Familie zum Rettungsboot schafft, während die Kapelle auf der "Never-ending-Party" unverdrossen noch ein Stimmungslied spielt.

    Seit gestern ist meine Frau mit unserem Jungen bei der Familie des Mannes ihrer Schwester. Dort wird die Taufe des jüngsten Mitgliedes N. gefeiert.
    Vielleicht sehe ich ja auch deshalb alles so schwarz, jetzt, ganz allein in der riesigen Wohnung.
    Mit Angst vor dem Öffnen des leeren, stillen Kinderzimmers im Bauch, tausend ungesagte Worte im Kopf - mangels Gesprächspartners.

    Am Montag kommen sie beide zurück.

    Ich freue mich so sehr darauf.

    PS:

    Glück hat der kleine B.. Er war etwas mehr als ein Jahr ungetauft in den USA. Nach jetzigen Papst B., alias Ratzinger, hätte er als Ungetaufter im Todesfall in der Hölle geschmort; als Träger der Erbsünde.
    Ach ja, noch so ein Wort von früher: Sippenhaft.

  • Perspektiven

    Unsere Tiere bleiben hier!

    Zwei Freundinnen von uns haben als Tierärztin und als Tierarzthelferin eine kleine Praxis aufgenacht.
    Wir hatten uns u.a. über die Tiere kennengelernt. Beide haben uns angeboten unseren beiden ein neues Zuhause zu bieten.
    Saphir, der Kater, wird zusammen mit Yvonna bleiben und Noel, der Hund, bei der Ärztin zu einem Kater mit Hunderfahrung ziehen.
    Weil Noel ein anerkanntermaßen ruhiger Hund ist, wird er eventuell in der Praxis nervösen Hunden einen "Fels der Ruhe" bieten.

    Viola hat ihren "ein Wochen-Kurzurlaub" beendet und unterstützt mich wieder bei Kind, Hund und Katze, Haushalt, Umzugsvorbereitungen sowie Zukunftspläne.

    Zukunftspläne, Perspektiven                                      

    Natürlich gehen wir nicht nach Paraguay um ein Leben in der Hängematte mit Tereré und Matetee zu verbringen.
    Als "dritte Welt Land" bietet Paraguay auch viele Chancen, die in einem überregulierten Europa
    nicht möglich sind.
    Wenn man ein Kind hat, dann denkt man weiter als nur an Kindergarten und Schule. Schon in jungen Jahren versucht jeder einen Blick in die Zukunft. "Was wird aus ihm mal werden?" Oma,s und Opa,s sehen ja in jedem richtig angebrachten Lego-Baustein schon den künftigen Ingenieur.

    Was wird mal aus ihm werden, unserem (noch) kleinen Rene?

    Im Moment eröffnen einem die täglichen Nachrichten schon einen Blick in die Zukunft:
    Die Erdölförderung soll schon 2005 ihren Förderzenit (Peak-Oil-
    Debatte) erreicht haben. Seitdem wird weniger gefördert bei steigendem Öldurst in China und Indien. Die Ölpreise sollen in spätestens zwei Jahren auf 200$ pro Barrel (1,26$/Ltr.) steigen. Das ist aber nur der Rohstoff, nicht der Liter Sprit im Tank!
    Am 7.5.2008 kostet der Liter Heizöl in Deutschland 0,86€ oder um beim Dollar zu bleiben, 1,33 $ der Liter.
    Die Kosten für Energie schiessen in die Höhe. Bioenergie als Gas oder Sprit wird lukrativ, als Folge werden mehr mehr Nahrungsmittel und Flächen für den Nahrungsmittelanbau zur Energieerzeugung verwendet.
    In der Welt regen sich massive Protest gegen hohe Nahrungsmittelpreise.
    Die Klimadebatte ist mittlerweile keine Debatte mehr. Es wird über Kosten gesprochen. Was ist billiger? Die Erwärmung stoppen oder sich an sie anpassen?
    Aber egal was passieren wird, es wird hohe Kosten und Einschränkungen geben.

    Bei diesem Szenario habe ich noch kein Wort über trinkbares Wasser verloren. Googeln Sie mal nach "Trinkwasserknappheit" ! Ich erlebe das schon jetzt. Unser Trinkwasser kommt aus dem Supermarkt! Das aus der Leitung wurde trinkbar gemacht und graut sogar unserem Hund.

    Wie wird die Welt aussehen, von unserem (noch) kleinen Rene?

    Im Moment kann niemand so richtig sagen wie sie aussehen wird. Aber man weiß, die Welt wird sich verändern. Wir, Sie und ich, sind kaum in der Lage etwas dagegen zu tuen. Wir können aber darauf hin arbeiten, uns auf diese ungewisse Zukunft schon jetzt vorzubereiten und anzupassen.

    Was können wir schon jetzt tuen, für unseren (noch) kleinen Rene?

    Nach dem zweiten Weltkrieg waren die deutschen Bauern die geheimen Gewinner, heute sind sie Quoten-Landwirte
    . Feste Bestandteile der europäischen Planwirtschaft.

    Was hat das mit uns zu tuen?

    Es gibt eine Pflanze namens
    Jatropha curcas. Jatropha-Arten sind weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten beheimatet. Sie ist kein Nahrungsmittel, wächst auf für den Nahrungsmittelanbau unbrauchbaren Böden und ist resistent gegen Schädlinge. Sie ist noch nicht domestiziert, nicht genmanipuliert oder mit Lizensen geschützt.
    http://www.n-tv.de/819811.html
    http://www.sonne-ueber-mbinga.de/fotoalbum.php?album=jatropha

    Was können wir also schon jetzt tuen, für unseren (noch) kleinen Rene?

    Wir werden nach Paraguay ziehen.
    Dort werden wir ein Stückchen Land (an die 40 Hektar) haben.
    Darauf werden wir in den Jahren Schritt für Schritt eine anfänglich primitive "Energiefarm" mit
    Jatropha aufbauen. Auf dem noch nicht genutzen Land werden Rinder weiden. Ein Rind pro Hektar ohne Zufütterung.
    Wir werden uns Stück für Stück Wissen erarbeiten
    und Know-How entwickeln. Nach europäischen Maßstäben werden das zwar primitive Lösungen sein, aber für die hiesigen Verhältnisse sinnvolle und praktikabel. Wer fährt schon Porsche auf der Erdpiste oder Ochsenkarren auf der 6-spurigen Autobahn.
    Land und Arbeitskraft ist billig, eine Überproduktion von Biodiesel ist in Zukunft wohl kaum zu erwarten.
    Wir müssen unser Leben nicht aus den Einkünften finanzieren, deshalb haben wir Zeit "Zukunftsforschung" zu betreiben, ohne Leistungsdruck.


    Also werden wir "Landeier" werden. Auf dem Land wohnen.
    In ungefähr 10 bis 15 Jahren werden wir eine selbsttragende Landwirtschaft im "Non-Foodbereich" betreiben und sie als Lebensbasis Rene überlassen. Wenn er es haben will.
    Wenn nicht, und wenn er schlau dafür sein wird, dann kann er sein Glück im spanischen, polnischen oder deutschen Sprachraum suchen. Pässe hat er dann ja genug


    In der Zwischenzeit werden wir den ganzen Tag Zeit für ihn haben, er wird ländlich aufwachsen, inmitten der zahlreichen Kinder nicht mehr als deutscher oder Polen erkennbar sein, Apfelsinen und Bananen beim Nachbarn klauen, ein Baumhaus im Schattenbaum oder Eukalyptus bauen, auf den Wasserbüffeln reiten lernen, nächtelang im Internet chatten, stundelang am Computer hängen, mit jungen Jahren Enduro fahren und insgesamt aufwachsen wie ein Mensch.

    Was kann man mehr tuen für die Zukunft unseres Rene,s?

    Englischstunden im Kindergarten, Informatikleistungskurs im 2.ten Schuljahr,
    Hegel, Kant und Goethe auswendig lernen, ab dem 1.ten Schuljahr auf die Selektion im 4.ten Schuljahr hinarbeiten,
    Markengarderobe kaufen, in IN-Kreisen verkehren, Nachhilfeunterrichte organisieren,
    Schmutz für tödlich zu erklären, die Bedeutung von Notenschnitt und Berufschance erkennen, Individualität zugunsten der Konformität töten.


    Nicht mit uns

  • Zwischenbericht UND Umfrage: Was wird mit den Tieren

    Seit 19 Tagen nichts mehr in dieses Blog geschrieben.
    Es waren einfach zu viele Emotionen, zu viel sonstiges zu schreiben, zu organisieren, zu recherchieren, zu verarbeiten.
    Es stellt sich auch immer noch die Transportfrage, besonders für über das Gepäck hinausgehende,
    die Frage nach dem Verlauf der letzten Monate vor der Ausreise wegen des Verkaufs der Wohnung und des Autos,
    und wo wir als Urlauber unseren Wohnwagen hinstellen und wie wir ihn danach verkaufen.

    Camping-im-Garten
    Unser Wohnwagen im Garten unserer letzten Heimat in Deutschland. Dort mache ich ihn für eine Reise von Peine nach Südfrankreich fertig.

    Rene-mit-Feuer
    Zwischendurch haben wir schon einmal das Feuermachen im Freien geübt. Für Rene ist das das Höchste überhaupt. Da wird gekokelt, gebrannt, Holz nachgelegt.

    Bier-kommt
    Kaltes Dosenbier passt immer. Da ist es vollkommen egal ob wir unter Hochspannungsmasten vor einer Industriekulisse neben einer Strasse sitzen.

    #########

    Es zeichnet sich ab, das wir eventuell ohne Tiere nach Paraguay auswandern.
    Diese Entscheidung reift im Moment noch, bei dem bisherigen Reifeprozess haben viele Menschen mitgeholfen. Ich hatte in zwei Foren geschrieben. Einmal in Kay,s Forum und einmal in der Hundezeitung:
    http://www.kayelicha.de/pyforum/viewtopic.php?t=1373&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=
    http://www.hundezeitung.de/hundewiese/viewtopic.php?t=10177&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=

    ------------------ Dort habe ich diese Fragen gestellt ---------
    Wie wichtig ist ein zusammenbleiben mit den Tieren für uns und
    wie wichtig ist es für die Tiere?
    Ist den Tieren der Stress der Anreise zumutbar?
    Wie werden sie das Klima verkraften?
    Werden sie mit eventuell anderen, neuen Krankheitserregern oder Parasiten fertig?
    Kann und soll man ihnen die ersten drei Monate mit häufigen Reisen bis zum längerfristigen Mieten (Revierwechseln) zumuten?
    Gibt es eine GUTE tieräztliche Versorgung in Villarica die über Nutztiere hinausgeht?

    ----------------------------------------------------------------

    Die Antworten kann man in drei Kategorien einteilen:

    1. Emotional oder Rational für die Tiere

    - Wir haben zum Glück eine gute Unterkunft und neues Zuhause für Sie gefunden und Sie in DE gelassen,...

    - ... ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Hund gar nicht sooooooooo trauert, wie wir uns das gerne einzureden versuchen. Ich glaube der Mensch interpretiert da zuuuu viel Menschlichkeit mit rein. [...] Ein anderes Problem sind diese Sandmücken, die Leishmaniose übertragen.

    - Ich würde es als unerträglich für die Tiere empfinden, nicht so sehr die lange Reise, sondern 3 Monate Besichtigungstouren. Das wäre Streß pur für sie. Und purer Egoismus von euch.

    - Lasst die Tiere bei Euren Freunden. Gewoehnt Euch aber an den Gedanken, dass sie dann dort hoffentlich fuer immer bleiben.

    - Laßt also die Tiere in ein gutes neues Zuhause gehen und denkt auch nicht dran, sie zurück zu holen, ...

    - [...] Hunde nehmen örtlicher Veränderungen gelassen hin-WENN sie ihre Gruppe/Rudel beisammen haben und gemeinsame Aktivitiäten weiterhin haben..Katzen sind "ORTSGEBUNDEN" und irgendwo richtige Gewohnheitstiere..

    - Wenn es ein gut geklärtes,vertraunsvolles neues Heim gibt..würde ICH, meinen Tieren zu Liebe sie in D lassen..

    2. Emotional für sich selbst
    - Ich würde mich nie von ihr trennen! Immerhin gehört sie ja auch schon über 10 J. zu mir.

    - ... also ich persönlich würde falls wir es irgendwann wirklich wagen sollten nach Py zu gehen, niemals auf meine Tiere verzichten.

    - nie ohne meine Tiere, für unsere 2 Katzen die zusammen ...

    3. Rational für die Tiere
    - ... man sollte natürlich immer darauf achten das man das richtige für das Tier tut.

    - Ich war früher länger in Südamerika unterwegs und hatte auch schon Brasilianer zu Besuch. So wie ich das Leben mit Hunden dort mitbekommen habe und so wie die Brasilianer sich über das Hundeleben in D/CH gewundert haben, käme ich nicht auf die Idee, meine Hunde mit nach Südamerika zu nehmen, ...


    4. Wertvolle Hilfen, um Mensch und Tier zusammenzulassen, aber Thema verfehlt.

    - Warum gebt Ihr nicht ein paar Euro's mehr aus... und macht eine schöne Frachtschiffsreise?

    - ... (sie) machen Tiertransporte von Sao Paulo und Buenos Aires nach Paraguay mit dem Auto ....

    Was denken SIE darüber?
    Sind sie ein Verfechter der Antwort 1., 2. oder 3.?
    Oder haben sie eine Idee zu 4.?
    Ich habe jetzt viele Informationen zur Frachtschifftsreise. Wen es interessiert, dem schicke ich gerne eine Zusammenfassung, Links und die Antworten auf meine Fragen in den Frachttschiffkontoren.

    Ein Schauspieler sagte einmal. "Spiele nie mit kleinen Kindern und Tieren zusammen. Du wirst sogar als Hauptdarsteller zur Nebenbesetzung!"

  • Trüber Samstag

    Heute ist Samstag.
    Samstagsmorgens geht meine Frau mit dem Hund.
    Also nicht um 7:00 Uhr in die grausame Umwelt.

    Bei ihrer Rückkehr war sie schon fast euphorisch ob des schönen Wetters.
    "Es ist so schön draussen.
    Los, wir müssen sofort Spazierengehen!"
    Ein Blick aus dem Schlafzimmerfenster zeigt die Realität.

    Blick-nach-Osten

    Grauer Himmel bei 10 Grad,
    Wind, der die Regentropfen auf das Fenster klatscht.
    Die Menschen tragen Regenmäntel oder Friesennerz.
    Depressionswetter. Im Bett-bleiben Wetter.

    Blick-nach-Westen
    Aus dem Küchenfenster schaut es auch nicht viel besser aus.

    Kennt ihr das?
    Aufstehen müssen, obwohl man gar nicht will.
    Trübes Wetter.
    Das Denken ist ebenso grau wie die Wolken.
    Es wird negativ gedacht. Der Pessimismus gewinnt Oberhand.

    Rene hat einen feinen Draht für unsere Befindlichkeiten.
    Deshalb reißt man sich zusammen und bemüht sich um ein freundliches Frühstück. Je mehr Optimismus verbreitet wird, um so mehr Sonne kommt auf den Tisch.
    Nachdem Rene sein Spielen-Essen-Chaos verbreiten am Tisch- beendet hat, haben Viola und ich Zeit für uns.

    Da ist ein Artikel von SOS-Kinderdörfern in der Zeitung. Es wird die Lage hier in Polen beschrieben. Vielen Kindern hier geht es schlecht. Je fortschrittlicher die Gesellschaft, um so schlimmer haben es die Ärmsten der Armen. Dazu kommt der Alkohol und die zerstörten Familienstrukturen.
    Wir überdenken unsere eigene Lage und stellen fest, das es uns unheimlich gut geht. Unserem Rene noch viel besser.
    Wir sprechen über Paraguay. Über unsere geheimen und öffentlichen Träume. Unsere Möglichkeiten anderen zu helfen.
    Da ist mein alter Traum von der Wiederaufnahme meines ersten Berufes.
    1966 bis 1970 habe ich Schlosser und Schmied gelernt.

    Der Schlosser nennt sich heute Industriemechaniker, der Schmied immer noch Schmied. Damals wurden noch Pferde in der Fabrikation eingesetzt.
    14 Jahre nach dem Krieg sah es eben etwas anders aus in Deutschland. Ein PS war echt eine Pferdestärke. Und dieses PS brauchte ständig neue "Schuhe".

    Paraguay ist ein dritte Welt-Land, der ersten und zweiten Welt ausgeliefert. Die sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise, der Boom im Biospritbereich (Nahrungsmittelverbrauch), der Zusammenbruch des Dollars, alles ist von Nachteil für die dritte Welt. Ich möchte hier kein Endzeitzenario an die Wand malen, aber ich fühle mich erst wieder wohl wenn ich die hiesige Zivilisation hinter mich gebracht habe und in Paraguay auf einige Meter eigenes Land mit Nahrungsmitteln schaue. Das Surren vom Windrad höre und das plätschern vom Wasser aus dem Brunnen.

    Vielleicht habe ich dann schon die uralte Schmiedewerkstatt (vom Schrott in D-Land,
    nichts elektronisches)  aus einem Container ausgeladen und habe einige Paraguayo als Lehrlinge.
    Menschen, denen man das Lernen lernt, die ein Handwerk beherrschen und ausserdem noch das Fluchen auf Deutsch.
      Hilfe zur Selbsthilfe eben.
    Und dann irgendwann vielleicht noch Familienzuwachs im Sinne von Hermann Gmeiners
    http://www.sos-kinderdoerfer.de

    Wer weiß schon was werden wird.

    Lassen wir uns überraschen an diesem trüben Samstagmorgen.

  • Datschenzeit

    Heute Abend war es klar: Der Frühling ist da!

    Ich hatte einen langen Spaziergang durch unsere "Grüne Lunge". Dabei bemerkte ich etliche Grüppchen von Männern die da in der Dämmerung zusammenstanden. Gedämpfte Unterhaltung und Gelächter, das zischen von Bierdosen, es ist Datschenzeit.


    In Deutschland trifft man sich in der Kneipe an der Ecke oder auf dem Parkplatz der angesagten Tanke.
    In
    Polen trifft man sich im "Grünen" an den Blocks.Blocksiedlung

    Das Wort Datscha kommt aus dem russischen.
    Das ist ein Land- oder Ferienhaus, in dem die Städtebewohner die Wochenenden oder ihren Sommerurlaub verbringen.


    Jetzt beginnt die Zeit auf der Datscha. Die Kinder sind an der frischen Luft im grünen, die Erwachsenen pflegen soziales Miteinander.


    Das Äquivalent für Datscha in Westdeutschland heißt Schrebergarten (nach dem Namensgeber Dr. Schreber) und wird als Kleingarten im § 1 des Bundeskleingartengesetzes definiert. Ja, wir Deutschen nehmen es immer gaaaanz genau.

    Sowohl im doppelten Deutschland wie auch in Polen oder Russland: Der Mensch flieht auf,s Land um sich zu erholen. Auf der Datscha ist er Mensch und kein Produktionsfaktor.


     Auch wir wollen auf,s Land fliehen.
    Aber gleich richtig. In ein fremdes Land, in dem der Platz zum
    Erholen auf dem eigenen paar Hektar liegt. In dem das Wetter nicht so streng ist wie bei uns. In einem Land, in dem die Uhren anders gehen (wenn überhaupt). In ein Land, in dem es so provisorisch zugeht wie in einer polnischen Datschensiedlung.

    Bis auf bald, kleine Seifenblase

  • Gefühlte Realität

    Realität [lateinisch] die, Wirklichkeit, Tatsache, Gegebenheit. (Aus Brockhaus Online)


    Wie ich gestern versprochen habe, hier einige Bilder aus der polnischen Realität bei uns hier an der Siedlung Lodz-Janow.

    Die gefühlte Realität ist aber noch bei weitem unangenehmer. Besonders jetzt, ohne den gnädigen Schutz durch die Schneedecke und vor dem verbergen durch das Grün der Natur.

    Polnischer-Erdweg-1
    Der Weg vor den Wohnhäusern in die "Grüne Lunge" der Siedlung.

    Auf dem Weg komme ich am Grillplatz vorbei.

    Grillplatz-in-unserer-Siedlung

    Die Grill-Saison hat noch nicht begonnen, deswegen liegt noch etwas vom letzten Jahr herum.

     Ende-der-Grillsaison

    Ich las über die Wegwerfkultur in Paraguay "... und das Papier fiel wie selbstverständlich zu Boden!" Hier fällt noch etwas ganz anderes zu Boden.

    Wiese-mit-Zivilisation-in-u

    Unsere Siedlung wird von diesem Kraftwerk  mit Strom und Warmwasser versorgt; und mit dem "Duft der Zivilisation".

    Frische-Luft

    Heute morgen habe ich eine Hose erstmals seit einem Jahr wieder aus dem Schrank genommen, versucht sie anzuziehen, und festgestellt, das der Bodyindex meines Körper nicht mehr zur Realität meiner Hose passt.

    Mir ist natürlich sofort klar, das meine sportlichen Aktivitäten mir einen derartigen Muskelzuwachs beschert haben das sich der Bodyindex BMI verändert haben MUSS.

    Leider ist das nur die gefühlte Realität. Die echte, die wahre Realität sagt mir: "Ingo, an den Stellen, an denen die Hose nicht passt, hast du keine Muskeln!"

    Für Interessierte: BMI = Körpergewicht / Körpergröße2.

    Irgendwie erinnert mich das an den Windchill-Faktor . Eine liebe Freundin hat mir die Formel geschickt. Twc=33+(0,478+0,237*SQRT(vw)-0,0124*vw)(T-33)

    Das bedeutet aber nicht, das ihr jetzt eure Gefühle berechnen könnt!

    Es scheint nie so zu sein, wie es gefühlt wird.

    Wir gehen drei Etagen im dunklen Treppenhaus und sind gut drauf. Realität: Wer sollte schon im Treppenhaus lauern?

    Dann kommt der Moment wo einem der Fahrstuhlmörder in den Kopf kommt. Die gefühlte Realität schlägt zu.

    Der Schritt wird schneller, der Atem auch, der Puls rast, das Blut pocht im Schädel. Gott sei Dank, die Wohnungstür. Aufschließen, hinein springen, Tür zuknallen. Gerettet! Bis auf den Mantel, der ist zum Teil noch im Flur!

    Bei einer Firma hier in Lodz versuche ich den Managern etwas über deutsche Geschäftsgebaren im allgemeinen und der deutschen Seele im besonderen beizubringen. Das es DIE deutsche Seele nicht gibt wissen wir alle spätestens seit 1989. Zur Wiedervereinigung verkündigte eine Reklametafel "Wir sind ein Volk", einer schrieb darunter:"Wir auch!"                                     

    In einem Buch über polnische Unternehmer las ich:" Die Alltagskultur hat die Deutschen und die Polen mit ganz unterschiedlichen Zeitgefühl- und Verständnis ausgestattet." "Wir haben noch viel Zeit sind 12 Monate beim Deutschen und 4 Monate beim Polen. "Der letzte Drücker" ist 1-2 Monate beim Deutschen und 1-2 Wochen beim Polen.

    (Quelle: Dr. Krzysztof Wojciechowski in "Knigge für deutsche (Nicht-nur-) Unternehmer in Polen, Poznan 2005)

    Was hat das alles mit Paraguay zu tuen?


    Mir ist klar geworden,

    die gefühlte Realität ist oft auch die, die man sich selbst macht.

    wenn man bei Regen nicht zu laufen beginnt, kann Regen sogar schön sein.

    wenn man im Treppenhaus stehen bleibt, und sich auf die Realität besinnt, dann bleibt nicht nur der Mantel heile.

       wenn man in der Realität bleibt und akzeptiert, das Paraguay ein dritte Welt Land ist, dann ist die gefühlte Realität eine akzeptierte, schöne Realität.


    Ach ja, und als erstes werde ich alle Kleidung mit falschen BMI entsorgen.

  • Eisbären nach Südamerika?

    Seit einigen Wochen benimmt sich unser Thermometer wie ein Jojo.
    Mal ist es unten bei Null Grad, und das Schneetreiben gibt ihm recht, mal ist es bei 15 Grad und die ständig besorgte polnische Oma nimmt dem Kind die Kapuze über der Mütze ab.
    Am Nachmittag hat sich im Auto die Klimaanlage bei 18 Grad eingeschaltet.
    Aber das mit der Air-Condition im Jeep kenne ich ja schon; da mißt so ein kleiner Infarotsensor die Körperwärme. Ist ein Punkt über 20 Grad wird der komplette Rest gleich mit tiefgefroren.
    Aber ganz im Ernst: Es waren gestern 14 Grad und ich habe Jacke und Pullover ausgezogen.
    Habe ich den Eisbär-Gene? Warum kommen mir diese poppeligen 14 Grad so warm vor? Na ja, die Sonne war schon kräftig!
    Was passiert eigentlich in Südamerika, wo die hiesigen Frühlingstemperaturen maximal im Kühlschrank erreicht werden?
    Muss ich mich da auf Schwitzen ohne Ende einstellen? Ständig erkältet von Klimaanlage und Zugwind durch Deckenventilator?

    Wir Menschen passen uns an alles an! Sagen die Biologen. Und die müssen es ja wissen.
    Der Unterschied zwischen Wissen und Mensch nennt sich übrigens Chill-Faktor. http://www.outdoornet.de/Service/own/chill.htm
    Leider sagt die Tabelle nichts über Temperaturen oberhalb +4 Grad aus, deswegen werde ich das Experiment in Paraguay weiterführen.

    Morgen früh um 7:00 werde ich wie gewohnt mit unserem Hund ein halbe Stunde die Natur suchen. Für alle PY-Schwarzseher werde ich dann einigen Fotos unserer polnischen Umwelt hier machen.

    PS:
    Gestern Abend habe ich alle schriftlichen Arbeiten zu Ende gebracht. Jetzt sind nur noch ein paar Unterrichtsstunden pro Woche zu erledigen; der Rest ist Zeit für die Vorbereitung auf den grossen Sprung.

  • Neubewertung oder Rollenänderung

    Normalerweise ist der Donnerstagabend Kinoabend für meine Viola.
    Sie und unsere Nachbarin fahren dann in das  Stadtcentrum Lodz, rund 10 Km von uns.
    Sie schauen sich einen Frauenfilm
    an und trinken danach noch etwas zusammen. Selbstverständlich höre ich dann am nächsten Tag die wesentlichsten Sachen, über die gesprochen wurde. Natürlich zensiert. Männer "ticken" ja schließlich anders und verstehen Frauen  noch weniger wie unser Kater unseren Hund.

    Die Abende mit unserer Flurnachbarin werden jetzt mehr zu Nächten. Sie gehen Donnerstags ins Kino und sitzen bis 3:30 Uhr Nachts bei Bacardi und Cola zum Tratsch. Nebenan oder bei uns.
    Das ist neu.

    Nicht das Zusammensein, sondern die Dauer.
    Obwohl es natürlich immer viel zu reden gibt. Unsere Nachbarin, eine junge hübsche Frau, mit einem polnischen Fussballnationalspieler verheiratet, ist fast immer allein. ER hat immens viele und wichtige Dinge in anderen Städten zu tuen. Sie kümmert sich um die geschäftlichen Angelegenheiten ihrer Salons in der Stadt, hat viel Geld und deshalb keine echten Freunde. Nur Menschen, die sich gerne im Schein ihres (seines)  Namen sonnen und gerne auf ihre
    Rechnung Partys feiern.

    Seit wir ein "echtes" Abflugdatum haben hat sich auch die Seelenlage meiner süssen Frau geändert.
    War sie vorher mehr reserviert und kontrolliert, so ist sie jetzt mehr gelöst und offen. Sie hat keine Angst mehr, sie würde von unserer Nachbarin auch für so eine falsche Freundin gehalten.
    Es scheint so, als ob sich vor dem bald zu erwartende Abschied einige Zwänge schon jetzt verabschieden.
    Ihre alte Rolle ist schon auf dem Weg in die Garderobe um sich für die neue menschliche Umgebung umzuziehen. Als echte Frauenrolle weiß sie natürlich noch nicht was sie anziehen soll.
    Solange die alte Rolle aber verschwunden ist, kann meine Kleine ganz sie selbst sein.

    Jetzt hoffe ich nur das die neue Rolle nicht im Alkohol ertrinkt

    ein nachdenklicher Ingo.

  • Mittwoch im März

    Mittwoch.

    Frühlingsanfang ist vorbei.
    -1 Grad und Schneetreiben vor dem Fenster.
    Eine öde Schreibarbeit vor den Augen.
    Paraguay im Kopf.
    Dort ist es jetzt früher Morgen bei 22 Grad.

    Gleich kommt jemand zum polnisch Unterricht, danach jemand zum deutsch Unterricht.
    In der Zwischenzeit lernen wir spanisch.
    Natürlich ist Viola viel besser als ich.

    Schauen wir wie der Tag noch wird.

  • Zuhause im Angebot

    Der Entschluß unser Zuhause zum Verkauf zu stellen, alle notwendigen Fotos zu machen und einen Text für das Angebot zu finden war schon irgendwie schwer.
    Aber es mußte erledigt werden. Am Karfreitag war alles im "Netz"

    Dann begann das Warten über Ostern.

    Haben wir irgend etwas vergessen?
    Vielleicht die Küche nicht schön genug fotografiert,
    die Fussbodenheizung nicht richtig erklärt oder die Umluftanlage falsch beschrieben?
    Nein, alles in Ordnung.

    Dann heute der erste Anrufer, der erste Termin.
    Heute Abend. 20:00 Uhr

    Jetzt ist dieser Besuch schon vorbei.
                    Die Leute waren nett, es war fast ein familiärer Besuch.

    Erleichterung bei uns.
                    Die Anspannung vor dem ersten Mal ist vorbei.
    Ab jetzt ist es Routine.

    Abendruhe:
    Viola schaut sich noch eine polnische Soap-Serie an. Relaxed.
    Rene schläft bei uns im Bett.
    In seinem Alter wird aus jedem Schatten an der Wand ein potwór, ein Monster.
    Aber der Geruch von Mama und Papa im Bett beruhigt ihn, beschützt ihn.

    Für mich wird es jetzt auch Zeit für das Bett.
    Morgen muss ich eine Arbeit über die Unterschiede der Berichterstattung
    zum Tod des Papstes in Polen und Deutschland zu Ende bringen.
    Wie mich diese Kirche und das Getue darum doch anko.... .

    dobranoc,
     do jutro

  • Fracht oder Gepäck?

    Heute war der erste Tag an dem wieder alle zur Arbeit mussten.

    Also konnte ich auch per Telefon klären, wie den unsere Tiere mit nach Paraguay kommen.
    Das Reisebüro fand mich auch sofort wieder mit meiner Internet-Buchungsnummer.

    Die Frau am anderen Ende: "Sie wollen einen Huuuund mitnehmen? Einen schäferhundgrossen Huuuund?"
    Ich:"Ja, das wollen wir. Wie regel ich das am Flugplatz?"

    Und schon hatte ich auf meine Frage eine Telefonnummer bekommen.

    Früher, also ganz früher, da wussten die Menschen selbst ja sehr viel. Heute verweisen sie auf Internetseiten oder vergeben Telefonnummern wie geheime Schätze.

    Ich rufe also die TAM an 061 02 365 790.
    Dort sagt mir eine junge Frau mit süßem spanischen Akzent, das der Hund ab Frankfurt nur als Fracht geht. Als Mehrgepäck, also sozusagen als zusätzlichen Koffer, geht das ab Frankfurt nicht, weil die Maschine aus Kanada kommt und für diese Transportart nicht vorgesehen ist. Aber sie hatte eine Lösung für mich. Die Maschine ab Paris, CDG, nimmt den Hund als Gepäck mit.

    Habe ich sie verwirrt?
    Schön, ich mich auch.
    Im weiteren rede ich nicht von einem Tier das in der Kabine, also mit allen Reisenden zusammen reist. Das geht nur bis 8 KG und in einer Kiste (55x40x20cm) die unter den Sitz passt.

    Also:
    Fracht braucht keinen Begleiter. Lebende Fracht fliegt im speziellen Fracht- oder Gepäckraum mit. Da gibt es keinen Unterschied zwischen lebender Fracht oder lebendem Gepäck.
    Fracht wird nach Gewicht und Format berechnet. Das können dann schon rund 28€ das Kilo sein. Bei einem Hund wie unserem sind das 35 KG X 28€ das Kilo also 875€ der Flug.
    Ausserdem ist der Hund ja Fracht. Er muss also aus der Frachtabteilung geholt werden, eventuell dort durch den Zoll. In der Zwischenzeit fährt ihr Gepäck auf dem Förderband Karusell.

    Gepäck  braucht einen Begleiter.
    Ein Tier als Gepäck wird als Übergepäck gerechnet. Also so, als ob ihr Koffer mehr als zugelassen wiegt.
    Das ist bei jeder Airline anders, kostet aber nicht so viel wie als Fracht.
    Außerdem kreist die Kiste mit dem Hund zusammen auf dem Gepäckkarusell und ist so einfacher durch den gemeinsamen Zoll zu bringen.

    Also das war es dann mit dem festen Termin.
    Wenn ich einen Flug mit Hundegepäck gefunden habe, dann melde ich mich wieder.

  • Der große Tag

    Mittlerweile wissen wir den "großen Tag".
    Am 25.8.2008 werden wir in den Flieger steigen und für lange Zeit Europa verlassen.
    Unser Junge wird außer Deutsch und Polnisch noch spanisch lernen. Und im dortigen Kindergarten bestimmt auch Guarani vom feinsten.
    Jetzt steht er fest, der Tag.
    Das Wissen um diesen Tag ändert unser Verhalten hier. Die politischen Kapriolen der seltsamen Zwillinge Kaczynski, das hessische Wahltheater oder gar die Pendlerpauschale habe jegliche Sensibilität und Sinn für uns verloren. Man hört die Worte, aber nicht mehr die Botschaft.
    Wir ertragen das Wetter (-1 bei Schneetreiben), den Abgasgestank in Lodz, die ungläubigen Kommentare der ungläubigen und ängstlichen polnischen Bekannten.
    Sogar der Blick für das Zuhause hat sich geändert. Die kleinen Mängel, die man schon lange beheben wollte, werden jetzt in verkaufsfördernd oder unerheblich unterteilt und dann entweder sofort erledigt oder auf immer vergessen.
    Der ganze Besitz wird unterteilt in "darauf möchte ich nicht verzichten", "das packen wir vielleicht in den Container" und "endlich verschwindet dieser Mist".
    Besitztümer, die nur Besitz sind weil es von lieben Freunden und Verwandten geschenkt wurde, können jetzt gedankenlos "in den Orkus gehen".
    Alles wird mit anderen Augen gesehen. Es ist wie eine Befreiung von allen kleinen Zwängen und Routinen die uns das Leben erschweren. Wir müssen auf einmal nicht mehr darauf achten von allen gemocht zu werden.
    Im Büro beobachte ich bei mir vollkommen andere Verhaltensweisen. Unterlagen, die ich sonst irgendwo ablegen würde (kann man ja später mal was nachlesen -wenn man es wiederfinden würde ;-) , wandern jetzt sofort in den Aktenvernichter.
    Bücher und DVD,s sowie CD,s bekommen auf einmal einen ganz anderen kulturellen Wert. Es wäre ja schön polnische und deutsche Bücher zu haben, Filme zu schauen oder nicht spanische Musik zu hören.
    Aber man denkt auch mehr über das nach, was man vielleicht auf immer verliert. Dazu gehören lange nicht mehr gepflegte Bekanntschaften, die jetzt für immer verloren gingen, wenn man sich nicht vorher meldet.

    Wir werden nicht mehr Heimat mitnehmen als Notwendig. Lieber zu wenig als zuviel.

    Schliesslich wollen wir in eine fremde, neue Welt; wozu sollen wir dann alte Tapeten an neue Wände kleben.

  • Womit alles anfing

    Unser Junge ist noch nicht in der Schule und wir wollten die Sommerzeit für einen langen Urlaub nutzen.

    Zu diesem Zwecke wurde unser guter alter Wohnwagen (immerhin 18,5 m2 Wohnfläche) vom Stellplatz geholt um ihn wieder fertigzumachen für die Reise.

    Wohin fahren wir denn? Na ja, an die Ostsee. Mindestens 2 Monate.

    Und wenn wir dort mieses Wetter haben?

    Ja, das kann passieren. Vielleicht fahren wir wieder an die französische Mittelmeerküste, nach Marseillan-Plage? Dort waren wir schon im Herbst 2004. Superurlaub.

    Hey, weißt du das wir mit zwei Erwachsenen, einem Kind, einem Hund und Auto 45€ am Tag bezahlen müssen?
    Oh! Das sind 1.350€ pro Monat. Da können wir doch auch gleich eine Wohnung mieten.

    In Portugal zum Beispiel. In der Nähe von Porto. Dort ist das Wetter schön und es ist auch nicht zu teuer.

    Superidee. Also Googeln wir mal nach Wohnungen.

    Wegen eines Tippfehlers landen wir in Arugea in Paraguay. Paraguay??

    Das ist ja fast genial! Günstige Mieten, viel Sonne, ohne das es gleich die trockene Marokko oder Tunesienhitze ist.

    Und schon hat uns dieser Bazillus erwischt.
    Ein anderes Land! Andere Menschen. Anderes Klima.
    Wir haben doch Zeit.
    Wir brauchen nicht auf Arbeitssuche gehen.
    Wir nehmen unseren Internetjob gleich mit. WWW ist doch global!

    Seitdem planen wir unseren Aufenthalt in Paraguay.

    Wir wollen für immer dort bleiben.
    Aber die Entscheidung wird erst nach einem Jahr "probeleben" fallen.

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